Kennzeichnungspflicht für Scripted Reality gefordert

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Bild: Destina - Fotolia.com
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Die Medienwächter der MA HSH wollen sich dem Thema Scripted Reality annehmen. Entsprechende Formate müssten viel offensichtlicher gekennzeichnet werden, um Realität von gestellter Wirklichkeit abgrenzen zu können. Andernfalls leide die Glaubwürdigkeit des Fernsehens.

Die Medienwächter aus Hamburg und Schleswig-Holstein sehen offenbar die Glaubwürdigkeit des Fernsehens durch Scripted-Reality-Formate in Gefahr. Wie Lothar Hay, Vorsitzender der Medienanstalt Hamburg/Schleswig-Holstein am Dienstag in Hamburg erkärte, sei es vor allem Für Kinder und Jugendliche schwer, zwischen der gestellten Wirklichkeit dieser Formate und der tatsächlichen Realität zu unterscheiden. „Die Grenze zwischen beidem zu verwischen oder gar aufzuheben, schadet der Glaubwürdigkeit des Fernsehens“, wurde Hay vom Branchendienst „Horizont“ zitiert.

Daher haben sich die Medienwächter nun offenbar auf die Fahnen geschrieben, für eine deutlichere Kennzeichnung dieser Pseudo-Doku-Soaps, in denen Laiendarsteller ein scheinbar reales Problem nach Drehbuch inszenieren, stark zu machen. Auf diese Weise soll es den Zuschauern leichter fallen, die verschiedenen Formate mit der notwendigen Distanz zu verfolgen.
 
Fraglich ist allerdings, warum sich die MA HSH erst jetzt diesem Thema annehmen will, immerhin haben gerade die Privatsender bereits seit Jahren zahlreiche Scripted-Reality-Formate in ihrem Programm. Ein Ende ist dabei zwar noch lange nicht in Sicht – immerhin bringen die Programmveranstalter nach wie vor regelmäßig neue Konzepte an den Start – doch die möglichen Probleme, die die TV-Realität nach Drehbuch mit sich bringen kann, werden bereits seit Jahren diskutiert und kritisiert. Es bleibt daher abzuwarten, wie sich die Medienwächter diese stärkere Kennzeichnung vorstellen und wann und ob diese überhaupt realisiert wird. [fm]

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34 Kommentare im Forum

  1. AW: Kennzeichnungspflicht für Scripted Reality gefordert Was für eine Erkenntnis. Die Glaubwürdigkeit im Fernsehen gibt es schon lange nicht mehr.
  2. AW: Kennzeichnungspflicht für Scripted Reality gefordert Der Mensch ist ein Augentier. Ein großer Teil der neuen Menschen verbringt sein Leben vor dem Flatscreen. Dabei betrachtet wiederum ein großer Teil nach Drehbuch ablaufendes Leben anderer neuer Menschen. Leider wird bei dieser Betrachtung nur mit dem Auge konsumiert und das Hirn darüber vernachlässigt. Irgendwann denkt dann ein großer Teil der neuen Menschen, dass das, was er da sieht, der Realität entspricht. Aus diesem Grund ist es erforderlich, immer mal wieder den Verweis auf Stuss zu bringen. In anderen Ländern muss man den Leuten per Aufdruck erklären, dass Kaffee ein Heißgetränk ist und man beim In-den-Hals-kippen desselben Vorsicht walten lassen sollte. Hier muss man diesen Verweis halt in Sendungen einblenden. Dummheit kann man darüber hinaus nicht verbieten. Offensichtlich besteht ein großer Bedarf an derartiger Unterhaltung. Mir ist es lieber, die Leute ziehen sich dieses Zeug im stillen Kämmerlein rein und weichen ihren Keks auf, als dass sie draußen herum lungern und Unsinn verzapfen. Für viele ist darüber hinaus inzwischen das ganze Leben irgendwie Scripted Reality.
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