MDR-Intendantenwahl: Kein Selbstläufer für Bernd Hilder

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Bild: Destina - Fotolia.com
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Es wird nicht leiser um den MDR-Intendanten-Kandidaten Bernd Hilder. Denn bei der Belegschaft herrscht Verunsicherung. Die große Staatsnähe sorgt für reichlich Bedenken. Zudem soll massiver Druck auf die Mitglieder der entscheidenden Gremien ausgeübt worden sein.

Auf die Mitglieder des MDR-Verwaltungsrats soll nach Angaben des Nachrichtenmagazins „Spiegel“ vom Wochenende massiver Druck ausgeübt worden sein, dass diese für Hilder votieren sollen. „Die Wahl im Verwaltungsrat war rechtmäßig, aber es gab einige Dinge, die mir nicht gefallen haben“, sagte der Verwaltungsratsvorsitzende Gerd Schuchardt. Sollte Hilder auf Grund der Bedenken nicht gewählt werden, wolle er noch am Wahltag eine Sondersitzung einberufen, um mögliche Ersatzkandidaten nachzunominieren.

Bereits in der vergangene Woche hatten auch die MDR-Mitarbeiter ihre Bedenken gegenüber dem Kandidaten in einem Schreiben an den Rundfunkrat geäußert. „Die Belegschaft wünscht sich einen Intendanten, der 1. Wahl ist“, hieß es in dem dreiseitigen Brief. Gerade die Unabhängigkeit gegenüber dem Staat bezweifeln die Mitarbeiter. „Angesichts des von der Presse im bisherigen Verfahren vermittelten Bildes hat sich bei vielen Mitarbeitern der Eindruck verstärkt, dass die politische Unabhängigkeit, also Staatsferne, gefährdet ist“.
 
Es seien vor allem die engen Verbindungen zur sächsischen Staatskanzlei, die den Angestellten der Rundfunkanstalt Sorge bereitet. „Dass der Rundfunkrat über einen Kandidaten abstimmen soll, dem auch nur ein Hauch von Staatsnähe vorausgeht“, so ein Mitarbeiter, „schadet dem Ansehen des öffentlich-rechtlichen Rundfunks“.
 
Schon die Wahl zum Vorschlag des neuen Intendanten lässt viel Unmut bei den Mitarbeitern mitschwingen. Vier Wahlgänge und Unterredungen mit den Votierenden während den einzelnen Wahlgängen lassen viel Raum für Spekulationen. „Es erweckt bei Mitarbeitern den Anschein, dass zwischen den Wahlgängen durch Verwaltungsratsmitglieder offensichtlich ‚Rücksprache‘ mit Außenstehenden genommen wurde. Es bleibt unklar, was letztlich ausschlaggebend für den unterbreiteten Vorschlag war“.
 
Die Belegschaft spekulierte sogar, beruhend auf „Gehörtem“, dass es eine Absprache gegeben habe: Stimme der Verwaltungsrat dem Intendantenvorschlag zu, sei „im Gegenzug bei der anstehenden Besetzung der Position des Verwaltungsdirektors eine „Kompensation“ mit einem Bewerber aus Sachsen-Anhalt möglich.
 
Am kommenden Montag (26. September) wählt der Rundfunkrat den neuen MDR-Intendanten, nachdem Udo Reiter im Mai seinen vorzeitigen Rücktritt angekündigt hatte (DIGITALFERNSEHEN.de berichtete). [mho]

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