ZDF: „In vielen Bereichen haben wir Qualitätsmaßstäbe setzen können“

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Bild: Destina - Fotolia.com
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Leipzig – Das vergangene Jahr war für das ZDF v.a. in sportlicher Hinsicht erfolgreich. Neben der Fußball-EM übertrug der Sender auch die Olympischen Spiele.

Daneben konnte sich die Dokumentationsreihe „Die Deutschen“ als erfolgreichste Dokumentationsreihe aller Zeiten behaupten. Im Interview mit DIGITAL FERNSEHEN geht der ZDF-Programmdirektor Dr. Thomas Bellut außerdem davon aus, dass sich die allgegenwärtige Finanzkrise „in der Branche noch an einigen Stellen bemerkbar machen“ wird.

DIGITAL FERNSEHEN: Herr Dr. Bellut, wie ist das Jahr 2008 rückblickend für das ZDF gelaufen?
 
Dr. Thomas Bellut: Es war das erwartet große Sportjahr mit Fußball-EM und Olympischen Spielen, es war aber auch das Jahr exzellenter Dokumentationen, Fernsehfilmen der Extraklasse und der überraschenden Serienerfolge. Soeben haben wir mit „Die Deutschen“ die erfolgreichste Dokumentationsreihe aller Zeiten gesendet. Im Durchschnitt 5,1 Millionen Zuschauer über zehn Folgen für anspruchsvollen Geschichtsstoff.
 
Aber auch personell ist es uns gelungen, starke Akzente zu setzen, die sich langfristig bemerkbar machen. Johannes B. Kerner hat ein starkes Jahr hinter sich. Mit Markus Lanz konnte sich ein neues Gesicht etablieren, das unseren Talk im Sommer belebte und zudem ein neues ZDF-Unterhaltungsgesicht mit Profil geworden ist. Mit Harald Lesch, Karsten Schwanke und Dirk Steffens haben wir das vielleicht stärkste Wissenschaftstrio im deutschen Fernsehen für unsere Formate. Schließlich ist Hape Kerkeling der Mann, den alle wollen, der aber im nächsten Jahr jedenfalls für zwei ZDF-Programme stehen wird.
 
DF: Wurden Ihre Erwartungen und Ziele erfüllt? Bitte begründen Sie.
 
Dr. Thomas Bellut: Bis jetzt bin ich zufrieden, mehr allerdings nicht. Ein solches Sportjahr muss für einen Sender eigentlich einen Gesamtmarktanteil von komfortablen Mitte 13 hergeben. Wir werden die 13 Prozent halten. Allerdings haben alle großen Sender mit der Diversifizierung des Marktes zu kämpfen. Immer mehr Sender wollen am gleichbleibend großen Kuchen partizipieren. Da bleibt das ein oder andere Zehntel auf der Strecke.
 
Aber wir sind knapp hinter der ARD an der Spitze des Feldes, was die Publikumsgunst angeht. In vielen Bereichen haben wir aber auch Qualitätsmaßstäbe setzen können: eben erwähnt „Die Deutschen“, die überraschende Krimireihe „Kommissarin Lund“ aus Dänemark, die für den Emmy nominiert war, aber auch bei Fußball, Olympia und der US-Wahl.
 
DF: Inwiefern hatte die Finanzkrise Auswirkungen auf den Sender?
 
Dr. Thomas Bellut: Insoweit, als wir so tiefgründig wie kein anderer Sender den Ursachen auf den Grund gegangen sind und den Zuschauern in Deutschland erklären, was insolvente Häuslebauer in Amerika mit ihrem Arbeitsplatz zu tun haben.
 
Die Finanzkrise wird sich aber in der Branche noch an einigen Stellen bemerkbar machen. Es ist davon auszugehen, dass da noch nicht alles durchgestanden ist.
 
DF: Wie sehen Ihre Programm-Pläne für 2009 aus?
 
Dr. Thomas Bellut: Das wird ein ganz starkes Informationsjahr mit vielen Wahlen und in der zweiten Jahreshälfte mit einem neuen Nachrichtenstudio, das Standards für die digitale Zukunft setzen wird.
 
Daneben tolle Filme gleich zum Jahresbeginn wie den Dreiteiler „Die Rebellin“, den Oscar-gekrönten Film „Die Fälscher“, Hape Kerkelings „Ein Mann, ein Fjord“ und den Event-Dreiteiler „Krupp – Eine Familie zwischen Krieg und Frieden“. Die neue Telenovela „Alisa“ wird die Herzen der Zuschauer gewinnen. Auf dem Dokumentationsplatz am Sonntag um 19.30 Uhr werden wir weiter die besten Geschichts- und Kulturdokus zeigen, die das Fernsehen zu bieten hat und wir trauen uns mit „La Bohème“ Hochkultur zur besten Sendezeit zu. Und dann freue ich mich auf ein neues Literaturprogramm. Das alles kann in dieser Mischung nur das ZDF.
 
DF: Wo sehen Sie dringenden Verbesserungsbedarf beim Programm?
 
Dr. Thomas Bellut: Unser Programm ist ständig im Fluss. Das ZDF-Programm ist wie eine große Stadt, da wird immer irgendwo gebaut. Wir haben jetzt ja gerade das erste Jahr mit einem an wenigen Stellen neu strukturierten Schema hinter uns. Mittwoch 20.15 Uhr sowie Donnerstag 20.15 Uhr waren größtenteils sehr ordentlich bis sehr gut. Trotzdem müssen wir hier weiter vereinheitlichen. Im Tagesprogramm werden wir ein paar Dinge ausprobieren. Gerade langlaufende Strecken bedürfen eines ständigen Anpassungs- und Optimierungsprozesses.
 
DF: Herr Dr. Bellut, vielen Dank für das Gespräch. [cg]

Das Interview gibt die Meinung des Interviewpartners wieder. Diese muss nicht der Meinung des Verlages entsprechen. Für die Aussagen des Interviewpartners wird keine Haftung übernommen.

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1 Kommentare im Forum

  1. AW: ZDF: "In vielen Bereichen haben wir Qualitätsmaßstäbe setzen können" Im großen und ganzen teile ich das Eigenlob des ZDF, im Detail gibts aber immer noch Raum für Verbesserungen. Warum z.B. schafft es das Erste, alle ihre EM-Übertragungen in AC3 5.1 zu senden, das ZDF aber nur in 2.0? Und von der Bitrate her haben sie sich auch von der ARD überholen lassen. Vor allem vor dem Hintergrund seltsam, daß ja z.B. der Dokukanal und der Infokanal aus eigenem Hause durchaus bitratenmäßig vorführen, wo der Hammer hängt! (siehe Mux-Diagramm bei LinowSat)
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