Digitale Dividende: TV- und Radioanbieter winken ab

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Bild: Destina - Fotolia.com
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Die Rundfunkbranche hat offenbar wenig Interesse an einer Verbreitung von Radio und TV über Mobilfunk. Einzig Regiocast und Sky sehen beim LTE-Standard Potential für die Zukunft.

Mobilfunk hat als Zukunftskanal der Rundfunkbranche wohl kaum Chancen. Zu diesem Schluss kommt auch Zoltan Bickel, Direktor LTE Kommerzialisierung bei Vodafone Deutschland: „Pläne, Rundfunk über LTE anzubieten, gibt es derzeit keine“ so Bickel. „Als Telekommunikations- und Mobilfunknetzbetreiber hat Vodafone die Frequenzen der Digitalen Dividende zur Nutzung für Telekommunikations-Dienste erworben und wird sie auch entsprechend nutzen.“
 
Laut dem aktuellen „Meinungsbarometer Digitaler Rundfunk“ von Digital Radio Mitteldeutschland hat auch die Telekom angekündigt, man wolle sich nicht die „Datenkanäle mit Rundfunksignalen verstopfen“. Laut dem Bericht fühlen sich die Branchen-Experten bestätigt, die vor zu großen Hoffnungen in die neue Technologie gewarnt hatten. „LTE ist sicher eine gute Möglichkeit, einige tausend joggende Zuhörer weltweit mit einem Radioprogramm zu versorgen“, sagte Albrecht Mugler, Vorstand der Mugler AG, dem Branchendienst. Auch Podcast-Anwendungen ohne anspruchsvolle Echtzeit-Anforderungen seien mit LTE denkbar.
 
„Haben Sie jedoch die Absicht, interessante Fußballspiele live oder Inhalte mit hochauflösenden Bildern an sehr viele Nutzer in einem Empfangsgebiet gleichzeitig zu übertragen, benötigen Sie Rundfunktechnologien.“ Dies werde sich aufgrund der physikalischen Grenzen der Funkausbreitung in absehbarer Zeit auch nicht ändern. Zudem sei die störungsfreie Übergabe zwischen LTE-Zellen und anderen Netzen technisch anspruchsvoll. „Darin liegt ein weiterer Vorteil von Rundfunknetzen: Einen Abbruch durch Überlastung einer Basisstation, also durch zu viele Zuhörer oder Zuschauer, gibt es dort nicht“, erläutert Mugler.

Regiocast setzt dagegen auch auf LTE. Geschäftsführer Erwin Linnenbach hält LTE weiterhin als geeignet, um Radio zu verbreiten. Bandbreitenprobleme sieht Linnenbach nicht, da Radio nur einen Bruchteil der Kapazitäten von LTE benötige. Die neue Mobilfunktechnologie sei eine weitere Distributionsform, „über die wir selbstverständlich in Zukunft auch Radio verbreiten werden“. Eine Gefahr, dass Programmveranstalter für Radio über LTE“ an die Mobilfunker zahlen müssen, sieht der Regiocast-Chef nicht: „Warum auch? Erst die Inhalte machen ein Netz – in diesem Falle LTE – wertvoll.“ Bisher zahle vor allem der Kunde, der sich für ein Mobilfunkangebot mit einem entsprechenden Datentarif entscheidet. „Insofern ist jeder Mobilfunker gut beraten, Radio im Angebot zu haben“, zitiert das Meinungsbarometer den Regiocast-Chef.
 
Auch der Pay-TV-Sender Sky hat seine Pläne für Fernsehen per LTE noch nicht aufgegeben. Mit der Sport-App habe Sky ein Live-Angebot – zunächst noch über W-LAN – auf das iPad gebracht. Mobilfunk der dritten und vierten Generation sei da eine natürliche Weiterentwicklung, betont der Leiter Unternehmenskommunikation Armin Sieber. „Zusätzliche Bandbreite, wie sie LTE-Technologien versprechen, bieten auch zusätzliche Potenziale. Aus diesem Grund verfolgen wir die Entwicklungen im Bereich LTE mit Interesse und begrüßen den weiteren Ausbau.“[mw]

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2 Kommentare im Forum

  1. AW: Digitale Dividende: TV- und Radioanbieter winken ab Wer will sich auch Fernsehen über ein Smartphone antun. Das ist ja schon viel früher gescheitert. Radiohören könnte ich mir ja noch vorstellen. Vielleicht bringt es ja was mit einem Tablet-PC.
  2. wer rechnen kann ist klar im Vorteil ... ... selbst als Brodcast, wäre das eine Verschwendung von Möglichkeiten.
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