Handy-TV sieht ungewisser Zukunft entgegen

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Bild: Destina - Fotolia.com
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Leipzig – Fernsehen auf dem Mobiltelefon ist eines der großen Themen auf dem diesjährigen Medientreffpunkt Mitteldeutschland.

So wurde über Inhalte, Kunden, Frequenzen und die Verbreitungsstandards diskutiert. Das Fazit der Experten: Ideen gibt es viele, Tests laufen viel versprechend, aber wie das Grundgerüst und die Kosten von Handy-TV einmal ausschauen sollen, bleibt ungewiss.

Das Pilotprojekt der MFD Mobiles Fernsehen Deutschland, das pünktlich zur WM startet, ist keine vorzeitige Festlegung auf DMB (Digital Multimedia Broadcast) als Standard, machte Tilmann Lang von der Hamburgischen Anstalt für neue Medien deutlich. Auch im Format DVB-H würden demnächst in vier Städten Showcases für Handy-TV gestartet – auch wenn es bis zur Marktreife von DVB-H noch einige Zeit benötige. Beiden Systemen sollte eine Chance gegeben werden, sich parallel zu entwickeln.
 
„Vor allem geht es um die Inhalte“, mahnte Pascal Tilly, Telekommunikations- und Medienberater. Denn nur diese würden die Kunden von den neuen Möglichkeiten überzeugen; neue Formate und Konzepte seien hier noch zu entwickeln. Die Frage nach Signalstandards sei dabei zweitrangig, letztlich würde der Nutzen für den Kunden entscheiden.
 
Inhaltlich am geeignetsten erscheinen der ProSiebenSat1-Gruppe Nachrichten, Comedy- und Serien-Inhalte. „Derzeit entwickeln wir neue Angebote, die auf dem Nachrichtenangebot von N24 basieren und spezielle Serien“, sagte René Rummel von SevenOne Intermedia. Gedacht sei an Nebenstränge von Telenovelas, die der normale Zuschauer im Fernsehen nicht sehen kann. Erfahrungen der vergangenen Jahre hätten gezeigt, dass die Nutzer Inhalte suchten, die sie bereits aus dem Fernsehen kennen.
 
Auch RTL bietet derzeit drei Mal täglich eigens fürs Handy-TV produzierte Nachrichten und einen Kanal für Fans der Serie „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“. Irgendwann soll es Special-Interest-Kanäle geben. „Was letztlich geschaut wird, werden wir sehen und nachsteuern, wenn verlässliche Marktforschungs-ergebnisse vorliegen“, sagte Fahle. Mit Blick auf die Preisdiskussion von Handy-TV favorisierte der RTL-Experte das Modell des Monatsbeitrags. „20 Euro halte ich für zu hoch. Preise zwischen fünf und zehn Euro scheinen mir relevanter.“ Beide TV-Konzerne glauben an die Chancen von Interaktivität,

Die Öffentlich-Rechtlichen wollen auf dem Zukunftsmarkt nicht außen vor sein, handeln jedoch nach der Parole: „Alles im Auge behalten. Vorbereitet sein und schnell Angebote machen, aber nicht über Gebühr Lehrgeld zu zahlen und in der ersten Reihe den Fortschritt voranzutreiben“. So fasste Dr. Arnold Seul, Leiter Neue Medien beim MDR die Lage zusammen. Ob Fernsehangebote übers Handy gezeigt werden dürfen, die bereits mit der GEZ-Gebühr bezahlt worden sind, ist unklar. „Dennoch denken wir über Inhalte nach. Vor 2007 werden wir aber nicht mit an den Start gehen“, meinte Seul. MTM (Kathrin König)[sch]

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