Comeback eines Klassikers: „Carrie“ wieder im Kino

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Bild: © Romolo Tavani - Fotolia.com
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Vor mittlerweile mehr als 35 Jahren begeisterte Sissy Spacek als „Carrie“ Millionen Filmfans, nun wagt sich ein blutiges Remake des Horror-Klassikers auf die große Leinwand. Die Hauptrolle übernimmt diesmal Chloë Grace Moretz – und die macht das gar nicht schlecht.

Sissy Spacek war 26 Jahre alt, als sie 1976 in der Rolle der gequälten Schülerin Carrie für Kino-Horror sorgte. Von ihrer fanatisch-religiösen Mutter unterdrückt, von ihren Klassenkameraden gemobbt, entdeckt die blasse Außenseiterin in „Carrie – Des Satans jüngste Tochter“ ihre übernatürlichen Kräfte und richtet ein grausames Blutbad an. Die 16-jährige Chloë Grace Moretz macht es ihr in der Neuverfilmung „Carrie“ jetzt noch einmal nach. Die Story hat sich dabei mehr als 35 Jahre später wenig verändert. Das Remake von US-Regisseurin Kimberly Peirce hätte jedoch deutlich mehr „frisches Blut“ gebraucht, um an den Originalhit von Brian De Palma heranzukommen.

„Carrie – Des Satans jüngste Tochter“ schlug 1976 wie ein Blitz in Hollywood ein. Der Gruselschocker war De Palmas erster Kassenhit. Die Vorlage war das erste veröffentlichte Buch von Stephen King, der damit als Bestsellerautor weltberühmt wurde. Der blutjunge John Travolta geriet mit seiner Rolle ins Rampenlicht, Kritiker schwärmten vom besten Film des Jahres. Sissy Spacek und Piper Laurie, in der Nebenrolle als Carries besessene Mutter, wurden für Oscars nominiert. Am Ende gingen sie leer aus – gewöhnlich zeigt die Oscar-Akademie Horror eine kalte Schulter.
 
Peirce hatte nun eigentlich gute Karten für eine Neuauflage. Sie holte die vielfach prämierte Schauspielerin Julianne Moore („Dem Himmel so fern“, „The Hours“) für die Rolle der herrschsüchtigen, von religiösen Schuldgefühlen geplagten Mutter an Bord. Schon mit minimaler Gestik verbreitet Moore Grauen. Peirce gibt ihr dazu noch Messer und Scheren in die Hand. Die junge Moretz („Hugo Cabret“) sammelte schon in „Amityville Horror“ und „Let Me In“ Erfahrung mit Gruselstoffen.

Mit Inbrunst spielt sie die unschuldig-naive Carrie, die nach dem Schulsport in der Dusche ihre erste Periode bekommt und sich in Todesgefahr wägt. Die Mitschülerinnen machen sich grausam über sie lustig und nehmen die Szene per Handy-Video auf. Moretz zieht alle schauspielerischen Register des verspotteten Mauerblümchens, das plötzlich seine gefährliche Begabung entdeckt. Mit der Kraft ihres Willens kann sie Spiegel zerbrechen und Messer fliegen lassen. Doch Spacek konnte es einfach besser. Sie war gruselig, ohne sich anzustrengen. Der Blick ihrer blassen Augen genügte völlig.
 
Peirce hatte 1999 mit ihrem Debütfilm „Boys Don’t Cry“ Hollywood überrascht. In dem Film erzählt sie die Geschichte der gepeinigten jungen Amerikanerin Teena Brandon, die als Mann leben wollte und 1993 ermordet wurde. Die damals unbekannte Hilary Swank trug mit kurz geschorenem Kopf den Oscar als beste Hauptdarstellerin davon. In „Carrie“ habe sie wieder eine Figur gesehen, die erst unterdrückt wird, dann aber ihre Kraft entdeckt, sagte Peirce der „New York Times“. Vor allem wollte sie die gestörte Mutter-Tochter-Bindung mehr herausstellen.
 
Vor dem Hintergrund von wachsendem Cybermobbing und Bullying-Problemen an Schulen hätte „Carrie“ zeitgemäß aufgemöbelt durchaus einen Nerv treffen können. Doch am Ende geht der reale Horror unter einer Blutorgie von Spezialeffekten verloren. Als sie beim Abschlussball auf der Schulbühne Opfer eines böses Scherzes wird, holt Carrie blutüberströmt zur brutalen Rache aus. Dabei muss die ganze Schule büßen, von der netten Sportlehrerin bis zur gemeinsten Mitschülerin. Wer das Original kennt und mag, kann sich das Remake sparen.Kinokritiken im Überblick
[Barbara Munker/fm]

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