Heute Frankreich gegen Marokko – Das letzte Spiel für Béla Réthy

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bela rethy am kommentatorenpult
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Nach mehr als 380 Live-Übertragungen erklingt die Stimme von Kommentator Béla Réthy heute ein letztes Mal im ZDF. Für seine Kollegen ist es „der Abschluss einer großen Live-Reporter-Karriere“.

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Die kleine Anekdote mit Leon Goretzka von einem Länderspiel in Wolfsburg verrät viel über die Bedeutung von Béla Réthy. „Bei dem Spiel bin ich eingesprungen und habe ihn interviewt“, berichtet der ZDF-Reporter. Der Nationalspieler reagierte damals irritiert auf die erste Frage des Journalisten und sagte: „Sorry, noch mal bitte. Ich war ehrlich gesagt abgelenkt von Ihrer Stimme, weil ich die von den Länderspielen als kleiner Junge kenne.“

Béla Réthy, das ist für Goretzka und für Millionen von Fans seit vielen Jahren die Stimme des Fußballs. Den unverwechselbaren Klang kennen Freunde des Spiels von mehr als 380 Live-Übertragungen. Am heutigen Mittwoch, den 14. Dezember, beim WM-Halbfinale zwischen Frankreich und Marokko erklingt sie zum letzten Mal bei einer Übertragung des ZDF. Réthy hat an seinem 66. Geburtstag sein letztes Spiel. Danach beginnt der Ruhestand.

Béla Réthy war seit 1986 Fußball-Kommentator beim ZDF

Berühmt wurde etwa Réthys Vergleich der Frisur des kolumbianischen Fußballers Carlos Valderrama mit einer „Klobürste“. Meistens ist er aber ein eher nüchterner Fußball-Analytiker. Und zudem „als Kollege und Mensch unerreicht, unser Béla“, wie der ebenfalls als Reporter arbeitende Oliver Schmidt sagte.

Réthy war seit 1986 bei allen Fußball-Weltmeisterschaften für das ZDF im Einsatz, seit 1994 als Live-Reporter bei allen großen Turnieren. Das größte Spiel war für ihn sein erstes Finale, als das deutsche Team 1996 den EM-Titel in England gewann. „Das war ein dramatisches Spiel mit dem ersten Golden Goal, für mich ein Meilenstein“, sagt der Reporter. Auch das erste WM-Finale sechs Jahre später mit dem brasilianischen Sieg gegen Deutschland war eine ganz besondere Übertragung für den in Wien geborenen Sohn ungarischer Eltern: „Ich bin ja in Brasilien aufgewachsen“.

„Damals kannte mich kein Schwein“

„Damals kannte mich kein Schwein“, sagt er salopp über seine ersten Berufsjahre. „Es dauert mehrere Jahre, bis einen die Menschen wahrnehmen.“ Seine sonore Stimme, „die schadet nicht“, findet er.

Eine besondere Leistung war es allerdings, als diese Stimme nicht zu hören war. Bei der EM im Vorjahr schwieg Réthy minutenlang, während der Däne Christian Eriksen auf dem Platz um sein Leben kämpfte. „Das war für mich emotional die härteste Übertragung.“ Nach der Unterbrechung des Spiels musste die Reporter-Legende wieder hinter das Mikrofon. „Auf solche Situationen kann man sich nicht vorbereiten.“

Der Journalismus im Fußball hat sich verändert, so Réthy

Angesichts der Rolle von Beratern und Pressesprechern, die Spieler und Trainer inzwischen abzuschirmen versuchen, habe sich der Journalismus im Fußball verändert, konstatiert der erfahrene Journalist. Ganz anders sei das etwa beim Hockey, der Sportart, die er bei Olympischen Spielen kommentiert hat. Die Spieler dieser weniger beachteten Sportart seien „intelligent und zugänglich“.

Der Job als Fußball-Kommentator sei angesichts der immer schwierigeren Rahmenbedingungen „die letzte große Freiheit“. Nach seinem letzten Einsatz am Mittwoch in Katar will er dann eine ganz neue Freiheit nutzen. Réthy will „raus aus der Tretmühle“, wie er es nennt. Er „will die Terminlosigkeit genießen“.

Béla Réthy freut sich auf den Ruhestand

Der ZDF-Mann sagt: „Wehmut und Freude über die neue Freiheit schließen sich für mich nicht aus.“. Vermissen werde er „die Turniere vor Ort mit den Kolleginnen und Kollegen, das gemeinsame Reisen, Arbeiten, Lachen“. Aber sagt er kurz vor dem Abschied mit diesem ganz besonderen Timbre auch: „Verfügbare Zeit ist der wahre Luxus.“

Wenige Stunden vor seiner Abschiedsvorstellung würden „die Gefühle Karussell fahren“, sagte Réthy im „Morgenmagazin“ des ZDF am Mittwoch zwar. „Aber ich habe sie alle noch im Griff.“ Bestimmte Schlussworte habe er sich noch nicht überlegt, so der 66-Jährige. „Ich mache das aus der Emotion heraus – so wie alles. Mal gelingt es, mal nicht.“

Für Réthy ist die Atmosphäre in Katar „inszeniert“

Sein speziellstes Spiel sei möglicherweise das WM-Finale 2002 zwischen Deutschland und Brasilien (0:2) gewesen, erzählte Réthy. Zum einen sei es das Duell der „zwei WM-Giganten“ gewesen. Zudem ist Réthy unter anderem in Brasilien aufgewachsen.

Die Atmosphäre in Katar bei seinem letzten Turnier wertet er als „inszeniert. In Brasilien oder Italien musst du nichts machen. Da passiert eine WM von alleine. Hier? Gab’s Stimmungsmacher mit Megafonen, die Stimmung konstruierten. Viel Fassade.“

Bildquelle:

  • df-bela-rethy-zdf: ZDF
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4 Kommentare im Forum

  1. Ich habe ihm immer gerne zugehört ... auch wenn das Echo auf ihn geteilt ausfällt. Eine weitere vertraute Stimme verabschiedet sich in den (wohlverdienten) Ruhestand. Alles Gute für die Zukunft wünsche ich ihm.
  2. Na da kann er doch noch ein Jahr kommentieren. Geht er eben mit 67 in Rente. So will es der Kanzler doch haben.:coffee:
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