Desirée Nosbusch: Vom Teenie-Star bis „Bad Banks“

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Desirée Nosbusch in Bad Banks
Bild: Desirée Nosbusch in "Bad Banks" (Bild: ZDF und Fabrizio Maltese)
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Die Serie „Bad Banks“ bescherte ihr ein großes Comeback als Schauspielerin. Auch davor war im Leben von Désirée Nosbusch schon eine Menge los. Ihre Biografie spart die dunklen Seiten nicht aus.

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Wer weiß, wie das Leben von Désirée Nosbusch verlaufen wäre, wenn nicht Frank Elstner aus dem Fahrstuhl gekommen wäre. Damals war sie zwölf. Sie war fasziniert von einer Kindersendung bei Radio Luxemburg und durfte mit einer Freundin den Sender besuchen. Dort begegnete sie Elstner, der sich die Nummer des sprachbegabten Mädchens notierte, das später selbst Sendungen moderieren durfte. Als erstes interviewte sie „Winnetou“ Pierre Brice.

So begann in den 70er Jahren in der Kinderredaktion von Radio Luxemburg die Karriere von Désirée Nosbusch, in einer ähnlichen Ära wie bei Anke Engelke. Heute ist die Moderatorin und Schauspielerin 57 Jahre alt und hat mit dem Journalisten Jochen Siemens ein Buch über ihr Leben geschrieben: „Endlich noch nicht angekommen“.

Desirée Nosbusch fing als Teenie-Star aus der „Bravo“ an

Bei Prominenten ist es oft eine Frage der Generation, wofür man sie kennt. Die Älteren denken bei Nosbusch auch an früher, an Sendungen wie die ZDF-„Musicbox“. Sie war einer der Teeniestars aus der „Bravo“. Bei den Jüngeren fällt der Groschen eher bei der Serie „Bad Banks“. Da spielte Nosbusch eine eiskalte Bankerin (mit beeindruckender Perücke), das war ihr großes Comeback. Bei Grand-Prix-Fans ist legendär, wie sie die Show 1984 in fünf Sprachen moderierte.

Was man noch im Buch erfährt: Sie hatte eine eigene Sendung im französischen Fernsehen, drehte mit den Taviani-Brüdern in Italien. Als Vorbereitung für einen französischen Film wusch sie in einem Pariser Promi-Salon den Leuten die Haare. Sie flog soviel um die Welt, dass ihre Tochter dachte, sie sei Stewardess. Für „Bad Banks“ lernte sie, was Derivate und Leerverkäufe sind. In Luxemburg schleuste sie sich über Beziehungen einen Tag in eine der Großbanken ein – mit dicker Brille und falschen Zähnen verkleidet.

Was für ein sensibler Mensch sie ist, spiegelt sich, wenn sie die Tanne im Garten der Eltern beschreibt, die so alt ist wie sie selbst. Mittlerweile ist der Baum riesig hoch gewachsen. „Wenn ich an ihm hinaufsehe und den dicken Stamm umarme, mag ich aber nicht darüber nachdenken, dass er wahrscheinlich länger auf der Welt bleiben wird als ich selbst.“

Ihre luxemburgisch-italienische Familie beschreibt sie liebevoll. Die Geräusche ihrer Kindheit waren das Surren der mütterlichen Nähmaschine und Dieselmotoren. Der Vater war Lkw-Fahrer. Sie wusste schon früh, wo der Vergaser sitzt oder wie man einen Reifen wechselt, sie lernte auch Reiten, Zement anmischen und Klavier spielen. Dann der Durchbruch als Teenie-Star. Sie bekam Waschkörbe voller Post. Einmal schlug ein aus dem Taunus angereister Fan kurzerhand ein Zelt im Garten der Familie auf.

