TV-Kritik: Frankfurter „Tatort“-Ermittler selbst im Blickpunkt

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Bild: Destina - Fotolia.com
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Die neuen Frankfurter „Tatort“-Ermittler Nina Kunzendorf und Joachim Król ermitteln in ihrem zweiten Fall. Dabei geht es vor allem um das ungleiche Paar selbst. Der andere hr-„Tatort“-Kommissar Ulrich Tukur wird zwei Wochen später in seinem zweiten Fall ermitteln.

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Die gertenschlanke Kommissarin hat eine Schwäche für leichtes Essen und muskulöse Männer – ihr Kompagnon für sein Büro-Sofa und Alkohol. Das Miteinander des gegensätzlichen neuen Frankfurter „Tatort“-Teams, Conny Mey (Nina Kunzendorf) und Frank Steier (Joachim Król), steht im Mittelpunkt ihres zweiten Falls. „Der Tote im Nachtzug“ ist am morgigen Sonntag um 20.15 Uhr in der ARD zu sehen – rund ein halbes Jahr nach dem Debüt des Ermittler-Duos.

Steier wird von seinem Chef (Gerd Wameling) zu früh vom Krankenbett zurück in den Dienst geholt. Die Folgen einer Stichverletzung, die ihm bei der Aufklärung seines ersten Falls zugefügt wurde, hat er physisch und vor allem psychisch noch längst nicht überwunden. Das interessiert aber eigentlich keinen seiner Vorgesetzten oder Kollegen so richtig – nicht einmal den Polizeipsychologen.

Steier und Mey ermitteln nach dem Fund einer blutüberströmten Leiche im Nachtzug aus Warschau. Alles in der Geschichte, die auf einem authentischen Fall basiert, sieht zunächst nach Raubmord aus. Bald geht es aber auch um Medikamentendiebstahl, Drogen, den zerplatzten Traum von der heilen Familie und die Bundeswehr in Afghanistan. Dabei agieren die Feldjäger im Frankfurter Rotlichtmilieu ebenso selbstherrlich wie später die Polizei.

Die Gegensätze zwischen den Ermittlern werden nur selten witzig erzählt, strotzen aber vor verdrehten Klischees, etwa wenn Mey ihren One-Night-Stand (Benno Fürmann) durch ihr Schnarchen aus dem Bett treibt. Trotz der prominenten Besetzung – neben Król, Kunzendorf und Fürmann ist auch Inka Friedrich in einer zentralen Nebenrolle zu sehen – bleibt die Geschichte nach dem Drehbuch von Lars Kraume blass, langatmig und stellenweise wirr. Dies unterstreicht die Kameraführung von Armin Alker, die stark auf Ausschnitte und Nahaufnahmen setzt – viele davon aus dem Inneren von Autos.

Die große, betont locker-extrovertierte Kommissarin und ihr kleinerer, introvertiert-verschrobener Kollege staunen während der gemeinsamen Aufklärung des gewaltsamen Todes gelegentlich übereinander; mal finden sie sich abstoßend und mal anziehend. Am Ende ziehen sie verschwörerisch an einem Strang und nehmen das Recht selbst in die Hand – mit Folgen für die Zukunft.

Lange bevor aber ihr nächster – dritter – Fall im April 2012 ausgestrahlt wird, ist der andere „Tatort“-Ermittler des Hessischen Rundfunks, Ulrich Tukur, an der Reihe. Sein zweiter Fall („Das Dorf“) wird am 4. Dezember gezeigt. Ein dritter „Tatort“ mit dem mehrfach ausgezeichneten Schauspieler und Musiker als Ermittler soll 2012 gedreht und 2013 gezeigt werden, heißt es beim HR. Wie es dann mit Tukur und seinem LKA-Ermittler Felix Murot weitergeht, sei noch nicht entschieden.

[Ira Schaible]

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34 Kommentare im Forum

  1. AW: TV-Kritik: Frankfurter "Tatort"-Ermittler selbst im Blickpunkt Hallo, ich fand den Tatort wesentlich besser, als die hier geäußerte Kritik.
  2. AW: TV-Kritik: Frankfurter "Tatort"-Ermittler selbst im Blickpunkt Mehr ist dazu wirklich nicht zu sagen. Ich verstehe nicht warum diese TV-Serie so erfolgreich ist. Das gestern war an Langeweile und Langatmigkeit kaum noch zu überbieten. Das einzig erfrischende war noch der Part mit Fürmann. Aber viel zu wenig um daraus einen wirklich guten Kriminalfilm zu machen, denn der Stoff hätte es hergegeben. Was die Verantwortlichen aber daraus gemacht haben war dilettantisch. Vielleicht sollten die Jungs mal bei der BBC in die Lehre gehen, die zeigen regelmäßig wie gute und vor allem spannende und zeitgemäße Unterhaltung gemacht wird. Juergen
  3. AW: TV-Kritik: Frankfurter "Tatort"-Ermittler selbst im Blickpunkt Der HR-Tatort reiht sich in die mittelmäßigen Krimis in letzter Zeit ein. Conny Mey (Nina Kunzendorf) find ich sexy. Frank Steier (Joachim Król) wirkt eher langweilig. Das Frankfurter Ermittlerteam hat noch viel Luft nach oben.
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