ARD mauert bei ruckelnden HD-Bildern – erster Bugfix bei Smart

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Satellit, Bild: © twobee - Fotolia.com
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Die ARD hat das Problem mit ruckelnden und stockenden Bildern bei den über Satellit verbreiteten HD-Sendern auf Anfrage von DIGITALFERNSEHEN.de heruntergespielt. Trotz vorliegender Fehlerbeschreibungen für mehrere Dutzend Receiver- und TV-Modelle spricht die öffentlich-rechtliche Sendeanstalt von „wenigen“ betroffenen Endgeräten.

Eine Sprecherin betonte am Mittwochabend, die ARD-Ausstrahlungen seien „standardkonform“. Das Problem, dass zahlreiche Geräte die neuen hochauflösenden Programme nur mit einem Zeitlupen-Effekt und regelmäßigen Tonausfällen darstellen, müsse deshalb auf Seiten der Hersteller zu suchen sein. Zudem hätten bereits seit Dezember 2011 „auf Anfrage“ Transportstreams für Tests zur Verfügung gestanden, so dass sich auftretende Probleme bereits im Vorfeld hätten lokalisieren lassen.
 
Vorsichtiger äußert sich das ZDF. Hier erklärten Verantwortliche aus der Sendetechnik auf Anfrage, dass derzeitig Prüfungen liefen, „ob die Ausstrahlung DVB-konform ist“. Ein Entwickler des Receiver-Herstellers Kathrein bestätigte DIGITALFERNSEHEN.de, dass die Empfangsstörungen seit der Aufschaltung in der Nacht zum Montag bekannt seien und man „im ständigen Kontakt“ mit den Sendern stehe, um auf beiden Seiten etwaige Anpassungen zu prüfen.
 
„Unabhängig davon versuchen wir, unsere Software für den UFS 925 und UFS 922 so anzupassen, dass es auch beim jetzigen Ausstrahlungsverfahren zu keinen Bildstörungen mehr kommt“, versicherte der Kathrein-Vertreter.  Da andere Modelle, etwa der UFS 923, die HD-Signale von ARD und ZDF störungsfrei darstellen könnten, gehe man davon aus, dass die Hardware „unbeteiligt“ sei. Das hatten bereits am Dienstag Analysen im Testlabor von DIGITALFERNSEHEN.de bestätigt (DIGITALFERNSEHEN.de berichtete).

Die ARD erklärte unterdessen, das Problem werde ernst genommen. Ziel sei es, gemeinsam mit dem öffentlich-rechtlichen Institut für Rundfunktechnik (IRT) und den betroffenen Herstellern nach Lösungsansätzen zu suchen. „Das Institut für Rundfunktechnik (IRT) in München steht mit einigen Herstellern in Kontakt und arbeitet gemeinschaftlich an Lösungen“, so die offizielle Lesart. Anpassungen des ausgespielten Datenstroms schloss der Sender jedoch zunächst kategorisch aus und verwies betroffene Zuschauer an die Hersteller. 
 
In einer FAQ auf der Website von ARD Digital zum Punkt „Die Bildqualität beim Empfang der HD-Programme ist nicht einwandfrei – woran könnte das liegen“ heißt es ebenfalls: „Die Probleme treten nach den bisherigen Erkenntnissen lediglich bei Receivern bestimmter Hersteller und dabei nur bei einzelnen Gerätemodellen auf.“
 
Wenig hilfreich rät der Sender weiter: „Um Fehler in Satellitenempfangsanlagen auszuschließen, die ebenfalls zu Bildstörungen führen können, sollte sicher gestellt sein, dass die Satellitenanlage optimal eingerichtet wurde, d.h. Pegel und Qualitätsanzeige müssen sich im ‚grünen Bereich‘ bewegen.“ Tatsächlich ist bereits nachgewiesen, dass bei identischen Empfangsvoraussetzungen einzelne Receiver ruckelnde Bilder produzieren, andere hingegen nicht.
 
Bei der Analyse der Datenströme verfolgt die Redaktion von DIGITALFERNSEHEN.de derzeit verschiedene Spuren. Neben dem Einsatz eines zweiten „Picture Parameter Set“ (PPS), den das ZDF seit dem 30. April einsetzt und der möglicherweise von einzelnen Endgeräten nicht korrekt zugeordnet wird, könnte auch eine von der ARD inzwischen genutzte spezielle Quantisierungsmatrix („custom set“) zu Inkompatibilitäten führen, weil Receiver zum Teil stattdessen auf ein in der eigenen Firmware hinterlegtes „Preset“ zurückgreifen. 
 
Andere Beobachter wollen Inkompatibilitäten in herstellerübergreifend eingesetzten STLinux-Treibern als Auslöser der Darstellungsfehler ausgemacht haben. Technisch validiert ist derzeit aber noch keine der Theorien, wenngleich der Receiver-Hersteller Smart Electronic der Lösung des Problems am nächsten zu sein scheint. Unter anderem für MX04 HDCI, MX04 HD und CX42 stehen aktuelle Firmware-Updates bereit, nach deren Einspielen sich vorherige Darstellungsprobleme auf den ARD-HD-Sendern in Luft auflösen. Die Redaktion hat dies am gestrigen Mittag nachvollzogen.
 
Trotz zahlreicher Bemühungen gelang es der Redaktion von DIGITALFERNSEHEN.de bislang nicht, einen Verantwortlichen bei Smart zu erreichen, der sich zum genutzten Ansatz der Problembehebung äußern kann. Für Besitzer anderer Geräte bleibt damit aber die Sicherheit, dass ein Ausräumen der Bildfehler auch auf dem Software-Weg möglich ist. Zu hoffen bleibt trotzdem, dass ARD und ZDF auch für Besitzer älterer Set-Top-Boxen, für die möglicherweise keine Updates mehr vorgelegt werden, den via Astra 19,2 Grad Ost verbreiteten Datenstrom derart anpassen, dass er mit allen im Markt befindlichen Endgeräten harmoniert.
 
Wir bemühen uns weiterhin um Stellungnahmen aus der Branche. Die aktuelle Informationspolitik einzelner Hersteller lässt die Vermutung aufkommen, dass im Hintergrund fieberhaft an Lösungen gearbeitet wird und sich zum momentanen Zeitpunkt aufgrund möglicher Wettbewerbsnachteile kein Anbieter öffentlich äußern will. [ar]

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253 Kommentare im Forum

  1. AW: ARD mauert bei ruckelnden HD-Bildern - erster Bugfix bei Smart Es mögen nur "wenige" Modelle sein, doch wenn diese Modelle in sagen wir 70% der Haushalte stehen...
  2. AW: ARD mauert bei ruckelnden HD-Bildern - erster Bugfix bei Smart Ich hoffe du meinst mit Bericht nicht das Statement der ARD?
  3. AW: ARD mauert bei ruckelnden HD-Bildern - erster Bugfix bei Smart Bei einem Problem, das derzeit großen Teilen der Satellitenzuschauer einen störungsfreien Empfang von insgesamt zehn hochauflösenden Sendern unmöglich macht, geht es nicht um gegenseitige Schuldzuweisungen, sondern die schnelle Behebung sollte im Vordergrund stehen. Dass wir dafür plädieren, dass sich ARD/ZDF und Hersteller schnellstens an einen Tisch setzen, um im Interesse aller Betroffenen die Fehler abzuschalten, anstatt sich zurückzulehnen und zu behaupten, man sei selbst nicht für das Phänomen verantwortlich, halte ich nicht für einen Beleg fehlender Neutralität, sondern für pragmatisch und naheliegend.
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