„Tatort“-Kommissar findet Diskussion um Schleichwerbung lächerlich

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Bild: Destina - Fotolia.com
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Osnabrück – Schauspieler Boris Aljinovic, der im Berliner „Tatort“ den Kommissar Felix Starke spielt, findet die Diskussion um Schleichwerbung „ein bisschen lächerlich“.

„Wir laufen durch eine Realität voller Werbung und voller Marken. Aber wir sind seit dem ARD-Skandal krampfhaft bemüht, jedes Handy abzukleben und jedes Ladenschild zu verändern. Das ist ein einziger Terror für das Team. Es ist eine gewaltige Mehrarbeit entstanden, weil wir die Realität nicht so zeigen dürfen, wie sie ist“, sagte der 41-Jährige der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ (Samstagsausgabe).

Die Diskussion habe für das gesamte „Tatort“-Team enorme Einschränkungen zur Folge, beklagte Aljinovic weiter: „Wir könnten nicht mal die Glitzerwelt des Kurfürstendamms in seiner Farbenpracht zeigen, das würde uns wegen vermuteter Schleichwerbung vor unmögliche Aufgaben stellen. Stellen Sie sich vor, wir zeigen das Kaufhaus des Westens (KaDeWe) in voller Beleuchtung – oder das Lafayette, um schnell einen Konkurrenten zu nennen. Wenn sich dann die Konkurrenz öffentlich beschwert, hat die ARD gleich wieder Dreck am Stecken, wo sie keinen haben muss. Da gibt es eine große Verunsicherung und eine höchst einschränkende Vorsicht, weil sich niemand mehr die Finger verbrennen will.“
 
Dabei sieht der Schauspieler das sogenannte Product-Placement durchaus positiv: „Es gibt eine definierte Spielregel: Wenn uns Daimler für nix die neuesten Autos hinstellt und wir die fahren dürfen, haben wir logischerweise einen größeren Fuhrpark, mit dem wir auch Menschen und Material transportieren können. Das spart Kosten. Das ist Product-Placement und in der ARD völlig legal.“
 
Aljinovic räumte ein, durch seine Rolle im „Tatort“ erst auf das Genre Krimi aufmerksam geworden zu sein: „Ich habe vorher weder in Krimis gespielt noch welche gelesen. Ich fand Krimiliteratur nie besonders interessant. Es gibt ja auch in der klassischen Theaterdramaturgie nur wenig Krimis. Ein erfüllter Theaterabend funktioniert einfach nicht, wenn er zu 50 Prozent aus einem Ratespiel besteht.“ Heute sieht er es differenzierter: „Der Zuschauer, der am Sonntagabend um 20.15 Uhr den ‚Tatort‘ einschaltet, mag es und hat absolut das Recht, seinen Krimi zu sehen.“
 
Schwere Verbrechen in der Hauptstadt sind für Aljinovic im Film zum täglich Brot geworden, die Wirklichkeit sieht für den gebürtigen Berliner jedoch bedeutend harmloser aus: „Mir ist vor 15 Jahren in der U-Bahn mal das Portemonnaie geklaut worden, aber das war es auch. Das war unangenehm, aber nicht gerade ‚Tatort‘-würdig.“
 
Spöttisch reagierte der Schauspieler auf eine Einladung, die er vom Fernsehsender Vox für das „Promi-Dinner“ bekommen hat: „Ich habe über meine Agentur einen Menü-Vorschlag unterbreitet: als Vorspeise Dieter Bohlen, dann Helmut Kohl mit Erbsenpüree, zum Nachtisch Yvonne Catterfeld und zur Abrundung einen Zeh von Reinhold Messner. Ich dachte, ein bisschen ‚Hannibal Lector‘ könne nicht schaden bei so einem Promi-Dinner, aber bis jetzt habe ich keine Antwort auf meinen Vorschlag bekommen.“
 
Das ausführliche Interview erscheint morgen in der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ und Online unter www.neue-oz.de/interviews. [mw]

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