Heike Makatsch: Die Tage jugendlichen Leichtsinns sind vorbei

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Bild: Destina - Fotolia.com
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In ihrem neuen Film „Die Heimkehr“ taucht Schauspielerin Heike Makatsch am 2. Mai in der ARD die Welt von Nobelpreisträger Hermann Hesse ein. Im Interview spricht Makatsch über ihren Film, ihre ersten Berührungen mit Hesse und über das Thema Selbstfindung.

Anlässlich des 50. Todestages von Hermann Hesse nimmt das Erste die Hesse-Verfilmung „Die Heimkehr“ an diesem Mittwoch um 20.15 Uhr ins Programm. „Für Hesses Thema des Ringens um Selbstbehauptung zwischen Individualität und Anpassung an die Gesellschaft brauchte ich Reife“, sagte die Schauspielerin, die unter der Regie von Jo Baiers in die Rolle einer stolzen Außenseiterin schlüpft bei der Voraufführung des Films in Hamburg. „Wohl erst heute kann ich es wirklich begreifen.“

Was bedeutet Ihnen Hermann Hesse? Sind Sie vielleicht ein alter Fan oder haben Sie den Schriftsteller erst im Zusammenhang mit dem Dreh für sich entdeckt?

Heike Makatsch: Ich habe Hesse eigentlich erst im Rahmen des Films entdeckt. Natürlich waren mir seine Hauptwerke namentlich und inhaltlich einigermaßen bekannt, doch trotz Leistungskurs Deutsch war ich bislang an ihm vorbeigekommen. Zur Vorbereitung auf „Die Heimkehr“ habe ich mich natürlich intensiv mit Hesses Werk und Biografie befasst. Und ich weiß gar nicht, ob ich ihn damals so begriffen hätte in seinem Kampf um Selbstbestimmung und Individualität. In meiner Jugend habe ich mir die Frage nach Selbstfindung nicht gestellt, da ich mich als angekommen empfand. Ich fühlte keinerlei Leidensdruck.

Um die Suche nach Individualität und Heimat geht es ja auch in dieser sehr ernsten Geschichte hauptsächlich. Spricht die Thematik Sie denn heute besonders an?

Makatsch: Wie findet man zu sich selbst, wenn man gleichzeitig den Wunsch hat, in der Gesellschaft zu leben – was ja Konformismus oft voraussetzt? Wo fängt der Druck an, wo geht das vielleicht nicht mehr zusammen? Wann muss man verleugnen, um bestehen zu können? Heute, nach einigen Bruchstellen in meinem Leben, verstehe ich die tiefe Bedeutung solcher Fragen tatsächlich. Mit fortgeschrittenem Leben begann ich, meinen weiteren Weg und Entscheidungen bewusster zu reflektieren.

Wie waren Sie denn auf den Gedanken gekommen, Moderatorin, Schauspielerin und Sängerin zu werden, wenn Sie damals gar nicht so viel reflektiert haben?

Makatsch: Es waren meine Intuition und mein jugendlicher Leichtsinn, die mich meinen Weg gehen ließen. Ich hatte immer eine starke Offenheit den Wendungen des Lebens gegenüber. Und ich hatte die Chuzpe, nach abgebrochenem Politik- und Soziologie-Studium auch noch die angefangene Schneiderlehre sausen zu lassen. Dann hat sich alles ergeben. Doch wie gesagt, auch ich wurde inzwischen zum vertieften Nachdenken gezwungen.

Heute sind Sie nicht nur Künstlerin, sondern tragen auch Verantwortung für zwei kleine Töchter. Finden Sie es mittlerweile notwendig, die eigenen Grund- und Sinnfragen erst einmal geklärt zu haben, bevor man Kinder bekommt?

Makatsch: Auch das hatte ich nicht durchrationalisiert, sondern musste die Kinder ja erst einmal kriegen, um zu wissen, was es bedeutet, welche zu haben – nämlich den kompletten Stopp, dass es nur um einen selbst geht. Doch wahrscheinlich ist es so, wie Sie sagen – es ist sicher kein Zufall, dass ich die Kinder zu diesem Zeitpunkt bekommen habe und nicht etwa zehn Jahre früher.

In Hesses Novelle geht es nicht nur um die Suche nach sich selbst, sondern damit verbunden auch um die Suche nach Heimat. Ist Heimat ein Thema für Sie?

Makatsch: Zuhause fühle ich mich in erster Linie bei Menschen, die ich liebe. Doch es gibt auch den zweiten Aspekt, diese Verbundenheit mit einer Umgebung. Und die fühle ich auf meinem Berliner Kiez. Der Prenzlauer Berg erlaubt es einem, mit Kindern so zu leben wie man lebte, als man noch keine hatte. Das ist zwar auch anstrengend, weil die Kinder oft dominieren. Doch es ist schön, dass man sie überall mit hinnehmen kann.
 
Vielen Dank für das Gespräch!
[Interview: Ulrike Cordes/fm]

Das Interview gibt die Meinung des Interviewpartners wieder. Diese muss nicht der Meinung des Verlages entsprechen. Für die Aussagen des Interviewpartners wird keine Haftung übernommen.

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