[Portrait] Anne Will: Mittwochs talken, sonntags relaxen

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Bild: Destina - Fotolia.com
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Anne Will war das Aushängeschild des ARD-Talks. Vier Jahre lang erörterte sie sonntagabends die Themen, die die Republik bewegten. Jetzt übernimmt Günther Jauch den Sonntags-Talk, Will darf ab heute mittwochs ran – und scheint damit vor allem privat zufrieden.

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Vier Jahre lang war Anne Will die ungekrönte Talk-Königin der ARD. Auf dem Talkshow-Thron, dem Sendeplatz am Sonntagabend um 21.45 Uhr direkt nach dem „Tatort“, diskutierte sie mit Spitzenpolitikern über die Themen, die die Menschen in Deutschland in der kommenden Woche bewegen sollten. Schon bald nach ihrem Talkdebüt im Herbst 2007 machte sie ihre Vorgängerin Sabine Christiansen vergessen. Die Quotenkurve zeigte nach oben, zuletzt schalteten durchschnittlich 4,05 Millionen Zuschauer (1. Halbjahr 2011) ein. Doch das ist jetzt vorbei. Günther Jauch (55) übernimmt den Sendeplatz und für die 45-Jährige beginnt an diesem Mittwoch zu später Stunde (22.45 Uhr) ein neues Fernsehkapitel.
 
Dabei ist das Neue in vielen Teilen das Alte: Die Talksendung heißt weiterhin „Anne Will“, das Studio in Berlin-Adlershof zeigt sich fast unverändert und Will diskutiert immer noch mit einer handvoll Gästen über ein aktuelles Thema. Dennoch spricht die ehemalige „Tagesthemen“-Moderatorin von einer „neuen Sendung, die wir auch als neue Sendung betrachten“. Schon allein deshalb, weil keiner so recht weiß, ob am späten Mittwochabend ein Polit-Talk überhaupt funktioniert und weil es unwahrscheinlich erscheint, dass man mit solch einem Format die Themen der Woche bestimmen kann. Neue Sendung und neues Konzept

 
Also gibt es leichte Veränderungen am Konzept: Es wird vermutlich mehr allgemein-gesellschaftspolitisches und weniger tagespolitisches besprochen. Die nun 75-minütige Sendung (vorher 60 Minuten) beginnt mit einem Einzelgast, mit dem Will in einem längeren Gespräch in das Thema einführt. Zum Start an diesem Mittwoch ist das Spitzenkoch Tim Raue, der unter dem Motto „Wut im Bauch“ zum Komplex Jugendkriminalität und -krawalle Auskunft gibt. „Der war selbst in einer Jugendgang und auch einer, der zugeschlagen hat“, erklärte Will in der Pressekonferenz zu ihrer neuen Sendung.
 
Nach dieser Einführung kommen weitere Gäste hinzu – „Mitspieler und Gegenspieler“, wie Will sagt. Diesmal sind das Rapper Sido, Politiker Edmund Stoiber, Publizist Christian Nürnberger und Schauspielerin Veronica Ferres. Letztere nicht ohne programmlichen Hintergedanken: Zwei Wochen später (14. August) ist sie im ARD-Drama „Sie hat es verdient“ um eskalierende Jugendgewalt zu sehen.
 Privates Glück mit neuem Sendeplatz

 
„Wut im Bauch“ ist wohl auch eine treffende Umschreibung für Wills Gefühle im Juni 2010, als bekanntwurde, dass Jauch ihren Sendeplatz übernehmen wird. Ihre ersten Reaktionen darauf klangen recht säuerlich, heute sagt sie: „Ich war nicht verärgert, ich hab‘ mich gerieben an dem Stil. Ich hätte das schöner und auch eleganter gefunden, wenn wir vorher darüber mal gesprochen hätten. So habe ich das aus dem Internet erfahren“ – und zwar im USA-Urlaub.
 
Mittlerweile hat sich Will augenscheinlich mit der neuen Rolle und dem neuen Sendeplatz angefreundet, der ihr vor allem privat entgegenkommt. „Für mich persönlich hab‘ ich gesehen, dass mir das sehr viele Freiheiten gibt und klasse ist. Ich freue mich jetzt auch echt nach mehr als 20 Jahren, mal am Wochenende freizuhaben. Das wird für mich ein riesiger Gewinn sein.“
 
Dazu passt auch das ironisch-leichte ARD-Filmchen unter dem Motto „Der Sonntag gehört jetzt wieder mir“, das Will an einem entspannten Sommer-Sonntag zeigt: Sie räkelt sich in Jeans-Shorts auf ihrer Balkonterrasse, relaxt lesend am Märchenbrunnen im Volkspark Friedrichshain, fläzt sich zum „Tatort“ auf der Couch – etwas, worauf sie sich wirklich zu freuen scheint: „Ich bin ein echter Fan, ich schaue auch gern den ‚Polizeiruf 110′“.
 
DIGITAL FERNSEHEN portraitiert an dieser Stelle regelmäßig interessante Persönlichkeiten aus der Medien- und Technikbranche.PORTRAITs im Überblick
[Patrick T. Neumann]

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