Medienforum-Eklat: Blogger vergleicht Intendanten mit Diktatoren

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Bild: Destina - Fotolia.com
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Mit einer von ihm gezogenen Parallele zwischen öffentlich-rechtlichen Programmverantwortlichen und Despoten in Nordafrika hat der Blogger Richard Gutjahr am Montag auf dem 23. Medienforum NRW in Köln für einen kleinen Eklat gesorgt.

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„Die Mächtigen kommen mir vor wie die Machthaber in den nordafrikanischen Ländern“, sagte Gutjahr vor rund 400 Zuschauern. WDR-Vorsitzende Monika Piel reagierte pikiert: „Woher wollen Sie das wissen?“ Gutjahr konterte mit einem trockenen „Ich arbeite für sie“ und verwies auf seine freiberufliche Tätigkeit als ARD-Reporter und in der Chefredaktion des Bayerischen Rundfunks.

Der Blogger warf zudem sowohl dem öffentlich-rechtlichen als auch dem privaten Fernsehen vor, die Relevanz sozialer Netzwerke wie Facebook zu verschlafen. Auch hier sorgte Gutjahr mit einem fiktiven ARD-Zitat für Aufsehen: „Es reicht uns bei Twitter anzumelden, wenn ein Reaktor explodiert!“, legte er den Verantwortlichen in den Mund und attestierte, die Sender hätten bei den neuen Kommunikationsformen erheblichen Nachholbedarf. Auch dies wies Piel nachdrücklich zurück. RTL-Chefin Anke Schäferkordt pflichtete ihr bei: Gutjahr zeichne „ein komplett falsches Bild“.

Der öffentlich-rechtliche Rundfunk soll zudem nach dem Willen der nordrhein-westfälischen Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) ab 2017 möglichst auf Werbung verzichten. „Ich bin davon überzeugt, das schärft sein Profil“, sagte Kraft am Montag im Rahmen der Eröffnungsveranstaltung des Medienforum NRW in Köln.

Allerdings müsse die Finanzierung von ARD und ZDF gesichert sein. Das neue Gebührenmodell biete dafür vielleicht eine Chance. Von 2013 an muss fast jeder Haushalt eine Rundfunkabgabe zahlen, egal ob mit oder ohne Fernseher und Radio. WDR-Intendantin Monika Piel sagte dazu, sie habe kein Problem damit, wenn die Werbung irgendwann wegfallen sollte – unter der Voraussetzung, dass die Einnahmen dann kompensiert würden. „Sie müssen mich ja gar nicht katholisch machen, ich hänge ja gar nicht an der Werbung“, sagte sie.
 
Der Werbeexperte Sebastian Turner warnte dagegen, das „Geschenk der Werbefreiheit“ könne ARD und ZDF auch schaden. Bisher müssten sie sich um ein möglichst attraktives Umfeld für die Werbung bemühen, weil von der Zuschauerzahl die Preise abhingen. Wenn man auf Werbung verzichte, falle diese Motivation weg.

Kraft betonte, dass die öffentlich-rechtlichen Sender unbedingt ihre Akzeptanz bei den jungen Zuschauern verbessern müssten. Dafür böte sich vielleicht ein Jugendkanal an, vielleicht auch eine eigenständige Online-Plattform. Schäferkordt sagte, für sie sei die Forderung nach einem weiteren Jugendkanal nicht nachvollziehbar.

Kraft hatte auch eine Initiative mit Blick auf die Printmedien parat. Sie will Regionalzeitungen mit Recherche-Stipendien und Weiterbildungsangeboten für Lokaljournalisten helfen. „Ich spreche nicht von Subventionen“, betonte sie. Die Berichterstattung auf lokaler Ebene sei unverzichtbar für die demokratische Willensbildung. „Wir dürfen uns hier kein Marktversagen leisten.“ Damit spielte Kraft auf die verschlechterte wirtschaftliche Situation vieler Regionalzeitungen an, bei denen Auflagen und Anzeigenaufkommen zurückgehen.

Helmut Heinen, der Präsident des Bundesverbands Deutscher Zeitungsverleger, reagierte zurückhaltend auf das Angebot. Staatsferne bei der journalistischen Ausbildung sei im Interesse der Unabhängigkeit wesentlich, sagte er. [ar/dpa]

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8 Kommentare im Forum

  1. AW: Medienforum-Eklat: Blogger vergleicht Intendanten mit Diktatoren Naja, so wie man den ach so tollen Rahmen bei ZDF Kultur verteidigt, da ist schon was diktatorisches dran.
  2. AW: Medienforum-Eklat: Blogger vergleicht Intendanten mit Diktatoren Das wollte ich auch gerade schreiben.
  3. AW: Medienforum-Eklat: Blogger vergleicht Intendanten mit Diktatoren Sorry - und egal, kann man nicht oft genug schreiben.
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