Florian von Donnersmarck: Der Oscar ist ein goldener Phallus

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Bild: © Romolo Tavani - Fotolia.com
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Mit „Das Leben der Anderen“ gelang es Florian von Donnersmarck gleich mit seinem ersten richtigen Filmprojekt, einen Oscar zu gewinnen. Doch die Auszeichnung nimmt er selbst nicht so wichtig – er will sich in Zukunft wieder seinem eigenen Genre der „Wohlfühl-Tragödien“ widmen.

Mit dem Oscar-gekrönten Stasi-Drama „Das Leben der Anderen“ hat Florian Henckel von Donnersmarck 2006 einen fulminanten Filmstart hingelegt. 2010 folgte der 100 Millionen Dollar teure Thriller „The Tourist“, der trotz Starbesetzung mit Angelina Jolie und Johnny Depp von den Feuilletons eher verhalten aufgenommen wurde. Seither ist es um den einst so quirligen Zwei-Meter-Mann ruhig geworden. An diesem Donnerstag (2. Mai) feierte er in Hollywood seinen 40. Geburtstag.
 
Seit seinem Oscar-Gewinn 2007 lebt Donnersmarck mit Frau und drei Kindern in Los Angeles – und macht in der Traumfabrik durchaus gemischte Erfahrungen. „Mir war es wichtig, das System hier zu verstehen. Zu verstehen, wie die US-Filmindustrie die ganze Welt verhext oder verzaubert“, sagte er am Mittwoch der Nachrichtenagentur dpa. Allerdings sei der amerikanische Film zur Zeit sehr von Superhelden und Markenstoffen bestimmt. „So etwas interessiert mich aber nicht. Es ist Malen nach Zahlen.“

Ob er selbst an einem neuen Kinoprojekt arbeitet, will der Filmemacher (noch?) nicht verraten. „Es bringt Pech, vor Produktionsbeginn öffentlich über ein Filmprojekt zu sprechen“, sagt er – erzählt aber dann doch die Geschichte, dass ein US-Kritiker einmal halb im Scherz zu ihm gesagt habe, mit „Das Leben der Anderen“ habe er das Genre der „Wohlfühl-Tragödie“ begründet. „Mir fiel auf, dass die meisten der Stoffe, an denen ich arbeite, in dieses Genre passen“, so Donnersmarck. „‚The Tourist‘ war ein Scherz zwischen ernsten Sätzen.“

Also demnächst doch wieder mehr Tiefgang? Er selbst hatte seinen aufwändigen Hollywood-Thriller von 2010 als eine „Stilübung in Leichtigkeit“ bezeichnet, Kritiker warfen ihm dagegen vor, „Konfektionsware“ abgeliefert zu haben. Immerhin: An den Kinokassen war der Streifen mit einem Einspielergebnis von weltweit fast 280 Millionen Dollar ein großer Erfolg.
 
Dass der Gewinn des Oscars 2007 die Latte für ihn sehr hoch gelegt haben und er damit unter Erfolgsdruck stehen könnte, empfindet der Filmemacher nach eigenem Bekunden nicht. Er nehme den Oscar nicht so wichtig, versichert er. „Eigentlich erinnere ich mich überhaupt nur an ihn, wenn mich Besucher danach fragen, ob sie ihn einmal sehen dürfen, halten dürfen. Dann hole ich ihn aus dem Schrank, reiche ihn ihnen und staune darüber, wie dieser goldene Phallus die Menschen in Entzücken versetzt.“
 
Die Auszeichnung galt 2007 auch deshalb als sensationell, weil „Das Leben der Anderen“ der erste abendfüllende Spielfilm des damals 33-Jährigen war. Nach seinem Studium an der Münchner Filmhochschule hatte sich der Spross einer alten schlesischen Adelsfamilie zunächst „nur“ mit Kurzfilmen profiliert, ehe er nach vierjähriger Arbeit am Drehbuch die Stasi-Geschichte mit kleinem Budget und großen Stars (Ulrich Mühe, Martina Gedeck, Sebastian Koch) umsetzte.
 
Zu seinem Geburtstag hat Donnersmarck mit seiner Frau Christiane und Freunden eine Südasien-Reise durch Bhutan, Bengalen und Sikkim gemacht. Jetzt ist die Familie in Hollywood wieder zusammen: mit den drei Kindern Lara Cosima (geboren 2003), Leo Sylvester (2005) und Alexis Lazarus (2007), einem kleinen weißen Hund aus dem Tierheim und Bernd Eichingers Goldfisch, den Donnersmarck von dem verstorbenen Erfolgsproduzenten geerbt hat.Archiv
[Nada Weigelt/hjv]

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