Wie die „Sesamstraße“ vor 50 Jahren nach Deutschland kam

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Sesamstraße © NDR/Sesame Workshop
© NDR/Sesame Workshop
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Die „Sesamstraße“ gehört zum Fernsehen in Deutschland wie „Die Sendung mit der Maus“, die „Tagesschau“ und der „Tatort“. Doch ihr Start in der Bundesrepublik war bedächtig. Vor exakt 50 Jahren stieg der WDR in die Testausstrahlung, die zuvor bereits im NDR gestartet wurde.

Millionen deutsche Kinder der 70er und 80er Jahre denken an Tiffy, Samson und Herrn von Bödefeld, an Lilo Pulver, Uwe Friedrichsen, Horst Janson und Ilse Biberti. Global gesehen sind dagegen Ernie und Bert, das Krümelmonster, Graf Zahl, Grobi und Elmo in den Köpfen, wenn der Titel der Vorschulreihe „Sesamstraße“ fällt. In mehr als 150 Ländern erreichte die Kindersendung mit ihren Puppen kleine Fans – oft mit lokal angepassten Ablegern. Darunter sind auch Staaten wie China, Nigeria und Afghanistan.

Während in den USA schon Ende 1969 die erste „Sesamstraße“ über die Bildschirme flimmerte, kam die Sendung des Children’s Television Workshop (CTW) erst 1973 synchronisiert nach Deutschland. Dazwischen – vor genau 50 Jahren – gab es im WDR einen zweiten Testlauf mit Original-Folgen.

Zuerst im NDR, Radio Bremen und SFB dann im WDR

Bereits vom 5. bis 9. April 1971 strahlte der Norddeutsche Rundfunk fünf Episoden der amerikanischen Sendereihe „Sesame Street“ zur Vorschulerziehung im Dritten Programm von NDR, Radio Bremen und SFB (Sender Freies Berlin) aus. Am 2. Mai ’71 zog auch der Westdeutsche Rundfunk (WDR) mit den Originalfassungen nach.

„Die 60-minütigen Folgen wurden lediglich mit einem erklärenden deutschen Kurzkommentar unterlegt, und an ihrem Ende wurden die Zuschauer aufgefordert, dem Sender mitzuteilen, was sie von dem neuen amerikanischen Format hielten“, heißt es vom NDR dazu.

Als in Deutschland ab 1973 synchronisierte Original-Folgen ausgestrahlt wurden, protestierte ein Bündnis aus Eltern, Erziehern und Wissenschaftlern gegen das Flair der amerikanischen Straßenszenen, das mit der Lebenswelt deutscher Kinder nichts gemein habe. Deutschland bekam dann ab etwa 1977 mehr eigene „Sesamstraße“ mit Figuren wie dem leichtgläubigen Bären Samson („uiuiuiuiui“), der altklugen Tiffy und Schauspiel-Stars wie Henning Venske, Liselotte Pulver, Uwe Friedrichsen, Horst Janson, Ute Willing, Manfred Krug.

Ab etwa 1977 mehr eingedeutschte „Sesamstraße“

Um die Serie anzupassen, begann man eben, zusätzliche Beiträge in Deutschland zu drehen und in die amerikanischen Folgen einzufügen. Mit rund zwei Dritteln kam zwar der überwiegende Inhalt noch aus den USA, allerdings wurde das im Laufe der Jahre immer weiter verringert.

Die Schauspielerin, Regisseurin und Autorin Ilse Biberti, die vor 40 Jahren mehr als 200 Folgen für die deutsche „Sesamstraße“ drehte, erinnert sich gern an diese Zeit. „Ich bekomme noch heute Autogrammwünsche oder via Social Media ‚Liebeserklärungen‘ damaliger Kinder“, sagt die 63-Jährige. „Mir wird immer wieder gesagt, ich sei ein Teil der Familie gewesen.“

Beim Testlauf der „Sesamstraße“ im Frühling 1971 war Biberti zwar erst 13 Jahre alt, aber an ihrer Schule schon politisch aktiv und in der Schauspielschule. „Gleichberechtigte Bildungschancen waren damals ein heißes Thema.“ An ihrer Schule habe es junge Lehrer gegeben, die den Geist der 68er von der Uni mitbrachten. Fortschrittliche Pädagogen sahen viel Potenzial in Formaten wie der „Sesamstraße!.

Schauspielgrößen wie Horst Janson und Manfred Krug Teil des Ensembles

Biberti, die den Namen des Comedian-Harmonists-Sängers Robert Biberti (1902-1985) trägt, der sie in den 70ern als Tochter annahm, hatte schon jung TV-Rollen gespielt. Aus politischer Überzeugung ging sie ans Grips-Theater in Berlin. „Beim Casting für die ‚Sesamstraße‘ war ich stark erkältet, permanent tränten meine Augen. Doch zu meiner Überraschung wurde ich sofort besetzt.“

Sie drehte mit dem 22 Jahre älteren Horst Janson, mit dem sie noch heute Kontakt hat, wie sie sagt. „Horst und ich kamen aus gegensätzlichen Welten. Am Set hatten wir eine intelligente Spielfreude – hauptsächlich mit Samson und Tiffy. Mit Puppen zu spielen, ist eine Herausforderung. Mit Menschen als Gegenüber fließen Energien und Gefühle, es ist ein Agieren und Reagieren. Puppen haben dagegen keine Augen, man schaut auf ein totes Kunstfell.“

Ein Höhepunkt dieser Zeit sei der Besuch von Muppets- und Sesamstraßen-Erfinder Jim Henson gewesen, sagt Biberti. „Jim bot mir an, zur ‚Sesamstraße‘ nach New York zu kommen. Ich Doofi habe das nicht gemacht.“ Ganz nach dem Sesamstraßen-Motto: „Wieso, weshalb, warum…“

Biberti lebte dennoch später ein paar Jahre in New York, auch in Los Angeles und Paris.

[Gregor Tholl]

Bildquelle:

  • Sesamstraße: ARD-Foto
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6 Kommentare im Forum

  1. Habe zumindest eine unsynchronisierte Folge damals gesehen, das muss vormittags gewesen sein. War damals vier...
  2. Ach ja. Die Kinderprogramme der 80er: Sesamstraße, Hallo Spencer, Die Fraggles, Doctor Snuggles, Calimero...
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