„Tatort“ Köln: Vollgestopft und voller Tränen

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Bild: Destina - Fotolia.com
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Ein entführter Junge, ein toter Zeuge, ein Vater mit geheimem Doppelleben und dann auch noch Kreditkartendaten – die Kölner „Tatort“-Kommissare bekommen es in ihrem neuesten Fall gleich mit zahlreichen Problemen zu tun, die den Krimi in ihrer Fülle zu überfordern drohen.

Der „Tatort“-Krimi aus Köln fängt klassisch an: Ein Junge wird entführt. Das riecht doch nach sexuellem Missbrauch, finden die Kommissare Max Ballauf (Klaus J. Behrendt) und Freddy Schenk (Dietmar Bär). Den Film „Trautes Heim“ zeigt die ARD an diesem Sonntag (20.15 Uhr). Dann ermorden die Entführer auf der Flucht einen Motorradfahrer, der zufällig Zeuge wurde. Motorradfahrer? Auch hier ist die Sache klar, weiß Schenk: „Was glaubst du, wovon hat der geträumt? Hells Angels oder Bandidos?“ – „Beides, Freddy. Beides“, antwortet Max Ballauf.
 
Hinzu kommt ein als IT-Berater selbstständiger Vater (Barnaby Metschurat), der vorgibt, häufig beruflich in Leipzig zu sein. In Wirklichkeit führt er aber seit Jahren ein Doppelleben mit einer zweiten Familie. Außerdem gibt es da den von Neid zerfressenen, erfolglosen Schwager. Und schließlich spielen noch jede Menge Kreditkartendaten eine Rolle, die an russische Kriminelle verkauft werden sollen.
 
Die Story ist ziemlich vollgepackt. Der „Tatort“ mit den Ermittler-Kumpels Ballauf und Schenk droht in seiner eigenen Story zu ertrinken. In einer solchen Umgebung wirken selbst die beiden „Tatort“-Sympathieträger verloren. Und das liegt nicht nur an Schenks Erstaunen darüber, dass sich der IT-Yuppie mit dem Doppelleben durch eine professionelle Agentur bei seiner Ehefrau verleugnen lässt..

Manche Passagen wirken dick aufgetragen: Die Mutter des entführten Kindes (Alma Leiberg) etwa macht ihre Nervosität durch ständiges Kratzen deutlich – und das so sehr, dass es der Nahaufnahme ihrer Hand gar nicht bedürfte, weil man selbst mit geschlossenen Augen noch das Schaben auf der Haut hört.
 
Die Männer in diesem „Tatort“ sind durch die Bank rückgratlose Waschlappen, die sich durchs Leben mogeln. Sei es mit zwei Familien wie der Papa; sei es, weil sie „wirtschaftlich nicht auf die Beine kommen“, wie der Schwager; oder sei es bloß, weil sie sich beim Kino-Date verspäten, wie der Freund von Polizei-Assistentin Franziska Lüttgenjohann (Tessa Mittelstaedt).
 
Den gesamten Film über ist Sidekick Franziska so lässig-unemotional wie ihre Dienstwaffe – ganz im Gegensatz zu den übrigen weiblichen Hauptfiguren, die sich beim großen Finale in eine wahre Tränenorgie steigern.
 
Als dann schließlich die erlösende Abschlussszene an der Wurstbude gezeigt wird – alle Lügengebäude sind inzwischen hübsch eingestürzt, der Junge ist gerettet und die Kreditkartendaten sind sicher – da hat die toughe Assistentin Franziska endlich ihren Freund abgesägt. Ins Kino nimmt sie stattdessen die beiden Kommissare mit.

[Torben Klausa/fm]

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7 Kommentare im Forum

  1. AW: "Tatort" Köln: Vollgestopft und voller Tränen da braucht man ja gar nicht erst einschalten weil ja die nahezu komplete Story schon gespoilert wurde
  2. AW: "Tatort" Köln: Vollgestopft und voller Tränen Aus Köln haben wir schon schlechtere Drehbücher gesehen. Dieser war ok, nicht schlecht, aber auch nicht richtig gut. Schade, daß Freddi und Ballauf sich so verheizen lassen
  3. AW: "Tatort" Köln: Vollgestopft und voller Tränen mir hat dieser Tatort überhaupt nicht gefallen !
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