„Die Gärtnerin von Versailles“: Der König und Kate

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Bild: © Romolo Tavani - Fotolia.com
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„Die Gärtnerin von Versailles“ ist die zweite Kino-Regie des „Harry Potter“-Zauberers Alan Rickman. Auch mit dabei: Kate Winslet und Matthias Schoenaerts.

Der Park des Schlosses Versailles, der Residenz französischer Herrscher ab dem 17. Jahrhundert, ist mehr als nur eine Augenweide. Sonnenkönig Ludwig XIV. war es, der Landschaftsarchitekt André Le Notre den Auftrag gab, ein grünes Ambiente zu schaffen, das die Natur mit Ordnung und Symmetrie bändigen und so die Macht und Herrlichkeit der Regenten spiegeln sollte. Das von Tausenden von Arbeitern geschaffene barocke Freiluft-Kunstwerk ist heute längst Touristenmagnet. „Den Himmel auf Erden“ ordert dann auch der Barockkönig (Alan Rickman) im von Rickman inszenierten Kostümfilm „Die Gärtnerin von Versailles“.

Gegenspielerin dieses absolutistischen Darstellungswillens ist Sabine De Barra (Kate Winlet, „Der Vorleser“). Eine selbstständige Gärtnerin, die verwunschene, sehr „natürliche“ Anlagen liebt. Auch in ihrem übrigen Verhalten grenzt sich die herbe, alleinstehende Schönheit von ihrer Umgebung ab. Umso größer ihr Erstaunen, als Le Notre (Matthias Schoenaerts, „Der Geschmack von Rost und Knochen“) ihr Planung und Ausführung eines Lustwäldchens samt Wassergrotte und Freiluft-Ballsaal anvertraut. Gegen allen Neid der männlichen Kollegen und Intrigen von Höflingen und Le Notres Ehefrau zieht De Barra ihr Projekt durch – und spürt bald die Spannung, die zwischen ihr und dem unglücklich verheirateten obersten Gärtner knistert. Wobei sie ein eigenes, dunkles Geheimnis zu überwinden hat, damit die Natur triumphierend ihren Lauf nehmen kann.

Rickmans zweite Kinoregiearbeit nach „The Winter Guest“ ist zweifellos eine Augenweide. Der „Harry Potter“- und „Sinn und Sinnlichkeit“-Star, der auch am Drehbuch beteiligt war, schwelgt in Details prunkvoller Kostüme, Architektur, Innenarchitektur und Gartenkunst. Gedreht wurde auf französisch inspirierten britischen Schlossanlagen wie Blenheim Palace und Hampton Court Palace. Viel mehr allerdings – etwa die lebensklugen Feinheiten von Jane-Austen-Verfilmungen – erreicht sein Unterhaltungswerk nicht.
 
Denn seine semi-fiktionale Story (es gab alle wesentlichen Personen, nur die De Barra nicht) über Liebe mit Hindernissen geriet ihm durch und durch konventionell. Auch die Geschichte wird nicht überzeugender durch ihren aufgepflanzten, modern-emanzipatorischen Aspekt („starke Frau geht ihren Weg“ – im Kontrast zu den eingepferchten Damen im Schloss).
 
Die beiden Hauptdarsteller, vor allem Winslet, liefern nuancierte, aufrichtige Charakterzeichnungen. Doch mag man die Liebe ihrer Rollenfiguren nicht recht mitempfinden – vielleicht, weil die beiden so ernst und introspektiv erscheinen. Und auch Rickmans etwas sentimentale Verkörperung des mächtigen, aber im Kern einsamen Herrschers oder Stanley Tuccis grell exzentrischer, homosexueller, herzensguter, verheirateter Herzog von Orléans befördern die Retro-Romanze nicht in den Rang des Außerordentlichen.Kinokritiken im Überblick
[Ulrike Cordes]

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