Netflix spart Millionen durch Steueroasen

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© Netflix

„No Tax and Chill“: Einem neuen Bericht zufolge, soll Netflix 2018 bis zu 430 Millionen US-Dollar der Gewinne aus internationalen Produktionen in Steueroasen untergebracht haben.

In einem Artikel des britischen Nachrichtenportals „Broadband TV News“ beruft man sich auf den Bericht „No Tax and Chill“. Dahinter steckt die Expertenkommission von „Tax Watch UK“. In dem Bericht werden die Einnahmen des Streamingdienstes in den USA, den Niederlanden und Großbritannien analysiert. Netflix sei das neueste Unternehmen in einer wachsenden Liste von digitalen Riesen, die ein Netz an Offshore-Gesellschaften nutzten, um Gewinne ins Ausland zu verlagern und Steuern zu vermeiden.

Laut dem Bericht bezahlte Netflix im Jahr 2018 keine Steuern in Großbritannien, obwohl es weltweit 1,2 Milliarden US-Dollar Gewinn machte und geschätzte 860 Millionen Pfund an Einnahmen von seinen 10 Millionen britischen Abonnenten verbuchte. Der Streamingdienst bekam 2017/18 vom britischen Steuerzahler sogar 924.000 Pfund in Form von Steuergutschriften zurück.

In dem Bericht wird zum Beispiel angegeben, dass Netflix, als 2012 die Produktionen in Großbritannien begannen, dies über eine Firma aus Luxemburg getan haben soll. Als Netflix Ende 2011 in Luxemburg startete, gab es keine Abonnenten und die Zahlen der Firma wurden in britischem Pfund veröffentlicht.

Bis 2017 unterlagen US-Unternehmen theoretisch der US-Bundesbesteuerung ihrer Gewinne im Ausland. Aber die Konzerne konnten die Zahlung der Steuern dauerhaft aufschieben, wenn sie diese Gewinne im Ausland reinvestierten. Dies hatte zu einer Reihe von Investitionen in Staatsanleihen und marktgängige Wertpapiere geführt. Man müsse das alles jedoch vor dem Hintergrund sehen, dass die erfolgreichen Netflix-Produktionen „The Crown“, „Sex Education“ und „Outlaw“ allesamt in Großbritannien gefilmt wurden.

In einem Statement an das Nachrichtenportal „Broadband TV News“ sagte Netflix, dass die Unternehmensbesteuerung wichtig sei, es aber letztendlich an den einzelnen Regierungen liegen würde, die Regeln zur Besteuerung festzulegen. Netflix würde diese Regeln in jedem Land respektieren.

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4 Kommentare im Forum

  1. Wieder ein Grund mehr endlich eine angemessene "Digitalsteuer" einzuführen, leider hat unsere Regierung zu viel Schiss in der Hose. 5% vom Umsatz wäre ein Anfang.
  2. Großkonzerne haben grundsätzlich sehr gute und teure Steuerberater. Diese sind spezialisiert auf Steueroptimierung und bewegen sich innerhalb des möglichen und zulässigen Bereichs. Stoppen könnten das nur die Gesetzgeber in den einzelnen Ländern durch Änderung dieser Vorschriften. Wenn ein Interesse da wäre könnte das auch schon längst erledigt sein, die Probleme sind ja hinreichend bekannt. Diskutiert wird das Thema ja schon lange, geändert wurde allerdings wenig bis nichts. Deshalb bezweifle ich das Interesse seitens der Regierungen da gerade Großkonzerne wie auch die deutschen Auto- und Pharmariesen, die sich dieser Instrumente ja ebenso bedienen, wahrscheinlich auch gute Parteispender sind. Also wird sich eine Regierung hüten da etwas zu verändern.
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