Aufregung um „Wort zum Sonntag“ im Ersten – Vorurteile befördert

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Bild: Destina - Fotolia.com
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Auch „Das Wort zum Sonntag“ hat das Potenzial zum Aufreger. Evangelikale Christen sehen sich durch die jüngste Ausgabe der religiösen ARD-Sendung am Samstagabend verunglimpft und haben Programmbeschwerde beim zuständigen Norddeutschen Rundfunk (NDR) eingereicht.

In der Sendung vom 14. April habe der katholische Theologe Wolfgang Beck evangelikale Gruppen mit den Pius-Brüdern und den muslimischen Salafisten gleichgesetzt. Dies sei stillos und demagogisch, erklärte der Vorsitzende der Deutschen Evangelischen Allianz, Michael Diener, am Montag. Beck hatte in der Sendung über diese drei Gruppen gesagt: „Sie alle haben mehr gemeinsam als ihnen wahrscheinlich lieb ist – vor allem dieses Bemühen um größtmögliche Eindeutigkeit.“
 
Damit würden „in der Gesellschaft nachvollziehbare Ängste vor islamischem Extremismus“ ungebrochen auf Christen übertragen, erklärte Diener. Er rief Beck in einer Mitteilung dazu auf, sich von seiner Aussage zu distanzieren. Die radikalislamischen Salafisten hatten zuletzt mit dem massenhaften Verteilen kostenloser Koran-Exemplare für Aufsehen gesorgt.

Eine Sprecherin des NDR bestätigte, dass am Montag eine Beschwerde der Evangelischen Allianz eingegangen sei. „Der NDR prüft derzeit den Inhalt des Schreibens und das weitere Vorgehen“, erläuterte sie knapp. Zu den Vorwürfen wollte sie sich zunächst nicht äußern. Insgesamt erreichten den NDR sechs Beschwerden, alle von evangelikalen Christen, hieß es.
 
Die Evangelische Allianz mit Sitz im thüringischen Bad Blankenburg ist ein Dachverband evangelikaler Christen in Frei- und Landeskirchen. Ihre Zahl wird in Deutschland auf mehr als eine Million geschätzt. Sie sind bekannt für eine streng wörtliche Bibelauslegung, eine konservative Morallehre und am Zeitgeist orientierte Gottesdienstformen. „Während für die Salafisten zu Recht die Beobachtung durch den Verfassungsschutz ansteht, stehen wir als sogenannte evangelikale Gruppierung ohne Wenn und Aber zu unserer Verfassung und der sie tragenden Werte“, betonte Generalsekretär Hartmut Steeb.
 
Kritik kam auch vom Christlichen Medienverbund KEP, der eng mit der Evangelischen Allianz verflochten ist. Durch die Aussagen Becks würden die Menschen, die der evangelikalen Bewegung angehörten, auf das Schlimmste diffamiert, sagte KEP-Geschäftsführer Wolfgang Baake. Das „Wort zum Sonntag“ habe dazu beigetragen, Vorurteile zu verschärfen. Damit habe der NDR gegen Programmgrundsätze seines Staatsvertrages verstoßen, wonach er für Minderheitenschutz einzutreten habe und religiöse Überzeugungen der Bevölkerung zu achten seien.

 
 [Andreas Hummel]

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