Ai Weiwei: Kino-Doku zeigt ein anderes Gesicht Chinas

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Bild: © Romolo Tavani - Fotolia.com
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Er ist Chinese, Künstler und lehnt sich im Kampf um mehr Meinungsfreiheit gegen die chinesische Regierung auf. Am 14. Juni kommt die Dokumentation über den weltweit gefeierten Aktivisten in die deutschen Kinos. Im Interview sprach Ai Weiwei über den Film und wie er dazu beitragen kann, den kommunistischen Staat besser zu verstehen.

Ai Weiwei ist der berühmteste chinesische Künstler der Gegenwart. Die amerikanische Regisseurin und Journalistin Alison Klayman hat den 55-Jährigen drei Jahre lang mit der Kamera begleitet. Ihre packende 91-minütige Dokumentation kommt am 14. Juni in deutsche Kinos. Der Film ist nicht nur ein Porträt von Ai Weiwei als Künstler, Blogger und Bürgerrechtler, sondern entblößt auch das Unrecht im System. Er zeigt das andere Gesicht Chinas – abseits von Wirtschaftswunder und Propaganda. Im Interview zeigt sich Ai Weiwei überzeugt, dass der Film zu einem besseren Verständnis von China beitragen wird.

Was halten Sie von dem Film?

Ai Weiwei: Ich denke, er reflektiert meine jüngste Arbeit und den Status quo in der chinesischen Gesellschaft, einschließlich des Rechtssystems und einiger negativer Aktivitäten der Behörden. Der Film ist sehr authentisch.

Dokumentiert er auch das gegenwärtige China?

Weiwei: Es ist schwer, eine Dokumentation zu finden, die ähnlich die zeitgenössische Kultur und das gegenwärtige Rechtssystem in China zeigt. Darüber hinaus reflektiert der Film einen unversöhnlichen Gegensatz zwischen Individuum und Gesellschaft.

Welches Bild von China kann der Zuschauer sehen?

Weiwei: Das Bild eines sich wandelnden Chinas. Die Menschen suchen weiter nach Freiheit, bürgerlichen Rechten und fordern die gegenwärtigen Behörden heraus.

Ihre Freiheit ist in China begrenzt – nehmen Menschen in anderen Ländern die Meinungsfreiheit manchmal viel zu selbstverständlich hin?

Weiwei: Das Niveau der Meinungsfreiheit ist unterschiedlich in verschiedenen Ländern. Es ist ein universeller Wert und hat eine Tradition, die in westlichen Ländern allgemein akzeptiert ist. Diese Wertvorstellungen haben in China noch zu kämpfen. Einige grundlegende Werte haben sich in China noch nicht durchgesetzt. Westliche Länder haben ihre eigenen sozialen Widersprüche. China und westliche Länder sind in verschiedenen Phasen der sozialen Entwicklung. Außerdem ist die Kultur unterschiedlich, deswegen sind die sozialen Konflikte auch anders.

Wird China ein so hohes Niveau an Meinungsfreiheit erreichen können?

Weiwei: Natürlich ist es möglich. Ich denke, Meinungsfreiheit ist Teil der Wertmaßstäbe menschlichen Lebens. Nur wenn eine Gesellschaft ein allgemeines Verständnis von Meinungsfreiheit hat, kann sie Kreativität und Ausdrucksformen haben. Nur dann werden die Menschen humane Werte entfalten können. Eine solche Gesellschaft könnte als vergleichsweise glücklich betrachtet werden.

Der Film begleitet Sie, während Sie das System herausfordern. Entblößt er damit Ungerechtigkeiten und das hässliche Gesicht eines diktatorischen Systems?

Weiwei: Der Film zeigt objektiv Schwierigkeiten, auf die eine Person, ein Künstler, in dieser Gesellschaft stößt. Es hängt aber von den Bemühungen dieser Person ab. Wer nichts tut, wird diese Probleme nicht erleben. Außerdem ist die Situation dieses Künstlers (Ai Weiwei) noch vergleichsweise gut, weil er die Aufmerksamkeit aus dem Inland und Ausland genießt. Er hat die Möglichkeit, seine Stimme zu erheben, was viele andere Leute nicht können. Was sie erleiden, kann viel schlimmer sein als das, was der Künstler durchgemacht hat. Aber niemand erfährt es. In diesem Punkt ist der Film ein außerordentliches Kunstwerk. Er zeigt ein anderes Gesicht Chinas durch die besonderen Erfahrungen eines Individuums – es ist nicht das Gesicht von Olympia, Weltausstellung oder Wirtschaftswachstum. Chinas Errungenschaften stützen sich vor allem auf das Leid vieler Menschen.

Was können die Menschen in Deutschland oder anderswo von dem Film lernen?

Weiwei: Ich kann nicht für die Regisseurin sprechen. Aber die Hoffnung ist, dass ein umfassendes Bild des modernen Chinas gezeigt wird. Es ist sehr realistisch – im Gegensatz zu den verlogenen kulturellen Veranstaltungen, die im laufenden chinesischen Kulturjahr in Deutschland von beiden Regierungen gefördert werden. Die sind äußerst unredlich. Wer den Film gesehen hat, wird klar verstehen, was für ein China und was für eine Gesellschaft wir uns wünschen, um etwas zur Menschheit beizutragen. Das ist der erste Schritt, um China zu verstehen.
 
 
Vielen Dank für das Gespräch!INTERVIEWs im Überblick
[Interview von Andreas Landwehr/fm]

Das Interview gibt die Meinung des Interviewpartners wieder. Diese muss nicht der Meinung des Verlages entsprechen. Für die Aussagen des Interviewpartners wird keine Haftung übernommen.

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