Autor des Fischer-Films attackiert ZDF-Chefredakteur Brender

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Bild: Destina - Fotolia.com
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Im ZDF gibt es Ärger um das Fischer-Porträt „Joschka – eine Karriere“. Der Autor des Films, Hubert Seipel, wirft Chefredakteur Nikolaus Brender in einem persönlichen Brief eine „Intervention“ vor, die sich „nahe am Rande dessen“ bewege, was „landläufig Zensur genannt wird“.

Der preisgekrönte TV-Dokumentarist Seipel war für den Zweiteiler über das Leben des Ex-Außenministers verpflichtet worden, nachdem sich das ZDF von einem ersten Autor bereits getrennt hatte. Doch auch mit Seipels Arbeit war Brender nach Sichtung lediglich des ersten Teils unzufrieden. So wurde kurzfristig entschieden, die beiden Filme zu einem zu kürzen.

Als Begründung nennt der Redaktionsleiter Guido Knopp nun „Einwände gegen die Primetime- Fähigkeit“ und eine „Notwendigkeit der Verdichtung“. Zuvor allerdings hatte er intern versichert, die Programmänderung habe nichts mit Seipels Arbeit zu tun. Seipel schreibt in seinem Brief, er habe nach Brenders Intervention „mit einer verunsicherten Redaktionsspitze“ gearbeitet und mit Kollegen, „allesamt geprägt von der Angst vor dem Chefredakteur“. Die Tatsache, dass Brender ihn nicht einmal gehört habe, bewertet Seipel als „unprofessionell“: „Es geht nicht um Ihr verbrieftes Recht als Chefredakteur, Entscheidungen zu treffen. Es geht um das Wie, und um die Frage, warum“, schreibt der freie Journalist in seinem Brief.
 
Eventuell fühle sich Brender zu „größerer Rücksichtnahme als normal verpflichtet“, weil er womöglich ein TV-Projekt mit Fischer plane. In einem Antwortbrief an Seipel keilt Brender zurück: „Auch gute Autoren greifen mal daneben. Diese Tatsache ist Ihrem Brief an mich ebenso zu entnehmen wie der Fassung Ihres Filmtextes.“ Er selbst habe den Zweiteiler weder abgesetzt noch die Redaktion dazu angewiesen. Er habe lediglich „kräftige Kritik an Text, an Dramaturgie und Verständlichkeit“ geübt sowie „kalauernde“ oder „unangemessene Formulierungen“ kritisiert. Überlegungen, Fischer „bei besonderen internationalen Ereignissen sporadisch in unser Programm einzubinden, haben mit der Produktion des ZDF nichts zu tun“. Dergleichen sei Verschwörungstheorie.
 
Dem Spiegel sagte Brender, mit Fischer über mögliche Sendeformate, etwa das eines „Außenpolitischen Quartetts“, gesprochen zu haben. Hubert Seipel selbst will zu dem Brief keine Stellung nehmen. [fp]

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7 Kommentare im Forum

  1. AW: Autor des Fischer-Films attackiert ZDF-Chefredakteur Brender Wenn sich schon Guido Knopp Gedanken um die Primetime-Verwendbarkeit macht, dann muss ich mich fragen, warum dessen Sendungen in einer ausufernden Quantität zu jeder Zeit über den Sender gehen? Offensichtlich geht es dem ZDF nicht mehr um Qualitätsfernsehen, sondern um Primetime-Weichspül-Formate wie "Unser Charlie" und Carmen Nebels überteuerte Freak-Show. Brender hat schon zu oft daneben gehauen und zeigt hier mal wieder unsagbare Unprofessionalität - oder ist es doch nur Kalkül und die Neutralität geht flöten, die man von einem "Chefredakteur" eines ÖR-Senders erwarten sollte oder kann? Erst die Korrespondenten und jetzt prämierte Dokumentarfilmer? Reflektieren kann Brender offensichtlich auch nicht...
  2. AW: Autor des Fischer-Films attackiert ZDF-Chefredakteur Brender Naja. Guido Knopp hat sicherlich nicht an Carmen Nebel oder einen Schimpansen gedacht, sondern an die Prime-Time-Kompatibilität von historischen Dokus. Das ist ja sein Spezialgebiet. Und daher ist er unter Historikern auch so umstritten. Also, nicht immer gleich die Volksmusik-Keule raus holen. Darum gehts in diesem Zusammenhang nun wirklich nicht.
  3. AW: Autor des Fischer-Films attackiert ZDF-Chefredakteur Brender Es geht aber auch nicht darum, historisch anspruchsvollere Dokumentationen zu Zeiten auszustrahlen, zu denen normale Menschen bereits in der Tiefschlafphase sind. Der Auftrag des ZDF ist es auch nicht, eine Quote zu bedienen - dafür gibt es GEZ-Gebühren (auch wenn man sie laut GEZ nicht so nennen sollte) und einen Öffentlich-Rechtlichen Auftrag. Man kann sich sicher darüber streiten, ob ein ehemaliger Steinewerfer historisch wichtig ist, aber hier geht es um Einflussnahme eines eher durchschnittlichen ZDF-Redakteurs namens Brender, der gerne "uns Joschka" an Bord holen möchte und sich gerade in Position bringt, eine Portion Puderzucker anal zu applizieren.
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