20 Jahre Ulrich Meyer bei Sat.1: „Zuschauer ist der Fixstern“

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Bild: Destina - Fotolia.com
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Am 2. April 1992 hatte der heute 56-Jährige Ulrich Meyer, der vorher fünf Jahre für RTL plus tätig war, seinen Sat.1-Einstand mit dem lautstarken Talk „Einspruch!“. Sein Magazin „Akte“, heute noch auf Sendung, wird bald 17 Jahre alt. Aufhören ist kein Thema für Meyer, wie er im Gespräch verrät.

20 Jahre Sat.1 sind mehr als eine Ewigkeit – wie verlief der 2. April und die Premiere von „Einspruch!“ 1992 für Sie?

Ulrich Meyer: Es war ein Donnerstag – ich hatte nach meinem RTL-Abschied nur rund 100 Tage gehabt, um eine neue Redaktion und eine neue Firma aufzubauen. Zu Beginn der Sendung funktionierte der Ton nicht, unser Gast Irmgard Adam-Schwaetzer, damals Bundesbauministerin, war nicht so recht vorbereitet auf einen kämpferisch eingestellten Moderator, der angekündigt war als „Deutschlands härtester Talker“. Also musste ich mindestens das aus ihr herausholen, wonach ich ziemlich beharrlich gefragt hatte. Das hat unser Verhältnis nicht belastet, aber zumindest geformt…

Wie muss man geschnitzt sein, um 20 Jahre einem Sender zu dienen – und vor allem: Was für Spuren hinterlässt das?

Meyer: Ich diene dem Zuschauer. Ich bin kein Hierarchietyp. Und mir gefällt, was Kollege Johannes B. Kerner sagte: Meine Kriterien sind härter als die des Senders. Wichtig ist: Es hat wenig Sinn, als freier Produzent zu schauen, wer welches Hütchen aufhat. Je weiter man vom Flurfunk weg ist, je mehr Staats- oder Reichsferne man hat, desto besser. Der Zuschauer ist der Fixstern.

Auch wenn man ständig von Sendeplatz zu Sendeplatz geschubst wird und Etatstreichungen hinnehmen muss…

Meyer: Wir sind mit unserer „Akte“ schon so lange auf dem Dienstag, dass man dies als Hort der Stabilität bezeichnen kann – immerhin rund 700 von rund 850 Ausgaben… Ich kann keinem Geschäftsführer Bösartigkeit unterstellen, wenn er als neuer Besen gut kehren will und neue Ideen und neue Köpfe bringt. Die geringeren Etats heute sind Entwicklungen geschuldet wie dem Platzen der Internetblase, der Pleite des Kirch-Konzerns oder auch der Werbekrise in den Nullerjahren. Deswegen heißt unsere Devise ja auch nicht mehr: „Reporter decken auf“, sondern „Reporter kämpfen für Sie“.

…worin welcher Unterschied liegt?

Meyer: Wer aufdecken will, begibt sich oft in eine Art Darkroom und läuft Gefahr, im Dunkeln herumzustochern und dann nichts Sendbares zu finden. Wer als Reporter für jemanden kämpft, hat auf jeden Fall ein konkretes Schicksal für die nächste Sendung. Wir kriegen jedes Jahr 30 000 Zuschriften, sind dicht am Zuschauer dran. Deswegen ist es mir heute auch wichtiger, wenn ich jemandem bei der Auseinandersetzung mit seiner Krankenkasse geholfen habe als zum Beispiel der Fund von Kokain im Reichstag – auch wenn da der Unterhaltungswert größer war…

Werden wir Ulrich Meyer auch in 20 Jahren noch als Frontmann der „Akte 2032“ sehen?

Meyer: Die „Akte“ hat es allein für ihre Arbeit ganz nah am Zuschauer verdient, zu leben. Wir wollen es mit Oliver Kahns Bayern-München-Philosophie halten: Wir machen einfach immer weiter. Die „Akte“ wird es weiter geben. Auf Einzelschicksale muss dabei keine Rücksicht genommen werden.

Also sind Sie eines Tages nicht mehr dabei?

Meyer: Die Betonung liegt dabei auf „eines Tages“ – vielleicht geht es dann ja mit einem Doppelgänger weiter.

Vielen Dank für das Gespräch.[Interview: Carsten Rave]

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2 Kommentare im Forum

  1. AW: 20 Jahre Ulrich Meyer bei Sat.1: "Zuschauer ist der Fixstern" Ach ja, der Ulli und seine Reporter kämpfen.... aber nicht nur für uns.Auch für die Geldgeber. Klar ist ja auch legitim. Aber dem Zuschauer deshalb Falschinformationen verkaufen? Sendung im Februar, Thema HDTV, Aussage: "Für den Empfang von HDTV-Programmen ist eine Smartcard erforderlich" Eine Mail an die Akte-Redaktion wurde leider nicht beantwortet. Ulli: Schick deine Reporter los und lass sie kämpfen...
  2. AW: 20 Jahre Ulrich Meyer bei Sat.1: "Zuschauer ist der Fixstern" Was hast du denn da gesehen???? Top Tipps Fernseher - Video - AKTE 20.12 - Sat.1
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