Düsterer Frankfurt-„Tatort“ – Kommissare tappen im Dunkeln

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Bild: Destina - Fotolia.com
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Von wegen besinnlich-ruhig – der Frankfurt-Tatort des Hessischen Rundfunks, der am zweiten Weihnachtsfeiertag ausgestrahlt wird, ist vor allem düster. Die Kommissare müssen lange auf Erleuchtung warten.

Wer am zweiten Weihnachtsfeiertag ein Kontrastprogramm zu Familie, Lichterglanz und Weihnachtsfreude braucht, dürfte sich beim Frankfurter „Tatort“-Krimi „Der Turm“ gut aufgehoben fühlen. Denn düster, sehr düster geht es dort zu. Das Ermittler-Duo Anna Janneke (Margarita Broich) und Paul Brix (Wolfram Koch) untersucht den Tod einer jungen Frau, die nachts halbnackt und mit einer Plastiktüte über dem Kopf vor einem Büroturm gefunden wird. Ein tödlicher Unfall bei Sex-Spielen oder war es Mord?

Dass Brix und Janneke lange Zeit in diesem Fall nicht durchblicken, liegt nicht nur an der fehlenden Kooperationsbereitschaft des unüberschaubaren Firmengeflechts im Turm. Janneke, die als erste am Turm eintrifft, betritt das Gebäude, während Brix noch hinter einer Kehrmaschine der Müllabfuhr im Stau steht. Der unscharfe Sucher ihrer Kamera, das Klicken des Verschlusses führen den Zuschauer durch die erste Szene. Dann wird es dunkel für Janneke – ein Unbekannter schlägt sie nieder. Trotz Kopfverletzung und Erinnerungslücken beteiligt sie sich vom Krankenbett aus an den Ermittlungen.
 
Brix arbeitet sich unterdessen am Turm ab. Doch schon der übereifrige Sicherheitsdienst lässt sich vom Dienstausweis des Kommissars so gar nicht beeindrucken. Eine taffe Rechtsanwältin, die zugleich Geschäftsführerin einer Reihe der im Büroturm ansässigen Firmen ist, hält den Ermittler ebenfalls erfolgreich auf Abstand. Selbst von der Staatsanwaltschaft fühlt sich Brix allein gelassen, wenn er Äußerungen hört wie: „Ihre Wutbürger-Attitüde hilft uns gar nicht.“
 
Von Bijan (Rauand Taleb), einem jungen Computerexperten, erhofft sich Brix einen Zugang zu den Vorgängen im Turm – auch wenn Bijan nicht nur auf die Verschwiegenheitserklärung pocht, die alle Angestellten unterschreiben müssen, sondern auch erbarmungslos seine technische Überlegenheit ausspielt. Immerhin: „Wir sind Nerds, die Geld zu mehr Geld machen“, das versteht auch der IT-Laie Brix.
 
Während die Ermittler buchstäblich vor verschlossenen Türen stehen, kommt das Gefühl auf, im Dunkeln zu tappen. Das ist auch filmisch erfahrbar – immer wieder sind Kamerasequenzen bewusst unscharf, dominieren Grautöne, ragt der Büroturm düster, drohend und geheimnisvoll auf. Carol Burandt von Kameke hat diese Stimmung mit der Kamera überzeugend eingefangen.
 
Grautöne dominieren auch bei den meisten Personen, mit denen Brix und Janneke bei ihren Nachforschungen zu tun haben, ein klares Gut oder Böse scheint es kaum zu geben, fast jeder ist irgendwie fragwürdig. Jenny etwa, die Tote, die Brix zunächst für ein ermordetes Vergewaltigungsopfer hält, hatte durchaus ihre dunklen Seiten. Für menschliche Wärme sorgt lediglich Brix‘ Vermieterin Fanny (Zazie de Paris), die sich um die angeschlagene Janneke kümmert. Und auch Brix, der weiterhin im Umgang mit der Kollegin das förmliche „Sie“ beibehält, zeigt sich hier mal von der fürsorglichen Seite.
 
Der Showdown dieses „Tatorts“ der dunklen Töne, in dem Lars Henning nicht nur Regie führte, sondern auch das Drehbuch verfasste, findet passenderweise im Finstern statt. Nur so viel sei verraten: Menschen, die sich in dunklen, engen Räumen unbehaglich fühlen, werden das nicht unbedingt genießen. Wie schon bei ihrem letzten Fall bleiben am Ende Ratlosigkeit und ein bitterer Nachgeschmack. Kommissarin Janneke, nicht nur von Kopfschmerzen geplagt, bringt es auf den Punkt: „Gar nichts ist gut.“

 




 

Der Tatort „Der Turm“ läuft am 26. Dezember um 20.15 Uhr im Ersten. Wiederholt wird er am 26.12. um 20.15 auf ONE und am 27.12. um 1.20 Uhr ebenfalls auf ONE.



[Eva Krafczyk]

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  • Inhalte_Fernsehen_Artikelbild: Destina - Fotolia.com

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