Thomas Gottschalk: Vom Showgigant zum Sender-Vagabund

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Bild: Destina - Fotolia.com
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Nach seinem selbstgewählten Abschied von der ZDF-Erfolgsshow „Wetten, dass…?“ hat sich Thomas Gottschalk in diesem Jahr als Vagabund präsentiert. Vom ZDF ging er zur ARD und dann zu RTL. 2013 könnte der Entertainer aber schon wieder auf einer Bühne der Öffentlich-Rechtlichen stehen.

Mehr als 20 Jahre konnte sich der Entertainer entspannt auf der „Wetten, dass…?“-Couch zurücklehnen und mit der Prominenz aus aller Welt plaudern und flirten. Seine oftmals improvisierten Moderationen gehörten ebenso zu dem Format wie seine schrägen Anzüge – und das war angesichts der erreichten Zuschauerzahlen auch nicht unbedingt schlecht. Das dieses Konzept allerdings nicht überall funktioniert, hat Thomas Gottschalk in diesem Jahr zu spüren bekommen.
 
Nach dem tragischen Unfall von Wett-Kandidat Samuel Koch hatte Gottschalk Anfang 2011 seinen Abschied von „Wetten, dass…?“ verkündet. Im Dezember  moderierte er seine letzte Sendung. Während bereits im Sommer fest stand, dass Gottschalk künftig für die ARD auf Sendung gehen würde, begann für das ZDF und die verwaiste Samstagabendshow eine nervenaufreibende und mitunter peinliche Suche nach einem neuen Moderator, denn keiner schien die Show übernehmen zu wollen. Ob Hape Kerkeling, Anke Engelke oder auch Günther Jauch – alle lehnten ab. Erst im März 2012 sagte Markus Lanz schließlich zu.

Für Gottschalk ging es ab Januar 2012 im Programm der ARD weiter. Zweifellos hoffte der Sender, von Gottschalks Anziehungskraft auf das Publikum profitieren zu können. Daher bekam der erfolgsverwöhnte Entertainer mit „Gottschalk Live!“ seine eigene Talkshow im Vorabendprogramm – und scheiterte. Nach einem gelungenen Start mit 4,34 Millionen Zuschauern brachen die Zahlen immer weiter ein. Im April zog die ARD schließlich die Notbremse und setzte das Format wieder ab.
 
Zeit zu trauern blieb den Entertainer aber kaum, denn schon zwei Wochen nach seiner letzten Sendung wurde bekannt, dass Gottschalk einen neuen Arbeitgeber gefunden hat – in Köln. Bei RTL saß Gottschalk in der aktuellen Staffel von „Das Supertalent“ in der Jury und urteilt gemeinsam mit Dieter Bohlen und Michelle Hunziker über das Potential der Kandidaten. Das brisante daran: Gottschalk hatte in der Vergangenheit mehrfach seine Bedenken über das Programm von RTL geäußert und vor allem auch an „Supertalent“-Chefjuror Dieter Bohlen kaum ein gutes Haar gelassen.

Bohlen und Gottschalk hatten sich in der Vergangenheit mehrere TV-Gefechte geliefert, in denen beide verbal scharf gegen die Sendungen des jeweils Anderen geschossen hatten. Nun sitzen sie Seite an Seite. „Ich habe gemerkt, dass das Publikum mich auf der großen Showbühne sehen will – und genau die hat mir RTL angeboten“, kommentierte Thomas Gottschalk damals seinen Wechsel nach Köln. An dem Poptitan führte da kein Weg vorbei.
 
Mehr Zuschauer als im ARD-Programm hat er zwar zweifelsfrei bekommen, seine Kritiker sind aber nicht verstummt – auch wenn diese nun einen anderen Tenor anschlagen. Gottschalk tue sich mit dem „Supertalent“ keinen Gefallen und zerstöre obendrein seinen Ruf, hieß es vielfach. Der Entertainer verteidigt die Casting-Show: „‚Das Supertalent‘ ist viel besser als sein Ruf“, sagte er gegenüber der „Bild“-Zeitung. Über die sinkenden Quoten kann das aber nicht hinwegtäuschen.
 
Wohin die Reise im kommenden Jahr für Gottschalk geht, bleibt abzuwarten. Die ARD hat bereits mehrfach betont, dass man eifrig an einem geeigneten Show-Konzept arbeite, um den Entertainer wieder auf die Samstagabend-Bühne zu holen. Nähere Details gab der Sender zwar noch nicht bekannt, es soll sich jedoch um ein Format mit fünf bis sechs Abendsendungen im Jahr handeln. Der Startschuss soll angeblich schon im Frühjahr fallen.
 
Damit könnte Gottschalk 2013 also wieder ins öffentlich-rechtliche Programm wechseln. Ein Comeback als Radio-Moderator bei Bayern 3 wurde bereits angekündigt. Ob er dann auch weiterhin bei RTL auf Talentsuche gehen wird, ist noch fraglich. Die „Bild“ will bereits erfahren habe, dass Gottschalk der Show den Rücken kehren will, unter anderem wegen der geringen Zahl der Live-Shows. Er selbst gab sich bisher bedeckt, ein offizielles Statement steht also noch aus. Doch selbst wenn der Entertainer 2013 wieder am Jury-Tisch Platz nimmt, dürfte sein Engagement bei der Casting-Show wohl keine Zukunft haben. Immerhin hat bisher kaum ein Juror an der Seite des Poptitan länger als zwei Jahre auf den Buzzer schlagen dürfen. [Frances Monsheimer]

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  • Inhalte_Fernsehen_Artikelbild: Destina - Fotolia.com

4 Kommentare im Forum

  1. AW: Thomas Gottschalk: Vom Showgigant zum Sender-Vagabund Definitiv einer der TV-Absteiger des Jahres. Wobei man das ja immer relativ sehen muss. Über das Niveau, auf dem er jetzt arbeitet, kommen die meisten anderen niemals hinaus.
  2. AW: Thomas Gottschalk: Vom Showgigant zum Sender-Vagabund Der Unfall mit Samuel Koch wird ewig an ihm haften bleiben !
  3. AW: Thomas Gottschalk: Vom Showgigant zum Sender-Vagabund Absolut nicht! Der Unfall war für Gottschalk eine Möglichkeit auszusteigen. Das ZDF wird immer damit hadern müssen. Leider hat Gottschalk außer "Wetten Dass" nie ein anderes Format dauerhaft zum Erfolg geführt.
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