Keine Pläne zur UKW-Abschaltung in Deutschland

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Bild: © jakkapan - Fotolia.com
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Die Digitalisierung des Radioempfangs gestaltet sich als langwieriges Projekt. Ein konkreten Termin, an dem die analoge Übertragungsform UKW in Deutschland eingestellt werden soll, gab es schon mehrfach, er wurde jedoch immer wieder verschoben. Nun scheint die UKW-Abschaltung weiter in die Ferne gerückt.

Bei der Digitalisierung des Radioempfangs gibt es noch viel zu tun in Deutschland. Knapp vier Jahre ist es her, seit die DAB-Plus-Verbreitung in Deutschland mit dem Betrieb der bundesweiten Multiplexes am 1. August 2011 startete. Analoger und digitaler Radioempfang werden weiter parallel betrieben. Termine zur Abschaltung der UKW-Verbreitung waren schon mehrfach gesetzt worden, letztendlich aber immer verschoben oder ersatzlos gestrichen worden. Während in Norwegen dieses Jahr der Zeitpunkt für die UKW-Abschaltung beschlossen wurde, diskutiert Deutschland noch über einen solchen Termin. Nun scheint man in Bezug auf ein konkretes Abschaltdatum weiter zurückzurudern.

Auf dem Digitalradio-Kongress „DAB Plus in Europa“ am Mittwoch in Berlin diskutierten Branchenvertreter über den Digitalisierungsprozess des Rundfunks. Dabei sprach sich ein Großteil der Teilnehmer gegen die Festsetzung eines Termins zur UKW-Abschaltung aus.
 
So beharrt die Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs für die Rundfunkanstalten (KEF) entgegen früherer Forderungen nicht mehr auf einen konkreten Termin für die UKW-Abschaltung, wieNorbert Holzer von der KEF auf der Tagung klarstellte. Auch Ulrich Liebenow, Betriebsdirektor des MDR, betonte, dass die Diskussion über einen Abschalttermin von UKW vor dem erfolgten Umstieg auf Digitalradio der falsche Weg sei. Gleiches gilt für Dr. Gerd Bauer, Direktor der Landesmedienanstalt Saarland (LMS): Er betonte, dass die Landesmedienanstalten in ihrem Positionspapier zum Digitalisierungsprozess kein Abschaltdatum festgehalten haben.
 
Rainer Kampmann, Verwaltungs- und Betriebsdirektor beim Deutschlandradio, wies auf die unterschiedlichen Akzente hin, die man bei dem Abschaltungsprozess setzen könne. Einen Termin könne seiner Meinung nach den Umstiegsprozess deutlich fördern. Allerdings müssten zwischen der Nennung und der Umsetzung des Termins zehn Jahre liegen. In dieser Frage seien die medienpolitschen Akteuere gefordert, es müsse eine medienpolitische Entscheidung geben.
 
Martin Deitenbeck von der Sächsischen Landesanstalt für privaten Rundfunk und neue Medien (SLM) sieht ebenso beim Gesetzgeber eine Handlungsnotwenigkeit. Dieser könne den Digitalisierungsprozess positiv beeinflussen, indem beispielsweise frei werdende UKW-Frequenzen nicht mehr neu ausgeschrieben werden, womit schon ein wichtiger Schritt in Richtung Umstellung des Radiobetriebes getan wäre.
 
Gegenwind bekam ein konkreter Abschalttermin auch von den Privatradios. Klaus Schunk, Vorsitzender des Fachbereichs Radio- und Audiodienste beim Verband Privater Rundfunk und Telemedien e.V. (VPRT), setzt auf Zeit und bekräftigte die Forderung der Privaten, die Interessen der privaten Radioveranstalter bei einem Umstieg auf Digitalradio zu berücksichtigen. Wenn man laut über einen Termin zur UKW-Abschaltung nachdenkt, würde man den Geschäftsbetrieb der Privaten beschädigen, die ihre Werbeeinahmen derzeit allein durch den UKW-Empfang generieren. Ein Umstieg könne erst erfolgen, wenn die Frage der Refinanzierung der Privatradios geklärt sei.
 
Willi Schreiner, Geschäftsführer der DRD Digitalradio Deutschland GmbH, mahnte jedoch an, dass der Digitalisierungsprozess einen konkreten Termin brauche, an dem man sich von der analogen Übertragungsform beim Hörfunk verabschiede, sonst käme der Digitalisierungsprozess nicht voran.
 
Letztendlich scheint in Deutschland derzeit ein konkreter Zeitpunkt, an dem UKW in Rente geschickt wird, in weite Ferne gerückt. Denn selbst Befürworter eines solchen Termins sehen diesen frühestens in zehn Jahren als realisierbar an. [kw]

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