Moderationsallzweckswaffe Matthias Opdenhövel wird 50

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© WDR/Herby Sachs
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Einst nahm ihn Stefan Raab auf dem Moped mit – und seitdem ist es für Matthias Opdenhövel eigentlich immer nur bergauf gegangen. Er moderiert die „Sportschau“, aber auch Shows wie „The Masked Singer“. Jetzt steht ein runder Geburtstag an.

Plötzlich ist er da. Wie ein geölter Blitz rast Matthias Opdenhövel auf seinem Fahrrad heran und bremst scharf ab. „Pünktlich auf die Minute!“, sagt er breit grinsend. Unverkennbar ist der „Sportschau“-Moderator selber auch nicht gerade unsportlich. Er ist braun gebrannt, trägt Turnschuhe, Shorts und ein schwarzes T-Shirt. Dass er diesen Dienstag 50 Jahre alt wird, mag da manchen überraschen.

Treffpunkt ist die „kölsche Riviera“, eine Rheinschleife mit vielen schönen Sandbuchten. Opdenhövel zieht es zum Fluss. Er hat die Corona-Zeit dafür genutzt, mit dem älteren seiner beiden Söhne – sie sind 19 und zwölf – einen Bootsführerschein zu machen. Acht Tage haben sie nur gebüffelt, mit Geodreieck und Zirkel. Jetzt hat er den Schein und dürfte sogar ums Kap Hoorn segeln. Sein Traum ist bescheidener: ein eigenes kleines Motorboot -„ohne Kajüte, ganz schlicht“.

Über zugewachsene Uferpfade und einen Damm aus aufgeschütteten Steinen geht es zum Wasser. Opdenhövel erzählt, wie er vor wenigen Tagen seine Jungfernfahrt auf dem Rhein gemacht hat. Gleich bei dieser Premiere geriet er zwischen zwei Gewitterfronten. „Wir sind bis zum Dom gefahren, der war dunkel umhüllt, richtig spooky, da haben wir uns gleich wieder auf den Rückweg gemacht. Das Wasser war spiegelglatt. Man ist darübergefahren wie auf Eis.“

Im Bootshaus „Albatros“ bestellt er sich wenig später ein stilles Wasser und verschränkt die Arme hinterm Kopf. Ein Mann, der rundum zufrieden, ja glücklich wirkt. Gar keine Angst vor der runden Zahl? „Überhaupt nicht. Ich fühl mich besser und fitter als mit 40. Ich bin gesund, meine Lieben sind gesund, im Job läuft es spitze.“

Am meisten Erfolg hat er derzeit mit der Show „The Masked Singer“. Sein Traum war aber immer, Sportreporter zu werden. Das war schon in Kindertagen so, in Detmold bei Bielefeld. „Ernst Huberty, Addi Furler, Dieter Adler, das waren meine Helden.“ Als er mit acht Jahren erstmals für drei Wochen in die Kirchenfreizeit nach Ameland fuhr, schickten ihm seine Eltern jede Woche den „Kicker“ hinterher.

Dennoch begann er nach dem Abitur erstmal ein BWL-Studium in Würzburg. „Ich dachte: Als Reporter hat man nur eine Chance, wenn man in Deutsch eine eins hat.“ Schon nach der ersten Vorlesung wusste er, dass das nichts für ihn war. Stattdessen entschied er sich nach einem Semester für eine Hospitanz bei der „Lippischen Rundschau“. Von dort ging es weiter zum Lokalradio und dann Anfang der 90er Jahre zum Fernsehsender Viva nach Köln.

Dort lernte er Stefan Raab kennen. „Der hat mich auf seinem Moped hintendrauf mitgenommen und mir Köln gezeigt. Seitdem kennen und mögen wir uns.“ Zehn Jahre später wurde Opdenhövel der Moderator von „Schlag den Raab“. Zusammen mit dem Vox-Musik-Quiz „Hast Du Töne?“ ist das die Sendung, auf die er bis heute angesprochen wird.

Der alte Fußballwunsch arbeitete in ihm weiter. Zunächst wurde er Stadionsprecher bei seinem Lieblingsverein Borussia Mönchengladbach und stellte dort für die Dreiviertelstunde vor dem Anpfiff ein richtiges Programm auf die Beine. Dadurch wurde der Pay-TV-Sender Arena auf ihn aufmerksam und engagierte ihn als Reporter.

2011 dann die Erfüllung seines Kindheitstraums: Er moderierte erstmals die „Sportschau“. „Wenn die Eröffnungsmelodie kommt und du stehst da in dem Set, dann ist das schon eine Adrenalindusche“, sagt er. Sein Highlight war die Berichterstattung vom deutschen WM-Titelgewinn 2014 in Rio de Janeiro, der Tiefpunkt die Kommentierung der Pariser Terroranschläge am 13. November 2015 aus dem Stade de France, wo ein Freundschaftsspiel zwischen Frankreich und Deutschland stattfand.

„Ich saß am Spielfeldrand, und plötzlich ein Knall, wie ich ihn in meinem Leben noch nie gehört hatte“, erinnert er sich. „Der Boden vibrierte. Ich blickte mich um und sah ein ganzes Stadion unter Schock.“ Was konkret geschehen war, erfuhr er lange nicht – denn die Polizei legte das Mobilfunknetz lahm, um die Kommunikation der Attentäter zu unterbinden. „Deswegen war es auch so schizophren, dass wir darüber berichten sollten. Wir wussten nur, was wir im Stadion sehen konnten.“ Die gespenstische Fahrt mit Tempo 100 durch die menschenleeren Straßen von Paris zurück zum Hotel steht ihm bis heute vor Augen.

Insgesamt habe er viel Glück gehabt, sagt er rückblickend. Aber auch das Richtige getan, nicht nur, als er sein Studium abbrach. Derzeit ist sein älterer Sohn in der Berufsfindungsphase. Papas Rat: „Egal was du machst, ob du einen Stuhl schreinerst, eine Klasse unterrichtest oder ein Fußballspiel kommentierst, du musst mit Feuer dabei sein. Denn wenn man etwas mit Leidenschaft macht, wird es meistens gut.“[Christoph Driessen]

Bildquelle:

  • Sportschau-Matthias-Opdenhoevel: © WDR/Herby Sachs

2 Kommentare im Forum

  1. Mein Lieblingsmoderator, sowohl im Sport als auch im Showbereich. Und diese Kunst beherrschen nur sehr wenige. Entweder da oder dort gut, aber Beides, sehr schwer. Glückwunsch Opti. :-)
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