Bühnenvereins-Präsident findet Serien-Stars peinlich

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Bild: Destina - Fotolia.com
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München (dpa) – Die Vorabendserien im Fernsehen mit oft nicht ausgebildeten Darstellern schaden aus Sicht des Präsidenten des Deutschen Bühnenvereins zunehmend dem Schauspielberuf.

Das Fernsehen brauche wieder mehr „richtige Schauspieler“, die eine Ausbildung und eine Grunderfahrung haben, sagte Klaus Zehelein. „Die Hilflosigkeit der jungen Leute, jene peinliche Entblößung, die da stattfindet, ist ganz furchtbar und äußerst bedauerlich“, sagte Zehelein, der auch Präsident der Bayerischen Theaterakademie in München ist.

„Es gibt im Fernsehen eine Vermischung von laienhaftem Herumtasten und wirklich befähigten Künstlerinnen und Künstlern, die nicht mehr unterscheidbar werden in dieser Melange.“ Die „platt-naiven Storys“ seien heute überall zu sehen: „einfach gestrickte Handlungen für einfach gestrickte Darsteller“. Die jungen Leute brächten alles andere als Frische in die Vorabendprogramme. „Das Gegenteil ist der Fall. Natürlichkeit, Leichtigkeit muss man erlernen“, betonte Zehelein.
 
Die Darsteller würden außerdem über ihre eigenen Fähigkeiten geblendet, sie glaubten, Stars zu sein. „Wenn die Mädels und Jungs, die in Vorabendserien spielen, sozusagen von einer Peinlichkeit in die andere rutschen, so stellt sich doch hart die Frage nach der Verantwortlichkeit, nach der gesellschaftlichen Legitimation solchen Tuns. Mit Frische und Ungezwungenheit hat das nichts zu tun, sie bleiben fahle, graue Mäuse, bunt angezogen“, sagte Zehelein. „Ich halte diese Besetzungspolitik der Fernsehanstalten für verhängnisvoll.“
 
Gute Fernsehschauspieler kämen nach wie vor von der Bühne. Voraussetzung, eine Rolle spielen zu können, sei die Auseinandersetzung mit Literatur und Kunst, mit anderen Menschen, dem Fremden und mit dem „ästhetischen, sozialen und politischen Geflecht in der Gesellschaft“. [lf]

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