Teuflischer Sensationsjournalismus am „Tatort“ München

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Bild: Destina - Fotolia.com
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Die Münchner „Tatort“-Kommissare bekommen es in ihrem neuesten Fall mit einem sensationsgeilen Journalisten zu tun, der seine ahnungslosen „Opfer“ mit der Kamera überrumpelt und sie hinterher im Internet bloßstellt. Als das Ganze allerdings in einem Mord gipfelt, ist es an der Kripo, die teuflische Jagd zu beenden.

Wie weit darf Sensationsjournalismus gehen? Dürfen ahnungslose Menschen mit der Kamera überrumpelt und im Internet dem Spott und der gnadenlosen Neugier preisgegeben werden? Eine interessante Frage, mit der sich der „Tatort“-Krimi mit dem Titel „Allmächtig“ des Bayerischen Rundfunks auseinandersetzt. Die Folge dieser öffentlichen Bloßstellung ist hier – natürlich – ein Mord.
 
Im Mittelpunkt steht ein Journalist, der in seinen Internet-Filmchen weit über die Grenzen des guten Geschmacks hinaus Menschen an den Pranger stellt und sie demütigt. Dabei geht er so perfide und skrupellos vor, als wäre sein Opfer der Teufel höchstpersönlich – ein Satan, der ausgetrieben werden muss. Das Erste zeigt den Münchner Krimi mit Udo Wachtveitl, Miroslav Nemec und Alexander Schubert an diesem Sonntag um 20.15 Uhr.

Schubert spielt den Part des sensationslüsternen Entertainers sehr überzeugend – ein Kontrast zu seiner Rolle des völlig verschüchterten Außenreporters bei der ZDF-„heute show“. Vor laufender Kamera dringt er ungefragt in intimste Bereiche der Opfer vor, um sie später in bitterbösen Internet-Clips vorzuführen. Seine Auftritte würzt er mit Anspielungen auf Hölle und Teufel – so ist sein Künstlername Anast ein Anagramm für Satan. Auch sein Blick hat etwas Diabolisches.
 
Anast ist jedoch nur anfangs real dabei: Schwer verletzt steuert er einen roten Flitzer eine Bergstraße hinab ins Tal, landet im Graben und versucht dann panisch, zu Fuß zu fliehen. Später taucht er nur noch in seinen kurzen Filmchen auf, welche die Kommissare Franz Leitmayr (Wachtveitl) und Ivo Batic (Nemec) für ihre Ermittlungen mit Todesverachtung durchforsten müssen. Ist der bekannte Entertainer tot oder nicht? Eine Frage, die zunächst offen bleibt.
 
Ganz sicher tot ist dafür eine Finanzbeamtin, die Anast einige Zeit zuvor in einem Clip als „Messie-Marie“ an den Pranger gestellt hatte – mit verheerenden Folgen für sie und ihren Mann. Dabei war der Clip so erfolgreich, dass nun sogar ein Fernsehsender einsteigen will in die Firma von Anast, der ehrgeizigen Ines Lohmiller (Claudia Hübschmann) und dem undurchsichtigen Nik Erdmann (Dominik Boeer).
 
Klar, dass bei soviel teuflischer Energie auch das Gute nicht weit ist – in Gestalt des katholischen Pfarrers Fruhmann (Ernst Stötzner) und dem Priesteranwärter Rufus (Albrecht Abraham Schuch), die Anasts Teufelswerk die Kraft ihres Glaubens entgegensetzen wollen.
 
Jochen Alexander Freydank, dessen Kurzfilm „Spielzeugland“ 2009 einen Oscar eingeheimst hatte, inszeniert den Film geradlinig, aber auch ohne große Überraschungen. Wer der Mörder sein könnte, wird recht bald klar, auch wenn es noch einige Verwicklungen gibt. Insgesamt bietet „Allmächtig“ solide Krimiunterhaltung. Nicht weniger, aber auch nicht mehr.

[Cordula Dieckmann/fm]

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  • Inhalte_Fernsehen_Artikelbild: Destina - Fotolia.com

5 Kommentare im Forum

  1. AW: Teuflischer Sensationsjournalismus am "Tatort" München Da ja hier in fast jedem Beitrag einer mit "HD+" anfängt: Heut spielt wohl im Tatort einer mit, der mich diese Woche in einem "HD+ Werbeflyer" in der TV Spielfilm angrinst... So einer mit Bart.
  2. AW: Teuflischer Sensationsjournalismus am "Tatort" München Hoffentlich ist dieser Münchener Tatort besser als der Letzte. Der war nämlich nix.
  3. AW: Teuflischer Sensationsjournalismus am "Tatort" München Ja der letzte Münchner Tatort war nicht so gut mal schauen ob dieser besser ist. frankk
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