Die Schaupielerin erzählt aus ihren dunkelsten Jahren

Ihre jungen Jahre haben eine sehr dunkle Seite, die ihr bis heute einen Kloß im Hals verursacht, wie Nosbusch schreibt. Sie erzählt von einem 30 Jahre älteren Mann, der als ihr Manager auftrat und behauptete, sie seien ein Paar, was sie nicht gewesen seien. Nosbusch nennt seine Funktion, aber nicht seinen Namen. „Dieser Mann hat mich vergewaltigt. Ich weiß noch, wo und wann. Ich wollte es nicht, und was Liebe war, wusste ich nicht.“ Es seien Jahre voller Qualen gewesen. „Ich moderierte und drehte so viel es ging, weil ich dann von ihm entfernt sein konnte.“ Erst Jahre später konnte sie sich demnach lösen, sie flog Hals über Kopf nach Italien zu ihrer Familie.

Anfang der 80er Jahre interviewte Nosbusch auf eigene Faust den für seinen Jähzorn berüchtigten Klaus Kinski in Kalifornien, was abenteuerlich und teils gruselig verlief. Und dann ist da noch der Skandalfilm „Der Fan“ von 1982. Darin spielte sie einen Fan, der einen Musiker umbringt und die Leiche zerstückelt. Vom fertigen Film mit seinen Nacktszenen sei sie schockiert gewesen. Sie verlor einen Prozess, „eine hässliche Zeit“, die sie aus juristischen Gründen nicht im Detail erzählen könne.

Noch ein Skandal von damals: Nosbusch zeigte sich in einer Sendung von Joachim Fuchsberger kritisch über den bayerischen Ministerpräsidenten Franz Josef Strauß. Heute wäre der Skandal eher, wie die spätere, lustig gemeinte Buße aussah: Fuchsberger legte sie spielerisch übers Knie. Das kann man sich noch heute im Netz angucken.

Das Internet vergisst nichts, das ist etwas, was Nosbusch bedauert. Google und Youtube sind für sie ein „gigantisches Weltarchiv, das genauso großartig wie grausam ist“. Es enteigne Erinnerungen. „Ich und alle anderen, die vor Kameras stehen, in schlechten Filmen mitgespielt oder irgendeine andere, noch so kleine Sünde begangen haben, müssen damit leben, dass sie jeder auf der Welt in irgendwelchen Winkeln des Netzes jederzeit finden kann. Wir können nicht sagen: Ich habe es vergessen, also vergesst ihr es bitte auch.“

New York, Kalifornien – Ein internationales Leben

Das Buch blickt auf ein internationales Leben zurück. Anfang der 80er Jahre besuchte Nosbusch eine Schauspielschule in New York. Lange lebte sie mit ihrem ersten Mann, dem Komponisten Harald Kloser, in Kalifornien. Sie hat mit ihm zwei Kinder, Lennon und Luka, die heute Mitte 20 sind. Mittlerweile wohnt sie wieder in Luxemburg und ist in zweiter Ehe verheiratet, mit Kameramann Tom Bierbaumer.

Bei Biografien von Prominenten stellt sich oft die Frage, warum man sie lesen sollte. Nosbusch trifft mit ihrem Buch anekdotenreich die Welt der um die 55-Jährigen, die ohne Internet und mit nur drei Programmen im Fernsehen aufgewachsen sind. Dazu gibt es eine Menge Stoff aus der Welt hinter den Kulissen von Film, Theater und Fernsehen, obendrauf noch ein bisschen Fortbildung in Sachen Luxemburg.

Ihr Weg zeigt: Auch mit jenseits der 50 kann es noch jede Menge neue Perspektiven geben. Bei Nosbusch ist es etwa ihre Rolle im Irland-Krimi in der ARD oder der Film „Poison“, den sie mit Tim Roth und Trine Dyrholm drehen will. Ob sie ein glückliches Leben hatte, diese Frage könne sie nicht beantworten. „Ich bin ja noch mittendrin.“

Bildquelle:

  • desiree-nosbusch: ZDF und Fabrizio Maltese
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