Bisky: „ARD und ZDF sollten als Innovationsmotor agieren“

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Bild: Destina - Fotolia.com
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Leipzig – Im Rahmen der Aktion HDTV JETZT! standen Entscheider und Macher der Branche Rede und Antwort.

Auch Industrie und Politik üben Kritik an den Plänen der Öffentlich-Rechtlichen, erst 2010 HDTV ausstrahlen zu wollen. Gegenüber DIGITAL FERNSEHEN äußerte Prof. Dr. Lothar Bisky, Vorsitzender der Partei Die Linke, seine Meinung.

DFARD und ZDF wollen erst 2010 HDTV ausstrahlen. Wie wirkt sich die späte HDTV-Einführung Ihrer Meinung nach auf den „Standort Deutschland“ aus?
 
Bisky: Ich wünschte, ARD und ZDF hätten mit der Ausstrahlung von HDTV bereits zur Fußball-WM 2006 begonnen und danach SDTV in einer Übergangsphase (Simulcast) bis 2010 oder 2012 auslaufen lassen. Dann wäre es für die Öffentlich-Rechtlichen auch möglich gewesen, über entsprechende technische Standards und Qualitätslabels für TV-Geräte mitzubestimmen. Vielleicht wäre so der Kopierschutz HDCP zu verhindern gewesen und wären viele LCD- und Plasma-Panels, die HDTV vorgeben zu können, dafür in Wirklichkeit aber ungeeignet sind, nicht verkauft worden. Auch hätte eine solch frühe Einführung der notwendigen Akzeptanz von HDTV bei den Zuschauerinnen und Zuschauern sicher eine bedeutenden Schub gegeben. Sie sehen, ich definiere „Standort“ hier einmal aus Sicht der Verbraucher.
 
DF: Die Öffentlich-Rechtlichen argumentieren mit steigenden Kosten durch HDTV. Können Sie diese Argumentation nachvollziehen?
 
Bisky: Die Umrüstung der MAZ- und Sendetechnik ist selbstverständlich nicht kostenfrei zu haben. Ein größerer Teil sollte aber bereits bis dato und erst recht bis 2010 im Rahmen der regulären technischen Ersatzinvestitionen getätigt worden sein: schließlich ist das in diesem Bereich angebotene technische Equipment heute sowohl SD- als auch HD-tauglich. Transparenz über Umfang und Stand der technischen Umrüstung besteht gegenwärtig allerdings nicht. Hier besteht Handlungsbedarf.
 
DF: Liegt der ins Auge gefasste Starttermin 2010 ihrer Meinung nach darin begründet, dass ARD und ZDF mit den Mehrkosten für HDTV ein gewichtiges Argument für die anstehende Festsetzung der Rundfunkgebühr ab dem 1. Januar 2009 in die Waagschale werfen wollen und deshalb nicht früher starten?
 
Bisky: Das ist angesichts der mangelnden Transparenz des Standes der technischen Umrüstung leider nicht auszuschließen.

DF: Ferner sagen ARD und ZDF, es sei nicht ihre Aufgabe, den Markt anzukurbeln. Welche Rolle spielen Ihrer Ansicht nach die Öffentlich-Rechtlichen bei der Einführung neuer TV-Technologien wie Farbfernsehen, Teletext oder HDTV?
 
Bisky: ARD und ZDF sollten das Rundfunkgebührenaufkommen nicht nur verwalten, sondern auch als Innovationsmotor agieren. Dies gilt ebenso für ihre Rolle bei der Einführung neuer TV-Technologien wie HDTV. Den dabei anfallenden zusätzlichen Nutzen habe ich in Antwort 1 skizziert.
 
DF: Was wünschen Sie sich von ARD und ZDF?
 
Bisky: Der öffentlich-rechtliche Rundfunk sollte bereit dazu sein, sowohl programmlich als auch technologisch Innovationen zu bewirken und aktiv Standards zu setzen.
 
 
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