ZDF: „Wir werden noch Jahre brauchen, bis genügend HD-Material für jeden Abend zur Verfügung steht“

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Bild: Destina - Fotolia.com
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Leipzig – Entscheider und Macher der Branche standen DIGITAL FERNSEHEN im Rahmen der Aktion HDTV JETZT! Rede und Antwort.

Zu den Plänen der Öffentlich-Rechtlichen, High Definition Fernsehen erst im Jahr 2010 einzuführen, befragte DIGITAL FERNSEHEN Andreas Bereczky, ZDF-Produktionsdirektor, und Prof. Carl-Eugen Eberle, Justiziar des ZDF.

DF: Herr Bereczky, Herr Prof. Eberle, viel Gegenwind erfahren Sie derzeit für Ihre Pläne, HDTV erst 2010 zeigen zu wollen. Was sind die Gründe dafür?
 
Bereczky/Eberle: HDTV ist ein völlig neuer Fernsehstandard, der mit herkömmlichen Empfangsgeräten nicht empfangen werden kann. Für das ZDF bedeutet dieser Umstand, dass eine „harte“ Umstellung vom digitalen SDTV auf HDTV, wie sie Ende der 60er vom Schwarz/Weiß- auf das Farbfernsehen möglich war, in diesem Fall nicht praktizierbar ist. Vielmehr ist eine parallele Ausstrahlung der Programme in SDTV und HDTV über viele Jahre nötig. Gleichzeitig muss die gesamte fernsehtechnische Infrastruktur des Senders auf HDTV umgestellt werden. Und nicht zu vergessen, wir brauchen genügend attraktive Inhalte. Wenige Sport-Großereignisse reichen nicht aus, um jeden Tag in HDTV-Qualität Programm zu senden.
 
DF: Bei anderen Technologien wie das Farbfernsehen oder dem Teletext war das ZDF Vorreiter, obwohl anfangs ebenfalls nicht viele Haushalte etwas von den Neuerungen hatten. Oder lassen sich diese Technologien mit der Einführung von HDTV nicht vergleichen?
 
Bereczky/Eberle: Ein Vergleich ist nicht zulässig. Bei der Umstellung auf Farbausstrahlung konnten die Empfangsgeräte weiter benutzt werden. Eine parallele Ausstrahlung, wie bei SDTV und HDTV war nicht zwingend. Eine vergleichbar hohe Investition – wie die HDTV Einführung erfordert – war seitens der Sender nicht notwendig.
 
DF: Wodurch entstehen die viel zitierten Mehrkosten? Was ist beim ZDF bereits auf HDTV umgestellt und was muss noch umgestellt werden?
 
Bereczky/Eberle: Einige wenige Beispiele: Bei der HD-Produktion benötigen wir etwa die fünffache Bandbreite im internen Netzwerk, die fünffache Speichergröße und vollkommen andere, neue technische Komponenten als bei SD. Bei der Ausstrahlung gilt das Gleiche: Auf Satelliten und im Kabel brauchen wir neben der Kapazitäten für die SD-Ausstrahlung noch mal etwa die fünffache Bandbreite, um ein HD Signal zum Zuschauer zu senden. All das kostet viel Geld und wir brauchen auch die Zeit, intern diese Projekte umzusetzen. Wir haben bereits begonnen, HDTV-Kameras anzuschaffen.

DF: Das ZDF produziert bereits in HDTV. Wie hoch ist der Anteil der HDTV-Produktionen an den gesamten ZDF-Produktionen?
 
Bereczky/Eberle: Produktionen, bei denen ein hoher Verwertungs- und Wiederholungswert zu erwarten ist, produziert das ZDF schon seit Jahren in HDTV. Hierbei handelt es sich vorwiegend um langlebige Dokumentationen und Fernsehfilme, aber auch um Theater- und Operninszenierungen bzw. Konzerte. Ein anderer Bereich, in dem auch heute schon HD vermehrt zum Einsatz kommt, sind Koproduktionen mit dem Ausland. Der HDTV-Anteil der sogenannten repertoirefähigen Sendungen wird sich in Zukunft sukzessive weiter erhöhen. Hier schauen wir auf die Inhalte, nicht auf Anteile. Wir werden allerdings noch Jahre brauchen, bis genügend HD-Material für jeden Abend zur Verfügung steht.
 
DF: Sie wollen mit einem 24-Stunden-HD-Sender starten. Warum nicht mit ausgewählten Inhalten in HDTV wie z. B. Sportereignisse oder „Wetten, dass…?“
 
Bereczky/Eberle: Wir haben nie gesagt, dass wir ein 24-Stunden-HD-Programm gestalten wollen. Es ist vorstellbar, dass wir das ZDF-Hauptprogramm auch in HD ausstrahlen werden. Sendungen, die in HD-Qualität vorliegen, können dann mit entsprechenden Empfangsgeräten in HD-Qualität angezeigt werden. Eine genaue Entscheidung hierüber werden wir erst kurz vor dem HD-Sendebeginn fällen können.
 
DF: Die ARD schraubt die Datenrate ihrer Programme sukzessive nach oben und nähert sich so der HDTV-Bildqualität an. Verfolgt das ZDF auch diese Strategie?
 
Bereczky/Eberle: Wir haben sehr früh schon auf die hohe Datenrate gesetzt. Hier haben wir es etwas einfacher als die ARD, weil wir keine Dritten Programme bundesweit ausstrahlen und dafür die Bandbreite benötigen. Das ZDF-Programm wird quasi in DVD-Qualität gesendet.
 
 
Wollen Sie bei der Aktion HDTV JETZT! mitmachen? Hier können Sie teilnehmen und erfahren alles Wichtige rund um die Initiative von DIGITAL FERNSEHEN, HD+TV, DIGITAL TESTED und NEMO. [mg]

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