„Des Teufels General“ und Bonvivant – vor 40 Jahren starb Curd Jürgens

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Curd Jürgens im SWR-
Curd Jürgens, hier links im Bild, im "Tatort - Rot, rot, tot" aus dem Jahr 1978. Die Neujahrs-Folge gilt bis heute mit mehr als 26 Millionen Zuschauern als der meistgesehene Fall der langlebigen Reihe. © SWR/Hugo Jehle
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Er hatte immer etwas Weltmännisches an sich und wenig vom Mief des grauen Nachkriegsdeutschlands: Curd Jürgens. Vor 40 Jahren starb der Weltstar aus München-Solln in Wien.

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Er war „Des Teufels General“, der vielleicht beste „Jedermann“, den es in Salzburg bei den Festspielen jemals gab, die Hauptfigur im meistgesehenen „Tatort“ der Geschichte und der eindrucksvolle Bond-Bösewicht Karl Stromberg in „Der Spion, der mich liebte“: Die Rede ist von Curd Jürgens, der am 18. Juni vor 40 Jahren mit 66 Jahren in Wien starb. In der österreichischen Hauptstadt befindet sich auch sein Ehrengrab auf dem Zentralfriedhof – übrigens unweit vom Grab des Sängers und Komponisten Udo Jürgens (1934-2014), bei dem der Nachname jedoch nur ein Künstlername war.

Das Jahr 1982 war ein Jahr, in dem sich der Tod besonders viel Charisma holte. Damals verlor die Filmwelt einige ihrer ganz Großen. Alle viel zu früh. Romy Schneider (29. Mai), Ingrid Bergman (29. August), Grace Kelly (14. September), Rainer Werner Fassbinder (10. Juni) und eben auch ihn: Curd Jürgens.

Curd Jürgens – ein Lebemann wie er im Buche steht

Die beste Rolle seines Lebens spielte Jürgens im Alltag und nicht auf der Bühne oder Leinwand: die des Lebemanns, der den Luxus und die Frauen liebte, ein Mann, der allein mit seiner Aura beeindruckte.

Auf fünf Ehen kam das charmante Raubein mit dem Strahleblick: Er war mit den Schauspielerinnen Lulu Basler, Judith Holzmeister und Eva Bartok verheiratet sowie mit dem Model Simone Bichéron und zuletzt mit Margie Schmitz. In seinem Nachlass fanden sich auch Liebesbriefe der jungen Romy Schneider, mit der er 1959 die Zaren-Schmonzette „Katja, die ungekrönte Kaiserin“ drehte, die das Dritte von SWR und SR am 18. Juni um 21.50 Uhr ausstrahlt.

Geboren wurde er als Curd Gustav Andreas Gottlieb Franz Jürgens am 13. Dezember 1915 in Solln, das 1938 ein Stadtteil von München wurde. Sein Vater dänischer Herkunft stammte aus Hamburg, seine Mutter war Französin. Sie zog mit ihm nach Berlin, als er zehn Jahre alt war. Bereits in jungen Jahren engagierte er sich in einer Theatergruppe.

Als bester Schauspieler bei den Filmfestspielen in Venedig

Bevor er sich aber zum Schauspieler ausbilden ließ, war er noch kurz Reporter. Von 1941 bis 1953 gehörte er dem Ensemble des Wiener Burgtheaters an. Der Mann mit der Whiskystimme wurde jedoch vor allem durchs Kino unsterblich. Insgesamt wirkte er in rund 160 Filmen mit.

Er drehte viele kommerzielle Streifen, wohl um seinen teuren Lebensstil bezahlen zu können. Er profilierte sich aber immer wieder auch in anspruchsvollen Arbeiten wie eben der Zuckmayer-Verfilmung „Des Teufels General“ von Helmut Käutner oder Literaturverfilmungen wie „Der Schinderhannes“ oder „Die Schachnovelle“. 1955 bekam er bei den Filmfestspielen in Venedig den Preis als bester Schauspieler für „Les héros sont fatigués“ (Die Helden sind müde).

Doch der Weltstar, zu dem er spätestens 1977 an der Seite von Roger Moore in „James Bond 007 – Der Spion, der mich liebte“ wurde, war sich auch fürs Fernsehen nicht zu schade. So spielte er etwa einen gedemütigten Ehemann und Frauenmörder im „Tatort: Rot – rot – tot“ (Foto). Der TV-Krimi vom Neujahrstag 1978 ist bis heute laut ARD-Medienforschung der bei Erstausstrahlung meistgesehene „Tatort“ überhaupt. Mehr als 26 Millionen Menschen sollen ihn damals allein in der Bundesrepublik gesehen haben.

In Jürgens‘ Leben schlug immer wieder das Schicksal zu: So machte eine schwere Herzerkrankung ab den 60er Jahren Operationen notwendig. Bis zu seinem Tod hielt er jedoch das Bild des Bonvivants aufrecht.

[Gregor Tholl]

Bildquelle:

  • df-tatort-rot-rot-tot: ARD-Foto
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