Bastian Pastewka muss bei Blockbustern passen [Interview]

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Bild: Destina - Fotolia.com
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Der Schauspieler und Komiker Bastian Pastewka schenkt gerne Hörspielen sein Ohr. Am liebsten lauscht er den Audiogeschichten während langer Autofahrten. An Samstag trat Pastewka bei den 6. ARD-Hörspieltagen in Karlsruhe auf. Im Interview verrät der Entertainer, was ihn an Hörspielen fasziniert.

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Pastewka präsentierte „Dickie Dick Dickens“, eine deutsche Kriminalsatire mit Kultcharakter aus den 50er bis 70er Jahren. Doch was begeistert ihn an Hörspielen?
 
Sie sind ein Film- und Fernsehmann, arbeiten in Bildern. Sind Hörspiele da nicht langweilig?
 
Bastian Pastewka: Überhaupt nicht. So wie ich ein großer Film- und Fernsehfanatiker bin, so kann ich mich auch für Hörspiele begeistern. Das deutsche Hörspiel hat in den vergangenen Jahrzehnten große Stücke herausgebracht, die mich bis heute fesseln. Rolf und Alexandra Beckers Satiren „Dickie Dick Dickens“ oder „Gestatten, mein Name ist Cox“ sind nur zwei Beispiele. Tolle kleine Geschichten, produziert zu Zeiten des Dampfradios, mit Geräuschen gekonnt in Szene gesetzt und besetzt mit großen Schauspielern der damaligen Zeit. Ich liebe es, diesen Stücken zu lauschen und im Kopf meinen eigenen Film daraus zu machen.
 
Uns Sie sitzen dann mit Kopfhörer zu Hause auf dem Sofa?
 
Pastewka: Ohne Kopfhörer. Bei mir läuft das alles nach System. Eine tragende Rolle hat mein Postbote. Ich lasse mir von allen ARD-Radiostationen Radiobroschüren und Programmhefte schicken. Dann wähle ich aus, was ich hören will. Wenn das Hörspiel auf Sendung geht, nehme ich es auf und archiviere es.
 
Mit welchem Aufwand?
 
Pastewka: Ich habe mir eine Technik hierfür ausgetüftelt. Mit Computer-Software, digitalen Festplatten und MP3-Playern ist das heute ja auch viel einfacher als früher. Es gab in den 1980er Jahren einige Familienfeste ohne mich, weil ich mit dem Finger an der Eject-Taste vor dem Radiorecorder saß, um schnell die Kassette zu wechseln, damit ich bloß nichts verpasse. Am meisten interessierten mich damals Krimis und Science-Fiction-Geschichten. Die Radio-Fassungen von „Der Name der Rose“, „Der Herr der Ringe“ oder „Der Hobbit“ haben mich geprägt und sind als Hörspiel genauso fesselnd wie als Film.

Wie groß ist Ihr Archiv?
 
Pastewka: Allein in diesem Jahr habe ich rund 40 Hörspiele aufgenommen. Ich könnte allein mit diesen Stücken dreieinhalb Tage beschäftigt sein.
 
Haben Sie denn die Zeit dafür?
 
Pastewka: Ich fahre viel Auto, beruflich bedingt viele Langstrecken und in der Nacht. Das Auto wird für mich dann zur Hörspielarena. Viel besser als Radio mit Dauerwerbung und Dudelmusik. Oft bin ich jedoch schon am Ziel, wenn die Geschichte noch läuft. Ich habe mit meinem Auto schon viele Stadtrundfahrten unternommen – nur, damit ich irgendwas zu Ende hören konnte.
 
Ist das auf Dauer nicht etwas langweilig?
 
Pastewka: Überhaupt nicht. Gerade die Klassiker höre ich gerne immer und immer wieder. Es gibt häufig Dinge in der Geschichte, die ich neu entdecke und zuvor überhört habe. Wichtig ist, dass es ein echtes Hörspiel mit Geräuschen ist. Hörbücher, in denen einfach ein Text vorgelesen wird, finde ich meist langweilig.
 
Stoßen Sie bei Freunden oder Mitfahren auf Verständnis für Ihr Hobby?
 
Pastewka: Es passiert häufig, dass Freunde anrufen, weil sie auf der Suche nach einem bestimmten Stück sind. Die sind dann ganz glücklich, wenn ich es in meinem privaten Archiv habe.
 
Werden Sie für Ihr umfangreiches Hörspiel-Wissen beneidet?
 
Pastewka: Nein, natürlich nicht. Aber es reicht, um damit anzugeben. Es ist ein Spezialwissen. Mit Fernsehserien und Hörspielen kenne ich mich einigermaßen aus. Wenn es aber um die klassischen Blockbuster geht, muss ich meist passen. Ich habe noch nie ‚E.T.‘, ‚Casablanca‘ oder ‚Der Pate‘ gesehen, weil es mich einfach nicht interessiert. Deshalb falle ich bei Wissenstests oder Gesellschaftsspielen, die breites Wissen erfordern, meistens durch.
 
Vielen Dank für das Gespräch. INTERVIEWs im Überblick
[Interview Jürgen Ruf]

Das Interview gibt die Meinung des Interviewpartners wieder. Diese muss nicht der Meinung des Verlages entsprechen. Für die Aussagen des Interviewpartners wird keine Haftung übernommen.

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