„Community“: Versager im Kampf mit sich selbst

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Bild: Destina - Fotolia.com
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So unterschiedlich die Figuren der US-Sitcom „Community“ auch sind, sie haben eines gemeinsam: im Versagen sind sie einsame Spitze. Damit soll nun Schluss sein, doch das ist leichter gesagt als getan. Vor allem am College. Der Privatsender ProSieben bringt den buntgemischten Loser-Haufen am 28. April erstmals ins deutsche Fernsehen.

Neue TV-Serien sprießen in den USA derzeit aus dem Boden wie Schneeglöckchen im Frühjahr. Auf der Suche nach einem neuen Quotenhit entwickeln die Sender immer neue Konzepte, doch Zuschauermagnete wie einst „Friends“ oder auch „Emergency Room“ sind nur äußerst selten darunter. Immer mehr US-Sender setzen daher auf Comedy-Formate, um das Publikum an sich zu binden. Auch Nerds werden als Figuren immer beliebter, denn spätestens seit dem Erfolg von Chuck Lorres „The Big Bang Theory“ ist klar, dass das Serienkonzept mit Außenseitern funktioniert.

Doch es sind nicht nur die hochintelligenten, sozial eher minderbegabten Computerfreaks, die sich am Community College in Greendale versammeln, sondern Menschen aller Alters-, Berufs- und Interessensgruppen. Dass sich die Serie nicht auf eine bestimmte gesellschaftliche Gruppierung festlegt, verleiht ihr ihren ganz besonderen Charme. Denn jeder kann sich in der kleinen Gruppe aus Studenten wiederfinden.Inhalt

Jeff Winger ist praktizierender Anwalt – oder zumindest war er das, denn als herauskommt, dass er gar kein gültiges Diplom besitzt, wird ihm seine Zulassung entzogen. Seines Jobs beraubt, gibt es nur einen Weg zurück in sein altes Leben: er muss wieder die Schulbank drücken und seinen Abschluss nachholen. Widerwillig schreibt sich Jeff am Community College in Greendale ein, doch sein ohnehin schon mehr als begrenzter Eifer zum Lernen ist schnell vergessen, als er seiner Kommilitonin Britta Perry begegnet.

Der ehemalige Anwalt wirft ein Auge auf die hübsche Blondine und gründet gemeinsam mit ihr eine Lerngruppe für Spanisch. Während Britta tatsächlich daran interessiert ist, ihre Sprachkenntnisse aufzubessern, ist Jeff nur darauf aus, sich an seine Lernpartnerin heranzumachen. Dementsprechend schlecht staunt er, als Britta kurzerhand eine ganze Gruppe anderer Studenten in ihren Spanisch-Club einlädt. Erst recht, da jeder einzelne von ihnen ein Loser zu sein scheint.

Jeff ist alles andere als begeistert. Nicht nur, dass er zum ersten Mal in seinem Leben wirklich für etwas lernen muss, nun ist er dabei auch noch von einer Gruppe voller Versager umgeben. So schwer es ihm anfangs auch fällt: bereits nach kurzer Zeit muss er sich eingestehen, dass er jeden Einzelnen von ihnen mag.Darsteller und ihre Rollen

Die Rolle des Jeff Winger ist sicher eine Herausforderung. Er ist ein Arschloch, aber sympathisch. Die Gefahr ist groß, dass er schnell zur arroganten Nervensäge wird, doch Hauptdarsteller Joel McHale gelingt die Gradwanderung. Er füllt den Anwalt mit Leben, verleiht ihm Konturen und bringt ihn dem Zuschauer trotz seiner zum Teil überheblichen Art näher. „Community“ ist für den in Rom geborenen Schauspieler der erste Ausflug in die Welt der TV-Serien. Zuvor war der vor allem als Moderator der Talkshow „The Soup“ bekannte McHale bereits in „Spider-Man 2“ und „Mein erster Mord“ zu sehen.

Auf wesentlich mehr Serienerfahrung kann da Kollegin Gillian Jacobs zurückblicken. Sie trat bereits in „Fringe“, „Criminal Intent“, „Royal Pains“ oder auch „The Good Wife“ auf. In „Community“ schlüpft sie in die Rolle von Britta Perry, Jeffs Angebeteter. Nachdem sie ihre Karriere als Anarchistin an den Nagel gehängt hat, versucht auch Britta, ihr Leben auf dem Community College wieder in den Griff zu bekommen.

Für Danny Pudi hieß es dagegen, einen waschechten Nerd zu mimen, denn Abed Nadir ist nicht nur Filmstudent, sondern auch Popkultur-Junkie. Mit der Figur von Abed bleibt Serienschöpfer Dan Harmon dem Klischee der Nerds treu. So glänzt Abed zwar mit einem scheinbar unendlichen Wissen über die Film- und Fernsehwelt, doch seine sozialen Kompetenzen im Umgang mit anderen Menschen sind eher schwach ausgeprägt.

