„Gottschalk Live!“: Das Ende eines gescheiterten Retters

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Bild: Destina - Fotolia.com
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Großes hatte sich die ARD von Fernsehprofi Thomas Gottschalk erwartet. Mit seiner Talkshow „Gottschalk Live!“ sollte der Entertainer die sogenannte Todeszone im Vorabendprogramm überwinden, doch der vermeintliche Retter scheiterte. Nun muss er sogar vorzeitig seine Koffer packen.

Als Retter wurde er empfangen, wie ein begossener Pudel schleicht er sich jetzt davon: Thomas Gottschalks Zeit als ARD-Talker ist vorbei, denn aus dem Quotentief kam er einfach nicht hinaus. Zuletzt pendelten die Einschaltzahlen zwischen 500 000 und 700 000 Zuschauern. In dieser Woche ist nun endgültig Schluss: Am Mittwoch (19.20 Uhr) schon wird der Blondschopf nach gut vier Monaten seine letzte Ausgabe im Ersten moderieren – das ist sogar noch ein Tag früher als ursprünglich angekündigt, denn am Donnerstag läuft auf dem bisherigen Gottschalk-Sendeplatz bereits eine Sondersendung zur bevorstehenden Fußball-EM.

Eine trübe Katerstimmung hat die kurze Euphorie abgelöst, die nach Gottschalks Start am 23. Januar noch herrschte, als sich sage und schreibe 4,34 Millionen Neugierige vor den Bildschirmen tummelten. Aber gleich danach brach die Quote ein. Den vertraglich festgeschriebenen Durchschnitt von zehn Prozent Marktanteil unterbot Gottschalk mit zuletzt drei bis vier Prozent deutlich.

Über die Gründe ist viel spekuliert worden. Gottschalk hat bei seinen öffentlichen Äußerungen durchblicken lassen, dass er nicht alleine Herr der Entscheidungen war. Ihm seien Leute als Gäste vorgesetzt worden, die er nicht gewollt habe, klagte er bei einem Auftritt vor Berliner Studenten. Unterschätzt habe er auch die technischen Schwierigkeiten und diejenigen gestalterischer Art. „Die Alternative wäre gewesen, so lange zu senden, bis es gefällt“, sagte Gottschalk, der auch die Konkurrenzprogramme wie die quotenstarken ZDF-Krimis für eines der Probleme hält.

„Ich finde es schade, dass ‚Gottschalk Live‘ beim Publikum nicht den Zuspruch gefunden hat, den wir diesem Format alle gewünscht haben“, sagte die ARD-Vorsitzende und WDR-Intendantin Monika Piel nach dem Intendantenbeschluss im April, die Sendung zu beenden. „Seine Popularität ist, denke ich, ungebrochen“, sagte ARD-Programmdirektor Volker Herres später in einem Gespräch. „Bei seinem Vorabend-Experiment ist einfach zu Vieles schief gelaufen, wurde zu sehr on-air ausprobiert.“

Ob Gottschalk, der mit der ARD einen Drei-Jahres-Vertrag geschlossen hatte, dem Ersten für weitere Aufgaben zur Verfügung steht, bleibt offen. Denkbar sind nach wie vor Abendshows. Doch ob es zu solchen Engagements kommt, ist ungewiss, denn die Beziehungen zwischen dem Show-Zampano und Herres sollen angespannt sein.
 
Und wie verfährt die ARD am Vorabend zwischen Montag und Donnerstag nach dem Ende Gottschalks weiter? Wenn die Fußball-EM und die Olympischen Spiele vorbei sind, setzt das Erste auf seine Krimis aus der Reihe „Heiter bis tödlich“. Der Erfolg wird überschaubar sein, denn auch diese Serien, die bislang noch vor Gottschalk im Programm laufen, haben das Publikum seit ihrem Start im Herbst 2011 nur mäßig begeistert. [Carsten Rave/fm]

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7 Kommentare im Forum

  1. AW: "Gottschalk Live!": Das Ende eines gescheiterten Retters und das DF-Newsteam hoffentlich auch, wenn es möglicherweise diesen Personenkult nicht mehr in bisheriger Weise aufrecht erhalten kann.
  2. AW: "Gottschalk Live!": Das Ende eines gescheiterten Retters Da muss man aber die DF mal ein bisschen in Schutz nehmen. Das Thema Gottschalk ist ohnehin in den letzten Tagen/Wochen massiv abgeflaut. Davor gab es ja medial überhaupt kein anderen Thema, bei allen Medienseiten und Branchendiensten (Meedia und DWDL seien hier nur als Beispiele genannt). Dass dann auch die DF darüber berichtet ist logisch und nachvollziehbar. Nicht vergessen darf man natürlich, dass die Gremien der ARD der Berichterstattung auch immer neues Futter geliefert haben. Ich hätte es problematischer gefunden, wenn die DF über die Macht- und Ränkespiele um diese Posse nicht berichtet hätte.
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