Medientreffpunkt: Handy-TV kommt nicht voran

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Bild: Destina - Fotolia.com
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Leipzig – Das mobile Fernsehen kommt in Deutschland nicht in Fahrt – das ist das Resümee einer Diskussionsrunde auf dem Medientreffpunkt Mitteldeutschland.

„Jeder Technologie-Anbieter will seinen eigenen Standard durchsetzen“, kritisierte Georg Lütteke von Philips am Montag beim Medientreffpunkt Mitteldeutschland in Leipzig.

Noch gebe es keinen Willen, sich zu einigen. „Technologien müssen aber untereinander kompatibel sein, damit der Nutzer keine Probleme hat“, meinte Lütteke.
 
Handy-TV ist seit Jahren ein Gesprächsthema – vor allem bei Medienmachern, Mobilfunkbetreibern und Handy-Herstellern. Bei der Expertenrunde auf dem Medientreffpunkt Mitteldeutschland wurde gefragt, wie weit die Technologie unterdessen gereift ist. Zunächst die schlechte Nachricht: Die Entwicklung des Handy-TVs ist nicht entscheidend vorangekommen. Die Gründe sind vielfältig: Noch immer wird über die geeignete Technologie gestritten. Sollte per DMB oder DVB-H gesendet werden? Welche Standards sollten künftige Handy-Generationen beherrschen?
 
Außerdem ist auch der Nutzer selbst aus Sicht der Industrie noch ein Problem. Arnold Seul vom Mitteldeutschen Rundfunk brachte es auf den Punkt: „Der Nutzer ist ein großes unbekanntes Wesen. Wir stochern nach wie vor im Nebel. Die Datenbasis aus der Forschung ist gering.“ Zudem sei das Bild, das die Presse vom Konsumenten zeichne, ernüchternd. Das Interesse am mobilen Fernsehen sei nicht sehr groß. Vor allem dann nicht, wenn Nutzer mit zusätzlichen Kosten rechnen müssten. Eines sei aber gewiss, äußerten übereinstimmend Wolfgang Kasper von RTL mobile und Henrik Rinnert vom Mobilen Fernsehen Deutschland (MFD), dem Nutzer sei die Technologie egal. Den Kunden interessierten nur Inhalte.
 
Welche Inhalte sind passend für die mobile Nutzung auf Handybildschirmen? Auch das ist noch offen. MDR und RTL haben Testsendungen für den Handy-Empfang produziert. Bei den Test-Clips von RTL aktuell sei beispielsweise langsamer gesprochen und gefilmt worden, berichtete Wolfgang Kasper. Aber ein 24-Stunden-Programm extra fürs Handy könne sich kein Sender leisten. RTL werde Handy-TV voraussichtlich im kommenden Jahr starten. Geplant sei, das normale Fernsehprogramm für die mobile Nutzung aufzuarbeiten.
 
Bereits im Juni 2006 hat MFD den Sendebetrieb aufgenommen. Henrik Rinnert zeigte sich optimistisch, dass schon in drei bis fünf Jahren ganz Deutschland mit Handy-TV-Programmen versorgt werden könne. „Das ist ein sehr ambitioniertes Ziel, aber erreichbar.“ Rinnert wies zudem darauf hin, dass mobiles TV mehr als Fernsehen sei. Es gehe um allgemeinen Medienempfang in Mobilität. Dazu gehörten auch Angebote wie Radio und mp3 sowie Möglichkeiten zu Downloads und Votings. Schon in wenigen Jahren seien mobile Geräte Standard, die alles beherrschten, verprach er.
 
 
Auf dem Medientreffpunkt Mitteldeutschland trifft sich vom 7. bis 9. Mai in Leipzig die Kommunikationsbranche zu Diskussionen und Workshops. [mg]

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