Umso erstaunlicher scheint es, dass er ausgerechnet in Troy Barnes, der in seiner High-School-Zeit als Football-Star glänzte, einen neuen Freund findet. Troy, gespielt von Donald Glover, trauert seinen ruhmreichen Tagen als Sportler noch immer nach. Am Community College hofft er, einen neuen Weg für seine Zukunft zu finden und entdeckt gemeinsam mit Abed das Nerd-Dasein für sich.

Dann gibt es da noch Pierce Hawthorne, einen in die Jahre gekommenen Großunternehmer, der auf dem College versucht, der heimischen Einsamkeit zu entkommen. Sechs Mal war Pierce bereits verheiratet und nicht eine Ehe hat gehalten. Wieso, das weiss er bis heute nicht. Lebenserfahrung bringt nicht nur Pierce mit in die Gruppe ein, sondern auch sein Darsteller Chevy Chase. Bekannt ist der aus New York stammende Komiker und Schauspieler vor allem für seine Auftritte in Komödien wie „Hilfe, die Amis kommen„.

Etwas Komödiantisches hat auch die Rolle von Senor Benjamin Chang, dem Spanischlehrer der Truppe. In seinem Temperament ziemlich unausgeglichen, wird der Dozent später selbst zum Schüler. Gespielt wird Chang von dem US-amerikanischen Schauspieler Ken Jeong, der dem deutschen Publikum wohl vor allem als nackter Kofferraum-Chinese aus „Hangover“ im Gedächnis geblieben ist.Hintergrund

Für die Rolle der Annie Edison, einer jungen Frau, die nach ihrer Pillensucht an der High School ihren früheren Erfolgsweg fortsetzen will, stellten sich die Macher der Serie ursprünglich einen ganz anderen Typ Frau vor. Einen Typ, in den Schauspielerin Alison Brie überhaupt nicht passte, denn Harmon suchte nach einer Asiatin oder auch Lateinamerikanerin. Aber er fand einfach keine geeignete Kandidatin. Daher entschied man sich letztlich für die „Mad Men“-Darstellerin Brie.

„Community“ versprach bereits kurz nach der Premiere ein Hit zu werden. Knapp 7,6 Millionen US-Amerikaner verfolgten im September 2009 den Serienauftakt auf NBC. Durchschnittlich schalteten rund 5 Millionen Zuschauer regelmäßig die erste Staffel ein, was „Community“ auf Platz 97 der beliebtesten Serien des Jahres brachte. Grund genug für den Sender, Nachschub zu ordern. Zwei weitere Staffeln bestellte NBC trotz stetig sinkender Quoten. Derzeit wird in den USA darüber spekuliert, ob die Serie noch ein viertes Jahr erleben wird. NBC hat sich zu der Frage noch nicht eindeutig geäußert.„Community“ in Kürze

Originaltitel: „Community“ | Produktionsjahr: 2009 | Erstausstrahlung USA: 17. September 2009 (NBC) | dt. Erstausstrahlung: 28. April 2012 (ProSieben) | Folgen: bisher 62 Folgen in drei Staffeln | Genre: Comedy | Inhalt: Jeff ist Anwalt, hat aber keinen anerkannten Abschluss. Als der Schwindel auffliegt, wird ihm seine Zulassung entzogen und Jeff muss am Community College sein Diplom nachholen. Dort gerät der Business-Man aber nicht an die coolen Jungs, sondern in eine Gruppe voller Loser.

 
DIGITAL FERNSEHEN stellt Ihnen an dieser Stelle immer am Sonntagvormittag die aus Sicht der Redaktion interessanteste TV-Serie vor, die innerhalb der kommenden sieben Tage im deutschen Fernsehen anläuft.
Serienstarts im Überblick
[Frances Monsheimer]

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  • Inhalte_Fernsehen_Artikelbild: Destina - Fotolia.com

3 Kommentare im Forum

  1. AW: "Community": Versager im Kampf mit sich selbst Die Serie passt gut ins Programmschema dieses Sender... Vielleicht folgt die Meldung, dass sie mangels Zuschauerzuspruch abgesetzt wird. Dazu wird sicherlich auch der Sendeplatz am Samstagnachmittag beitragen. Sie gehört zu den vielen Serien, von denen man sich mehr versprochen hat, als letztlich herauskam. Sahen die erste Folge noch fast 8 Mio. Zuschauer, waren es am 08.12.2011 noch 3,6 Mio. Zwischenzeitlich waren es noch weniger. Auf Grund des kontinuierlichen Rückgangs der Einschaltquoten gab NBC im November 2011 bekannt, die Serie nach der Winterpause abzusetzen. Die letzte Folge wurde am 08.12.2011 ausgestrahlt. Die bisher nicht ausgestrahlten 12 Folgen der dritten Staffel laufen vom 15.03.-24.05.2012.
  2. AW: "Community": Versager im Kampf mit sich selbst Community war nie so meins... was irgendwie leider fuer so ziemlich alle NBC Sitcoms gilt - ausser 30 Rock
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