„Unterleuten“ Juli-Zeh-Verfilmung ab heute im ZDF

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Szene aus ZDF-Dreiteiler
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Mit großem Star-Aufgebot hat Grimme-Preisträger Matti Geschonneck den Roman „Unterleuten“ von Juli Zeh verfilmt. Start des Dreiteilers ist an diesem Montag.

Tiefgründig und differenziert, dabei unterhaltsam nimmt Geschonnek fürs ZDF eine Gesellschaft unter die Lupe, in der Eigennutz entscheidet. „Seit wir in Unterleuten leben, hat Freiheit für mich eine ganz andere Bedeutung. Ich wache morgens auf und fühle mich frei – kein Lärm, kein Gerenne, kein Konsumterror“, schwärmt der Soziologe Dr. Fließ einem früheren Kollegen von der Universität vor. Mit seiner jungen Frau (Rosalie Thomass, „Rufmord“) und dem Baby ist der von sich selbst überzeugte alt-linke Berliner (Ulrich Noethen) in das brandenburgische Dorf gezogen, um sich für den Naturschutz zu engagieren. Vor allem aber, um Idylle zu genießen. Was sich schon bald als fundamentaler Irrtum herausstellen soll.

Denn statt mit Natur pur bekommt er es im ZDF-Dreiteiler „Unterleuten – Das zerrissene Dorf“ (ab diesem Montag, 20.15 Uhr) nicht nur mit dem Lärm und Werkstattgestank seines grobschlächtigen Nachbarn Schaller (Charly Hübner) zu tun. Sondern auch mit Planungen einer Ingolstädter Investorengesellschaft für einen Windpark ganz in der Nähe. Außerdem stehen etliche offene Rechnungen aus DDR-Zeiten im Raum.

So hassen der Junker-Abkömmling, Ex-LPG-Leiter und Chef des Landhandels „Ökologica“, Gombrowski (Thomas Thieme, „Preis der Freiheit“), und der Altkommunist Kron (Hermann Beyer, „Zuckersand“) einander abgrundtief. Dabei muss der verbissene und verbitterte Kron erleben, dass Unbekannte seiner kleinen Enkelin Krönchen die geliebte Katze vergiften.

Und nicht zuletzt lebt vor Ort die junge West-Frau Linda Franzen (Miriam Stein, „Steirerkreuz“), die mit wenig Skrupeln die unguten Verhältnisse benutzt, um ihren Pferdehof aufzubauen. Auf Grundlage des Romans „Unterleuten“ der Bestsellerautorin Juli Zeh hat Magnus Vattrodt ein naturgemäß etwas verkürzendes Drehbuch verfasst, nach dem der renommierte Regisseur Matti Geschonneck die Geschichte um Wende-Gewinner und Wende-Verlierer, Ostalgiker, Kapitalisten, zugereist Städter und Alteingesessene sehr differenziert und atmosphärisch konzentiert ins Bild gesetzt hat.

Dass die Schilderungen der Menschen und ihrer Konflikte auch unterhaltsam geraten, ist zum guten Teil dem großen Team erstklassiger Darsteller aus Ost und West zu verdanken. Dagmar Manzel, Mina Tander, Nina Gummich, Bjarne Mädel sowie Jörg Schüttauf als Bürgermeister gehören mit dazu.

Der Anspruch der Produktion scheint nicht nur zu sein, die Verhältnisse in einem brandenburgischen Dorf als Erbe der deutschen Teilung zu schildern. Wie die Romanautorin Zeh haben die Macher der Miniserie wohl das gegenwärtige Gesamt-Deutschland im Blick. Ein Land, in dem meist in eigenen Interessen befangene Menschen zwar nur selten wirklich Böses wollen. Es aber schaffen, die Gesellschaft zu zerstückeln und eine oft feindselige, an materiellem Gewinn orientierte Atmosphäre herzustellen.

Charly Hübner erklärt im Gespräch mit dpa, dass es ähnliche Strukturen und Mentalitäten „auch in Wedel in Holstein, im Ruhrgebiet und selbst in Ostfrankreich“ gebe. Dennoch erscheint dem 1972 in Mecklenburg Geborenen manches deutlich heimisch: „Große Teile der Ausstattung sind natürlich sehr speziell DDR“, erklärt Hübner, „Häuser, Inneneinrichtungen. Wie Gartenzäune aussehen. Und diese Ökologica – das war ein ganz klassischer LPG-Betrieb. Da kommst du rein und riechst noch das Linoleum – das ist schon DDR.“[Ulrike Cordes]

Bildquelle:

  • df-unterleuten: obs/ZDF/Stefan Erhard

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