Family TV via Astra: Zu viel versprochen?

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Satellit, Bild: © twobee - Fotolia.com
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Vor gut zwei Wochen hatte der Online-TV-Sender Family TV seinen Start über Astra 19,2 Grad Ost angekündigt. Von einer Reichweite von 17 Millionen Haushalten war dabei die Rede und von HD-Qualität. Da der Start nun bereits einige Tage zurückliegt, kann das Fazit nur lauten: Zu viel versprochen!

Großspurige Ankündigungen von TV-Sendern ist man als Zuschauer durchaus gewohnt, etwa wenn es um neue Programmankündigungen geht, die sich dann doch wieder nur als lauwarmer Aufguss bereits bekannter Shows entpuppen. Das Programm ist jedoch in den meisten Fällen Geschmackssache und darüber, ob Family TV nun ein besseres oder schlechteres Programm bietet als andere Privatsender, darf sich gern jeder sein eigenes Urteil bilden. Die jüngste Ankündigung des Senders, die offenbar bei vielen Zuschauern für einigen Unmut gesorgt hat, betraf jedoch ohnehin nicht das Programm, sondern die technische Verbreitung.

Vor zwei Wochen kündigte der Veranstalter über seine Facebook-Seite an, dass der Online-TV-Sender Family TV ab Anfang Dezember auch über Astra 19,2 Grad Ost senden und seine Reichweite damit auf rund 17 Millionen Haushalte in Deutschland ausbauen würde. Eine Ankündigung, die tatsächlich nach einem „normalen“ Satellitenstart klang und natürlich sofort für Aufsehen sorgte, handelt es sich bei Family TV doch inhaltlich um ein Vollprogramm mit einem bunten Mix aus Serien, Filmen, Dokumentationen und Unterhaltungsformaten. Es dauerte also nicht lange, bis auch die DF-Redaktion erste Leserfragen nach Details und Empfangsparametern erreichten.
 
Schon nach kurzer Zeit wurden allerdings erhebliche Zweifel an der vermeintlichen Satellitenausstrahlung laut, da der Sender ankündigte, auch über Satellit nur in Deutschland, nicht jedoch in Österreich und der Schweiz verfügbar zu sein. Schnell verdichteten sich die Hinweise, dass es sich bei der angekündigten Satellitenausstrahlung um eine Verbreitung via HbbTV handeln könnte. Alles deutete auf einen Start in dem ebenfalls über Satellit geplanten Hybrid-Portal Multithek hin. Beim Sender wollte man über die genaue Verbreitungsart keine Auskunft geben.
 
Die Gerüchte sollten sich dabei letztlich bestätigen. Am vergangenen Dienstag (3. Dezember) startete die Multithek über Astra und Family TV war als linearer IP-Stream mit an Bord. Dabei ist eine HbbTV-Verbreitung von Sendern natürlich per se nicht schlecht und eine gute Möglichkeit auf dem TV-Schirm präsent zu sein, ohne die vergleichsweise hohen Verbreitungskosten via DVB-S-Stream zu bezahlen.
 
Was die Zuschauer am Beispiel Family TV ärgerte, war jedoch die Tatsache, dass der Sender seine Astra-Ausstrahlung großspurig angekündigt und dabei auch noch mit einer technischen Reichweite von 17 Millionen Haushalten geworben hatte. Dass der Kanal über die HbbTV-Verbreitung am Ende jedoch allenfalls zwei bis drei Millionen Haushalte erreichen kann, wurde im Vorfeld verschwiegen. Auf die Euphorie vieler Zuschauer folgte daher verständlicherweise die Ernüchterung. Klarer Fall von „zu viel versprochen“.
 
Die nächste Ernüchterung folgte für die Zuschauer, die tatsächlich über ein HbbTV-fähiges Empfangsgerät verfügen. Am Launch-Tag war es unmöglich, den Stream überhaupt mit dem Receiver zu starten. Als dieser dann einen Tag später lief, stellte sich heraus, dass der Livestream von Family TV über die Multithek zwar mit einem HD-Logo versehen ist, mit HD-Qualität derzeit allerdings nichts zu tun hat. Die Streams diverser Lokalsender, die über die HbbTV-Portale der Landesmedienanstalten verbreitet werden, bieten hier eine bessere Bildqualität. Zudem ruckelt das Bild bislang auch mit leistungsfähiger Internetverbindung merklich.
 
Insgesamt wirkt der angekündigte Start von Family TV über Astra derzeit eher wie ein früher Testlauf. Das wäre kein Problem, hätte der Sender diesen nicht zuvor mit großen Worten angekündigt und mit der Jubelmeldung gewartet, bis das Angebot in der versprochenen Qualität läuft. So handelt es sich auch hier um einen klassischen Fall von „zu viel versprochen“. [ps]

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22 Kommentare im Forum

  1. AW: Family TV via Astra: Zu viel versprochen? Das kann ich nur bestätigen. Da wurde wirklich zu viel versprochen.
  2. AW: Family TV via Astra: Zu viel versprochen? Oh, ja, die haben wirklich zu viel versprochen. Ehrlich gesagt hatte ich mich sehr auf: Family TV gefreut, als es hieß, sie wollen über Astra senden. Das man nun nur die Verbreitung via HbbTV gewählt hat, finde ich doch als sehr enttäuschend ...
  3. AW: Family TV via Astra: Zu viel versprochen? Ich finde nicht nur die Verbreitung über HbbTV enttäuschend sondern auch die Bildqualität die man auch noch mit HD betitelt.
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