Blu-ray der Woche: „Auf den Spuren des Marsupilami“

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Bild: © Auerbach Verlag
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„Huba, Huba Hopp!“ – Na? Haben Sie das etwa nicht verstanden? Dann sprechen Sie wohl nicht die Sprache des sagenumwobenen Marsupilamis. Die Spuren von André Franquins berühmter Schöpfung mit dem gelben, schwarz gepunkteten Fell und dem überlangen, multifunktionalen Schwanz können wir nun auch in Alain Chabats Film auf Blu-ray verfolgen.

Letztes Jahr wagte sich Regisseur und Schauspieler A. Chabat an die Verfilmung des Marsupilami-Mythos, dessen Wurzeln älter sind als er selbst. Verfolgt man die Spuren des Marsupilami zu seinem Beginn, dann landet man Anfang der 1950er am Zeichenbrett von André Franquin. Der übernahm ab 1946 die kreative Leitung der beliebten französischen Comicreihe „Spirou & Fantasio“. In seinen, im Vergleich zum Vorgänger, komplexeren und umfangreicheren Abenteuergeschichten der beiden namensgebenden Helden, tauchte das Marsupilami 1952 zum ersten mal auf. Spirou und Fantasio entdeckten das ungewöhnliche, affenartige Wesen im Dschungel von Palumbien und machten sich gleich daran, es aufgrund seiner Einzigartigkeit und Seltenheit einzufangen.
 
Trotz dieser zu Beginn widrigen Umstände wurde das Marsupilami schließlich zu einem Freund der beiden Abenteuer und war regelmäßiger Bestandteil der Serie, solange Franquin dafür verantwortlich zeichnete. Neben dem ersten Exemplar tauchte später auch noch eine kleine Marsupilamifamilie in den Geschichten auf. Mit Franquins Abschied von der Comicreihe 1968 verschwand aber auch das Marsupilami aus dem „Spirou & Fantasio“-Universum. In den späten 1980ern erhielt es dann seine eigene Comicserie. Diesmal zeichnete Batem die Bilder zu den diversen Geschichten verschiedener Autoren, in denen das Marsupilami sich selbst und seine Familie gegen den skrupellosen Jäger Bring M. Backalive, einen gefräßigen Jaguar und das eingeborene Dschungelvolk der Chatutas verteidigen musste. Die aktuellste Variante ist die 2012 neu gestartete Reihe „Marsu Kids“, deren erster Band beim Splitter Verlag erhältlich ist.
 
Ein außergewöhnliches Wesen
 
Es kann auf seinem Schwanz mehrere Meter weit und hoch springen und besitzt eine übernatürliche Kraft und Stärke. Zur Fortpflanzung legt es Eier, hat aber kurioser Weise trotzdem einen Bauchnabel. Seine Artgenossen und Kinder müssen nicht unbedingt das gelbe Fell mit den schwarzen Punkten haben, sondern können auch nur gelb oder nur schwarz sein. Zur Verständigung macht es „Huba Huba“-Laute, aber auch dabei kann man kleine Nuancen entdecken. Weibliche Marsupilamis stoßen eher ein feminines „Hubi“ aus und die kleinen Kinder müssen das „Hu“ noch lernen und kommunizieren erstmal nur über „Bibi Bi Bi“ und die diversen Ausführungen, die diese begrenzte Wortauswahl zulässt.
 
Solche und viele andere possierliche Ideen zeichnen den 1997 verstorbenen Franquin als einen leidenschaftlichen Humoristen aus. Das hinderte ihn aber nicht daran, seine eher pessimistische Weltsicht in viele der Geschichten zu integrieren. Seine Kritik am Militarismus und am Menschen als Umweltverpester und Feind der Natur, die er in seiner späteren Comicreihe „Schwarze Gedanken“ auf die Spitze trieb, beförderte auch schon das Marsupilami in lebensbedrohliche und existenzielle Nöte.

Dieser sehr erwachsene und teils düstere Anstrich der sonst so lustigen und spaßigen Abenteuer verflüchtigte sich freilich ohne sein Zutun in den späteren Comics und ist mit der Rechtsübergabe an Disney und ihrer TV-Serie von 1993 vollends verschwunden.
 
