Erschreckend aktuell: Die ZDF-Reportage „Extremsparer“

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Mutter und Tochter am Tisch
Foto: ZDF
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Etwa 8 Prozent Inflation im Nacken und ein Winter mit explodierenden Energiepreisen vor der Tür. Viele Deutsche sprechen nun über Sparen. Eine ZDF-Langzeitreportage zeigt Beispiele, wie weit man gehen kann.

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Kurt liest den Supermarkt-Prospekt mit so riesigem Interesse wie andere eine Zeitung. Der 68-Jährige aus der Nähe von Lüneburg schreibt sich die besten Sonderangebote heraus, besonders bei Lebensmitteln guckt er genau hin. Er weiß sehr detailliert, unter welchen Aliasnamen teure Markenanbieter ihre Ware als No-Name-Produkt verscherbeln: „Ich bin überhaupt nicht geizig. Nur ich sehe das nicht ein, für bestimmte identische Produkte unnötig viel Geld auszugeben.“

Kurt ist Teil der faszinierenden ZDF-Langzeitreportage „Extremsparer: Jeder Cent zählt“ aus der renommierten Reihe „37 Grad„. Zwei Jahre lang hat der Dokumentarfilmer Daniel Hartung Menschen begleitet, die auf jede Münze gucken. Zu sehen ist das Dienstag (13.9. um 22.15 Uhr).

Fachmann Kurt verlegt mit einem Freund sogenannte Sparkochbücher. Zu den Hauptabnehmern zählen Jobcenter in ganz Deutschland. Deren Kunden haben oft nicht das Geld, viel für ihr Essen zu bezahlen. „Wir wissen, wie man sich ernährt von wenig Geld“, sagt er über sein Gemeinschaftsprojekt. „Viele kommen halt überhaupt nicht klar. Die kaufen sich Fertiggerichte und dann reicht das Geld natürlich nicht.“

Deutschland spricht im ZDF über das Sparen

Seit die Inflation im Sog des Ukraine-Krieges so hoch gestiegen ist wie seit Jahrzehnten nicht mehr, spricht ganz Deutschland über das Sparen, besonders mit Blick auf steigende Heizkosten. Im August dieses Jahres lagen die Verbraucherpreise in Deutschland offiziellen Zahlen zufolge um etwa 8 Prozent über dem Niveau des Vorjahresmonats.

Die Menschen, die Daniel Hartung nun bereits über den Zeitraum von zwei Jahren getroffen hat, sparen aber nicht unbedingt aus Not, oft auch aus Überzeugung. Maren (47) und Joost (48) leben zu zweit auf 30 Quadratmetern in einer Ein-Zimmer-Wohnung im fränkischen Bamberg. Damit sparen sie viel Geld für Miete. „Ich bin Schwäbin.“ Ihr Mann ist Niederländer. „Wir sind beide katastrophal sparsam.“ Das Ehepaar hat sich beim letzten Umzug vom größten Teil des Besitzes getrennt. „Für uns war das unglaublich schwer auszumisten“, sagt Maren. Aber: „Wir sparen jetzt pro Jahr 5700 Euro gegenüber der letzten Wohnung.“

Der Großteil des monatlichen Einkommens wird sofort zur Seite gelegt. Das Ziel der zwei Frugalisten ist es, so schnell wie irgend machbar Vermögen aufzubauen, das es beiden erlaubt, frühestmöglich in Rente zu gehen. Oder den Traum zu leben, als digitale Nomaden von überall auf der Welt arbeiten zu können: „Vielleicht schon in fünf Jahren.“

Ein Keller wie ein Drogeriemarkt

Maria (37) und Joel (43) zahlen teure Studienkredite zurück. Doch bald wollen sie schuldenfrei sein. „Viele Leute haben angenommen, dass wir arm sind, und es ist mir egal. Die Leute werden bis 65 arbeiten und ich nicht.“ Auch Maria weiß, wie sich beim Einkauf viel Geld sparen lässt. Früher lebten sie und ihr Mann in den USA.

Von dort kennt die Mutter von zwei kleinen Töchtern viele Tricks, mit denen sich durch kluges Kombinieren von Sonderangeboten viel Geld sparen lässt: „Unser Keller sieht mittlerweile aus wie ein Drogeriemarkt.“ Dass die Familie jeden Cent zwei Mal umdreht, liegt an den hohen Schulden durch US-Studiengebühren, damals knapp 89 000 Euro. Auf vieles verzichtete die junge Familie lange.

Doch der radikale Sparkurs trägt Früchte, nach mehr als sechs Jahren ist die Familie nun schuldenfrei. Gespart wird dennoch weiter. Auch ihr Ziel: Vermögen aufbauen. Ein faszinierender Film über Menschen, die ihr Geld so radikal sparen, wie man es kaum für möglich hält.

Text: dpa/ Redaktion: JN

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