„Die Lincoln Verschwörung“: Robert Redfords Politdrama heute auf 3sat

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Das Attentat auf Abraham Lincoln, den legendären 16. Präsidenten der USA, ist mehr als 150 Jahre her. Dennoch führen von dem Geschehen rund um den Mord und seine Folgen viele Parallelen in die Gegenwart.

Jedes Kind in den USA hat all das schonmal gehört: Abraham Lincoln, Vorkämpfer gegen die Sklaverei in Amerika, ist am 14. April 1865 von dem Südstaatler und Fanatiker John Wilkes Booth bei einem Theaterbesuch in Washington niedergeschossen worden. Nur wenig früher war der blutige Sezessionskrieg mit der Kapitulation des Südstaaten-Generals Robert E. Lee zu Ende gegangen. Der US-Kongress hatte die Sklaverei für abgeschafft erklärt. In Robert Redfords „Die Lincoln Verschwörung“ diesen Freitag um 22.15 Uhr auf 3sat wird der tödliche Anschlag selbst dann auch ganz schnell abgehandelt.

„Die Lincoln Verschwörung“ ist nämlich kein action-geladener Kracher. Nach der Buchvorlage von James D. Solomon inszeniert Redford vielmehr einen aufrüttelnden Gerichtsfilm mit brisanten politischen Tönen. Im Plädoyer für die US-Verfassung geht es um die Nachwirkung einer nationalen Tragödie, um Militärtribunale, um die Abschaffung von Gesetzen und darum, wie nach Terrorangriffen Angst geschürt wird – vor mehr als 150 Jahren, gleich nach Lincolns Tod.

„Als ich merkte, dass es gar nicht um Lincoln ging, sondern um einen Prozess, den keiner richtig kennt, wurde ich aufmerksam“, sagte Redford vor dem Kinostart 2011 der Zeitung „Salt Lake Tribune“. „Die Lincoln Verschwörung“ dreht sich nämlich um den historischen Prozess gegen die Südstaatlerin Mary Surratt (Robin Wright), die zusammen mit einer Handvoll Männern als Mitverschwörerin des Lincoln-Attentäters angeklagt wurde. Die Witwe betrieb in Washington eine Herberge, in der Booth und seine Kumpanen gleich mehrere Mordanschläge auf Politiker ausheckten.

War Surratt eine kaltblütige Verschwörerin oder eine ahnungslose Wirtin, die nur Unterschlupf bot? Kriegsminister Edwin M. Stanton (Kevin Kline), von ihrer Schuld fest überzeugt, stellte die Frau vor ein Militärtribunal, der übliche Jury-Prozess wurde ausgesetzt. Mit wenig Mimik glänzt Robin Wright („House of Cards“) in der Rolle der verhärmten, stoischen Frau, die vor Gericht um ihr Leben kämpft. Kaum jemand ist der Südstaatlerin gut gesonnen, nicht einmal ihr Anwalt glaubt an ihre Unschuld.

James McAvoy („Abbitte“) spielt den jungen Frederick Aiken, einen hoch dekorierten Kriegshelden der Nordstaaten, der die Frau nur widerwillig verteidigt. Aus dem wortlastigen, aber spannenden Justiz-Thriller wird ein emotionales Drama. Langsam schlägt sich der Anwalt auf die Seite von Surratt, als er merkt, dass in dem Schau-Tribunal Recht und Verfassung auf der Strecke bleiben.

Redford wollte es nach eigenen Bekunden vermeiden, Parallelen zwischen der öffentlichen Panik nach dem Lincoln-Attentat und nach den Terrorangriffen vom 11. September 2001 zu ziehen. Er sei schon oft als „zu linksgerichtet“ eingestuft worden, sagte der Regisseur der „Salt Lake Tribune“. In diesem Fall habe er sich einfach nur an die historischen Fakten gehalten. „Ich will es den Zuschauern und den Kritikern überlassen, diese Parallelen zu finden, ohne dass ich darauf herumreiten muss“. Redford konnte es in dem Interview aber nicht lassen, den damaligen Kriegsminister Stanton mit Donald Rumsfeld, dem früheren Verteidigungsminister unter George W. Bush, zu vergleichen.

In „Die Lincoln Verschwörung“ hält sich der engagierte Demokrat dagegen zurück. In dem klassisch inszenierten Gerichtsdrama haben die historischen Fakten das Sagen. Eine Botschaft, die das amerikanische Publikum allerdings 2011 nicht hören wollte. Der für knapp 20 Millionen Dollar gedrehte Film spielte an den nordamerikanischen Kinokassen nur etwa die Hälfte seiner Produktionskosten ein.

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