„Wüstensohn“: Münchner „Tatort“ erinnert an Gaddafi-Essen

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Bild: Destina - Fotolia.com
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In ihrem neuesten Fall müssen sich die Münchner „Tatort“-Kommissare mit den Launen eines arabischen Prinzen herumschlagen, der sich ihrem Griff dank Diplomaten-Pass immer wieder entzieht. Dabei erinnert der Fall „Wüstensohn“ inhaltlich an eine populäre Episode aus dem Leben von Gaddafis Sohn.

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Während sein Vater Muammar al-Gaddafi in Libyen herrschte, lebte sein Sohn Saif al-Arab in München ein mehr als glamouröses Leben am Rande der Legalität: Luxus, schnelle Autos, ausschweifende Partys. Abgesehen von zwei Strafbefehlen blieb er trotz zahlreicher Vorfälle wie Schlägereien oder Fahrens ohne Führerschein unbehelligt.
 
Die Drehbuchschreiber Alexander Buresch und Matthias Pacht haben sich für den neuen „Tatort“ aus München wohl an diese seltsame Episode erinnert. Denn die neue Ausgabe des Kult-Krimis mit dem Titel „Der Wüstensohn“ (Sonntag, 20.15 Uhr im Ersten) erzählt genau diese Geschichte, auch wenn mit Nasir al Yasaf (Yasin el Harrouk) nicht der Diktatorensohn aus Libyen, sondern „der fünfte Sohn des Emir von Kumar“ die Hauptperson der Geschichte ist.
 
Der wird von Leitmayr und Batic (Udo Wachtveitl und Miroslav Nemec) erwischt, wie er mit der Leiche seines Freundes Karim auf dem Beifahrersitz mehrere rote Ampeln überfährt. Nur eine Polizeisperre kann ihn stoppen und fassungslos muss vor allem Batic erleben, dass den Beamten die Hände gebunden sind. Denn das reiche Jüngelchen hat einen Diplomatenpass und der Auffindeort der Leiche, ein Diplomatenauto, gilt als exterritoriales Gebiet. „Ich kann mit 180 durch München fahren, ich kann koksen soviel ich will.“
 
Der erste deutsche „Tatort“ nach der Sommerpause nach den beiden aus Österreich und der Schweiz führt die Ermittler in ein unübersichtliches Dickicht aus Politik, Justiz und Wirtschaft. Dort steht die Wahrheitsfindung nicht zwangsläufig an erster Stelle und der Generalkonsul von Kumar (Samir Fuchs) ist ebenso zwielichtig wie der Teppichladen, den Nasir betreibt, und der ein oder andere Vertreter der bayerischen Behörden. Frei nach dem Motto: Vor dem Gesetz sind alle gleich, der ein oder andere ist aber ein kleines Bisschen gleicher.

Die beiden Kommissare tauchen ein in eine Welt mit überbordendem Luxus,in der „der Prinz“, wie Nasir genannt wird, seine Diener mit Füßen trittund von einer Party zur nächsten zieht. Unterstützt wird er in seinenAusschweifungen von Henk (Wilson Gonzales Ochsenknecht – wird seinemVater Uwe immer ähnlicher).
 
Ausgerechnet an Batic aber findet der Prinz Gefallen und bietet ihm an, die Polizei in seinem Heimatland aufzubauen. „Sie würden ihn mögen, meinen Vater. Alle mögen ihn“, sagt er – und lädt zum Essen ein. Es ist eine von zahlreichen Anspielungen an den realen Fall in München, der auch darum Schlagzeilen machte, weil der damalige Münchner Polizeipräsident mit Gaddafi junior im Bayerischen Hof speiste – ihn nach eigenen Angaben dabei ermahnend, nicht mehr über die Stränge zu schlagen.
 
Der neue „Tatort“ ist eine Gratwanderung – und das nicht etwa, weil ein realer Fall für die Handlung Pate stand, sondern weil er sich ganz offen zahlreicher Klischees bedient. Im Vorgarten des Prinzen lebt ein Kamel – oder eigentlich drei, aber „zwei sind gerade beim Besamen in Wien“.
 
Verschleierte arabische Frauen in schwarzen Gewändern kaufen auf der Maximilianstraße goldene Schuhe, während der Sohn mit einem Hubschrauber und später sogar mit einem Panzer spielt. Kommissar Batic, der nicht gerne zum Narren gehalten wird, lässt sich zu Beschimpfungen hinreißen („Kameltreiber, blöder“), die selbst seinen langjährigen Partner Leitmayr ganz verwundert sagen lassen: „Ich kenne Dich als Rassisten – aber gegen Araber, das ist ja ganz neu.“

[Britta Schultejans/fm]

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