Means TV: Die „postkapitalistische“ Alternative zu Netflix

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© Artur Marciniec - Fotolia.com
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Der neue Streamingdienst Means TV will es anders machen als die Großkonzerne und vor allem linkspolitische Unterhaltung bieten.

Seit dem 26. Februar kann man Means TV weltweit per eigener App, Apple TV und Fire TV streamen. Mit zehn US-Dollar monatlich bewegt sich die Plattform preislich ungefähr in Regionen der Konkurrenz von Netflix, Amazon und Disney. Doch in diesem Fall steckt ein gänzlich anderes Konzept dahinter: Laut den Gründern Nick Hayes, Regisseur und Kameramann, und Naomi Burton, PR-Expertin, ist Means TV ein „postkapitalistischer Streamingdienst“.

Die Idee zu Means TV sei den beiden gekommen, als sie 2018 ein Werbevideo für die US-Kongressabgeordnete Alexandra Ocasio-Cortez drehten, wie der „Spiegel“ jüngst in einem Artikel berichtete. Der Clip machte die Politikerin schlagartig berühmt und bald hätte es unzählige Anfragen von weiteren linken Politiker*innen gegeben. Schon während der Dreharbeiten hätten Hayes und Burton mit Ocasio-Cortez über die Idee gesprochen.

„Wir waren frustriert, dass die politisch am weitesten links stehende Person im Mainstream-Fernsehen Bill Maher von HBO ist, ein zutiefst antikommunistischer und xenophober Mensch.“ zitiert der Bericht Burton.

Aufgrund des Erfolgs des erwähnten Videos konzentrierten sich Hayes und Burton bald fast ausschließlich auf das neue Projekt, zunächst über einen YouTube-Kanal. Das Ziel sei gewesen, die Jugend für linksgerichtete Unterhaltung zu sensibilisieren. Der YouTube-Channel hat mittlerweile 167.000 Abonnenten und über 130 Videoclips – doch das eigentliche Baby ist der Streamingdienst. Dabei setzte man komplett auf das Prinzip Crowdfunding. Denn Means TV soll ohne Sponsoren und Werbung auskommen. Doch trotz Unterstützung aus dem politischen Lager um Senator Bernie Sanders und starker Social-Media-Präsenz konnte man nur 200.000 US-Dollar sammeln. Hayes und Burton aber hoffen, dass sich Means TV – auch durch geringe Fixkosten – allein durch Abos finanzieren könne.

Im Angebot des linkspolitischen Streamingdienst sind anderem die Doku „Gaza Fights For Freedom“ über Palästinenser-Proteste an der Grenze des Gazastreifens und „The Winds That Scatter“, ein Porträt eines Syrers, der sein eigenes Taxiunternehmen in den USA gründen will. Doch neben so ernsten Themen gebe es auch Unterhaltsames im Programm, etwa die Mockumentary „Brooklyn: For Real“ über einen Neu-New Yorker Straßenkünstler und die Animationsserie „Wrinkles & Sprinkles“ über zwei Hauskatzen, die im Dilemma zwischen Besitzerliebe und sozialistischer Ideologie stecken.

Ob ernst oder witzig – in jedem Fall sind die Inhalte durchweg politisch klar am linken Rand zu verorten. Da sich Means TV vor allem an Sympathisanten von Bernie Sanders und der Occupy-Bewegung richtet, ist dies kein Wunder, sondern vielmehr die Geschäftsgrundlage der selbsternannten „postkapitalistischen Streamingplattform“. So paradox dies auch klingen mag.

Bildquelle:

  • Streaming-Fernsehen-Fernbedienung: © Artur Marciniec - Fotolia.com

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