ARD-Reporter in Katar inhaftiert

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Bild: Destina - Fotolia.com
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Ein Team des ARD wurde in Katar bei Recherchen zur Fußball-Weltmeisterschaft 2022 festgenommen. Erst nach deutscher Intervention wurden sie freigelassen, allerdings wurde ihr gesamtes Filmmaterial von den Behörden vernichtet.

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Bei Recherchen im arabischen Golfstaat ist ein ARD-Fernsehteam in Konflikt mit der Justiz gekommen. ARD-Reporter Florian Bauer, ein Kameramann, ein Toningenieur und ihr Fahrer wurden bei Recherchen zur Situation der Gastarbeiter auf den Baustellen zur Fußball-Weltmeisterschaft 2022 festgenommen. Anschließend wurde das Team fünf Tage lang an der Ausreise gehindert und erhielt seine beschlagnahmte Ausrüstung erst nach mehr als vier Wochen zurück. Alle Datenträger wurden vollständig gelöscht, auch die eindeutig als privat gekennzeichneten Bilder und Dateien.

Im Vorfeld der Recherchereise hatte sich Florian Bauer wochenlang bei den verschiedensten Stellen in Katar um Interviews und Drehgenehmigungen bemüht – ohne Erfolg. Die meisten Institutionen reagierten auf die wiederholten Anfragen gar nicht. Trotz allem wollte der Reporter im Auftrag des WDR nachforschen, was aus den Zusagen Katars geworden ist, die international kritisierten Arbeitsbedingungen auf den WM-Baustellen zu verbessern.
 
Während ihres Drehs am 27. März wurde das Reporter-Team vom katarischen Staatsschutz festgenommen, auf die Polizeiwache gebracht und anschließend dem Staatsanwalt vorgestellt. Nach 14 Stunden erfolgte ihre Freilassung und ein Ausreiseverbot. Erst am 2. April durfte das Team nach Intervention der deutschen Botschafterin das Land verlassen. Ein Festnahmegrund wurde den Reportern bisher nicht mitgeteilt, vermutlich wird ihnen aber das Filmen ohne Drehgenehmigung zur Last gelegt.
 
Katar rangiert auf der Rangliste der Pressefreiheit von „Reporter ohne Grenzen“ auf Platz 115 von 180 Staaten. Medien dürfen in dem arabischen Emirat nur mit Lizenz arbeiten. Bei Verleumdung, Blasphemie und andere Pressedelikte muss mit langen Haftstrafen gerechnet werden. Zu den Tabuthemen zählen Kritik am Königshaus, kontroverse Gerichtsverfahren und Themen der nationalen Sicherheit.
 
Bei der Handball-Weltmeisterschaft soll Katar für fast 40 Prozent der internationalen Berichterstatter die Flug- und Hotelkosten übernommen haben. Nach dem Turnier berichteten die Reporter, dass sie jede Interviewanfrage gegenüber den katarischen Stellen rechtfertigen mussten und mit ihren Gesprächspartnern beaufsichtigt wurden. [id]

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21 Kommentare im Forum

  1. AW: ARD-Reporter in Katar inhaftiert Katar ist eben ein Land, in dem Repression und Korruption zum guten Stil gehören. Wie sonst soll die WM nach Katar gekommen sein?
  2. AW: ARD-Reporter in Katar inhaftiert Traurig, dass man sich eine solche WM einfachen kaufen kann. Ob sie auch gleich den Titel kaufen? (Spieler einbürgern, Schiri bestechen ...)
  3. AW: ARD-Reporter in Katar inhaftiert Bloß nicht verschreien! Bei der Handball-WM hätte es fast geklappt, da wurden sie mit dieser Praxis Vizeweltmeister!
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