„Star Trek Discovery“ großes Abenteuer ohne Tiefe?

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Bild: Destina - Fotolia.com
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Ist das beim Streaminganbieter Netflix neu gestartete „Star Trek Discovery“ noch „Star Trek“ oder nur gut gemachte Science Fiction? Achtung: Teil ein des Inhalts der ersten Folge wird verraten.

Gestern Abend war es soweit. Nach einem arbeitsreichen Tag bei DIGITAL FERNSEHEN, setze ich meine Frau neben mich aufs Sofa, werfe die PS4 an und rufe die Netflix-App auf. Voller Vorfreude starte ich die erste Folge „Star Trek Discovery“. Ich muss sie nicht einmal suchen. Netflix knallt sie mir gleich auf den Startbildschirm. Ja, so gut kennt mich der Dienst.

Die ersten Bilder der Klingonen schrecken irgendwie ab. Wieso müssen die jetzt so aussehen? Egal, da gewöhnt man sich dran. Das Mini-Abenteuer auf dem Wüstenplaneten macht aber sofort Lust auf mehr. Besonders als die U.S.S. Shenzhou auftaucht und die beiden taffen Hauptdarstellerinnen an Bord beamt. Ja, jetzt kommt Star-Trek-Feeling auf. Selbst bei meiner Frau, die wirklich kein Trekkie ist.
 
Der Vorspann, der wie eine Mischung aus „Da Vinci’s Demon “ und „Westworld“ wirkt, hätte Mr. Spock sicher fasziniert. Ob der Rest der Episode ebenfalls fasziniert?
 
Nun, geht es klassisch los. Die U.S.S. Shenzhou muss zur Grenze des Förderationsgebietes fliegen, um ein defektes interstellares Relais zu untersuchen. Schnell wird klar, das Relais wurde sabotiert. Außerdem ist da noch so ein Ding im Asteroidenfeld, was die Sensoren des Raumschiffes nicht scannen können. Der halbwegs intelligente Zuschauer ahnt, dass das alles mit den Klingonen vom Anfang der Episode zu tun haben muss.
 
Parallel zur Geschichte erfahren wir etwas über den ersten Offizier. Michael Burnham (Sonequa Martin-Green) ist zwar ein Mensch, wuchs aber auf Vulkan auf. Mit Captain Philippa Georgiou (Michelle Yeoh) verbindet sie eine enge Freundschaft.
 
Als plötzlich ein Kriegsschiff der Klingonen sich vor der U.S.S. Shenzhou enttarnt, sieht Michael nur eine Möglichkeit: Es muss angegriffen werden, der einzige Weg einen Krieg zu verhindern. Die Klingonen verstehen nämlich keine andere Sprache. Der Captain stimmt natürlich nicht zu. Michael setzt sie außer Gefecht und will den Präventivschlag selbst befehlen. Doch Philippa erwacht vorher und lässt ihren ersten Offizier wegen Meuterei in eine Arrestzelle bringen.
 
An dieser Stelle wird die Story schon sehr vorhersehbar. Der erste Offizier soll natürlich Recht behalten. Es kommt zu einem Gefecht, was die Föderation in einen Krieg mit den Klingonen zieht.
 
Insgesamt wirken die ersten beiden Folgen der Serie wenig wie Star Trek. Sie erinnern eher an „Battlestar Galactica“. Es wird kein Abenteuer mit philosophischen oder politischen Allegorien erzählt. Es wird alles vorbereitet, eine große Kriegsgeschichte zu erzählen. Das Star-Trek-Universum dient nur als Bühne. Der Charakter, der von Gene Roddenberry erfunden Serie, wird nicht wiedergespiegelt. Wo haben wir mehr über ethische Probleme gelernt als in „Star Trek The Next Generation“? Wo haben wir mehr über Politik und Friedensabkommen erfahren als in „Star Trek Deep Space Nine“? Die neue Star Trek Serie scheint diese Ansprüche zugunsten gut gemachter Unterhaltung aufgegeben zu haben.
 
Vielleicht ändert sich das ja noch, wenn die namensgebende Discovery auftaucht. Doch wie Quellen im Internet verraten, stehen die Chancen dafür schlecht. Denn eigentlich war Brian Fuller (Depp Space Nine, Voyager) als Showrunner der Serie tätig. Er wollte eine komplexe Storyline mit sehr allegorischen Bestandteilen darstellen. Doch CBS bestand auf einer „modernen“ Art, die Geschichte zu erzählen. Fuller sagte deshalb schon letztes Jahr, dass er nicht mehr aktiv an der Serie mitwirkt.
 
So hatten meine Frau und ich einen spannenden und unterhaltsamen Abend. Echtes Star Trek haben wir zwar nicht gesehen, dafür sehr gut gemachte Science Fiction. [Kommentar von Thomas Kirsche]

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114 Kommentare im Forum

  1. Na dann kann ich ja warten bis es mal im Free-TV kommt. Irgendwann ist das Thema Star Trek nun mal ausgelutscht. Schon die Archer-Reihe war ein Desaster für Star Trek Fans in meinen Augen. Kein Wunder das da kein großer Sender ranwollte sondern ein Streaming Dienst.
  2. Nur schön die Pfoten von Zeitreisen lassen und alles wird gut. Netflix hat ja ein paar ganz brauchbare Serien produziert.
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