Hier konnte das Marsupilami sogar richtig sprechen und bekam den lethargischen Gorilla Maurice an die Seite gestellt. Die Neuinterpretation

Storytechnisch kehrt Alain Chabat mit seinem Film, so scheint es am Anfang zumindest, zu den Comicwurzeln zurück. Das Marsupilami wird nach seiner Entdeckung schnell zum Ziel sensationslüsterner Reporter und skrupelloser Diktatoren. Doch während Journalist Dan Geraldo (Alain Chabat) und sein durchtriebener, aber gutmütiger Kompagnon Pablito (Jamel Debbouze) sich zum Schluss für das Wohlergehen des Marsupilami aufopfern, will der selbstsüchtige Général Pochero (Fred Testot) es nur für die eigenen Zwecke ausbeuten. Irgendwann kommt dann sogar noch eine Prophezeiung ins Spiel. Sollten Sie sich jedoch nach dem einzigartigen Humor aus Franquins Comics zurücksehnen, werden Sie von diesem Film wohl enttäuscht sein.
 
Chabat liefert hier, wie schon in „Asterix & Obelix: Mission Kleopatra“, einen recht absurden Klamauk ab, der aber allemal lustig ist, wenn man diese Art von Humor teilt. Die uralte Prophezeiung des Eingeborenenstammes, die quasi auf einer antiken Filmrolle vorgeführt wird, lässt uns zweifellos ein ums andere mal auflachen und die Travestie-Performance des tuckigen, abgesetzten Diktators zu Celine Dions „I’m Alive“ könnte man auf jeden Fall als den komödiantischen Höhepunkt bezeichnen. Hierbei kommt aber ein grundlegendes Problem des Films zum Tragen. Obwohl er offensichtlich für Kinder gemacht ist, wird es wohl gerade für die Kleineren etwas verwirrend sein. Die vielen Charaktere und teils unlogische Wendungen machen den Film mitunter konfus und manche Anspielungen verlangen dann doch zu viel.
 
Das animierte Marsupilami dagegen ist ganz auf die Jüngeren zugeschnitten. Knuddeliger könnte es wohl kaum aussehen und regelmäßig sorgt es für lustige Slapstickeinlagen – wie viel das noch mit dem Ur-Marsupilami zu tun hat, ist dann wieder eine andere Frage. Wenn aber zum Schluss die winzigen Marsu-Babies schlüpfen, bleibt doch nur noch eins zu sagen (und bitte denken Sie sich den extra säuselnden Ton einfach dazu): „Ohhh wie süüüß!“ Zum Schwärmen kommt man auch bei der Bildqualität. Das satte Grün, die warmen und leuchtenden Sonnenstrahlen und die bunte Tierwelt lassen den Dschungel äußerst lebendig wirken und besonders die detailreichen Animationen sind hervorragend gelungen. Die Räumlichkeit des Klangs ist allerdings eher schwach ausgeprägt, dafür wurden die einzelnen Sounds perfekt abgemischt. Jedes einzelne Geräusch ist klar definiert und trotzdem harmonisch im Gesamtklang.Die Wertung

 

 

FILMINHALT: 7 von 10


 
TECHNIK: 8,5 von 10
 
BILDQUALITÄT: 9 von 10
 
TONQUALITÄT: 7,5 von 10
 
3D: 6 von 10
 
 
Kurzfazit: Nicht für die glühenden Verehrer der altehrwürdigen Comicreihe, aber für einen lustigen Familienabend mit den nicht mehr ganz so Kleinen – damit es ruhig auch mal ein wenig skurril sein darf.
 
BONUSMATERIAL: 4,5 von 10

Infos zur Blu-ray


 
Genre: Komödie | Originaltitel: Sur la piste du Marsupilami | Land/Jahr: FR/2012 | Vertrieb: Senator | Bild: MPEG-4, 2.35:1 | Ton: DTS-HD MA 5.1 | Regie: Alain Chabat | Darsteller: Jamel Debbouze, Alain Chabat, Fred Testot | Laufzeit: 104 min | Wendecover: ja | Anzahl Discs: 1 | FSK: ab 6 Jahre | Start: 08. März 2013
 
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[Felix Ritter]

Bildquelle:

  • Inhalte_Blu-ray_Artikelbild: © Auerbach Verlag

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