„Polizeiruf“ im Wolfsland: Zwischen Einsamkeit und Entfremdung

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Bild: Destina - Fotolia.com
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Wer hat Angst vorm bösen Wolf? Die Dorfbewohner im neuen „Polizeiruf“ halten jedenfalls wenig von dem Rudel, dass sich in ihrer Gegend rumtreibt. Gleiches gilt für den Wolfskenner Waldner. Als die Lage dank erster Verletzter und dem erschlagenen Tierarzt dann zu eskalieren droht, gerät auch Waldner immer mehr unter Verdacht.

Mit der Kampagne „Rotkäppchen lügt“ versuchen Naturschützer, den Ängsten vor der Rückkehr des Wolfes nach Deutschland zu begegnen. Betroffene Regionen wie die Lausitz haben zum Schutz von Mensch und Natur ein Wolfsmanagement entwickelt. Dennoch ist die Ablehnung verbreitet. Diese Stimmung greift der fünfte Fall von Kommissarin Olga Lenski (Maria Simon) und Polizeihauptmeister Horst Krause (Horst Krause) für die Krimireihe „Polizeiruf 110“ auf, den die ARD an diesem Sonntag (20.15 Uhr) ausstrahlt. Dabei zeichnet „Wolfsland“ ein Bild, bei dem eher Mensch als Tier des Menschen Feind ist.
 
Fabian Hinrichs („Sophie Scholl – Die letzten Tage“) wird vom kommenden Jahr an als Hauptkommissar Konrad Wagner im neuen Franken-„Tatort“ selbst auf Mörderjagd gehen. Im „Wolfsland“ gerät er in Brandenburg als Wolfsbeobachter Stefan Waldner unter Verdacht. Voller Misstrauen – fast feindselig – begegnen ihm die Einwohner des gottverlassenen Örtchens Kaskow. Siedelt sich in der Gegend ein Wolfsrudel an, sehen die Dörfler ihr eigenes Hab und Gut gefährdet.
 
Als Wolfskenner Waldner dann auch noch einen Wolf tot in der brandenburgischen Steppe findet, ist die Stimmung zum Zerreißen gespannt. Lenski und Krause, die in das verlassene Nest gerufen worden sind, stoßen auf eine skurrile Situation: Schlossherrin Elisabeth von Taupitz (Monika Lennartz) bedroht den Wolfsbeobachter mit ihren Jagdgewehr, nachdem dieser ihr – einer Anklage gleich – das tote Tier vor die Tür gelegt hat. Kaum sind die Kontrahenten getrennt, gibt es einen „echten“ Fall für die Mordkommission: Bei Schüssen auf den Bauwagen von Waldner wird eine junge Frau verletzt, wenig später liegt der Dorfveterinär erschlagen im Gras.
 
Wolfsbeobachter Waldner, der sich als Opfer einer Dorfverschwörung sieht, hätte ein Motiv gehabt. Doch ist der stille Einzelgänger wirklich wegen eines Wolfes zum Mörder geworden? Lenski behält einen kühlen Kopf, Krause ermittelt zuverlässig die Fakten. Dass Duo stößt auf eine düstere Geschichte aus der DDR-Vergangenheit: Der Wolfsfreund ist Dorfbewohnern aus tragischen Kindheitstagen bekannt.

Einsamkeit bis hin zur Entfremdung ist das Thema des „Polizeirufs 110″von Regisseur Ed Herzog und Autor Rainer Butt. Wie schon beim vierten Fall von Lenski und Krause („Vor aller Augen“) wird mit Metaphern des Westerns gearbeitet: Ein Mann, ein Lagerfeuer, das Heulen der Wölfe, Schüsse in der Nacht.
 
Dabei stehen sich das menschliche Treiben und das der Wölfe gegenüber. Sie werden in Bildern atmosphärisch gegeneinander geschnitten: Da ist das Rudel, die soziale Gemeinschaft. Dort der Ausgestoßene, der wegmuss. Das Verhalten der Tiere wirkt dabei sozialer als das der Dorfbewohner. Ein Eindruck, den Tierfilmer Sebastian Koerner gerne bestätigt: „Wölfe sind freundliche Familienwesen und nicht irgendwelche Einzelkämpfer.“
 
Der Wildbiologe aus Spreewitz an der Landesgrenze von Sachsen und Brandenburg hat in der Lausitz ein Rudel junger Wölfe gefilmt. Diese Originalaufnahmen werden in der Krimifolge eingespielt. „Ich finde es toll, dass die Tiere durch meine dokumentarischen Aufnahmen für sich sprechen können“, so Koerner. Er ist mit dem Ergebnis zufrieden. „Insbesondere die Darstellung der Jagdseite entspricht dem, was wir an Vorbehalten und Ablehnung erleben“, berichtet der Tierfilmer.
 
Koerner hat die Filmerei durch seine Frau, Wolfsexpertin Gesa Kluth, entdeckt. Diese forscht seit 2001 über die kurz zuvor aus Polen in die Lausitz eingewanderten Wölfe. Bundesweit wurden laut Experten zuletzt 25 Wolfsrudel gezählt. Das Tier, das direkt mit den Schauspielern zu sehen ist, ist allerdings ein geschminkter Wolfshund.

[Marion van der Kraats/das]

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5 Kommentare im Forum

  1. AW: "Polizeiruf" im Wolfsland: Zwischen Einsamkeit und Entfremdung mal schauen, besser wie die letzten Tatorte wird wohl nicht schwer werden
  2. AW: "Polizeiruf" im Wolfsland: Zwischen Einsamkeit und Entfremdung Waren schöne HD-Bilder aus brandenburger Landen, storytechnisch naja so wie immer eigentlich aber weitaus besser seinerzeit der Quark aus'm Spreewald.
  3. AW: "Polizeiruf" im Wolfsland: Zwischen Einsamkeit und Entfremdung Ich fands gut, zumal das Thema hier in der Gegend allgegenwärtig ist. Wer hat Angst vorm "bösen" Wolf - ich nicht.
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