„Guns Akimbo“: Daniel Radcliffe wird im Kino zur Killermaschine

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„Guns Akimbo“ ist einer der ersten namhaften Titel nach Wiedereröffnung der deutschen Kinos. In der neuseeländischen Actionkomödie zeigt sich Daniel Radcliffe mal wieder von einer ganz neuen Seite. Den Film kann er dadurch leider kaum retten.

Jeder Filmschaffende sehnt sich doch danach, Bilder zu kreieren, die irgendwie in den Köpfen bleiben. Zumindest in dieser Hinsicht kann man Regisseur Jason Lei Howden gratulieren. Hauptdarsteller Daniel Radcliffe macht mit seinen Pistolenhänden als Bild in den sozialen Netzwerken bereits ordentlich die Runde. Perfektes Meme-Material! Immerhin ist die Konstruktion solch einprägsamer Bildspielereien, die dann in Social Media weiterverarbeitet werden können, gerade im populären Mainstreamkino keinesfalls zu unterschätzen. Dass sämtliche Medien- und Kunstformen im digitalen Zeitalter ohnehin immer weiter zusammenrutschen, ist kein Geheimnis mehr. Und tatsächlich hätte es sich bei „Guns Akimbo“ bestens angeboten, genau an diesem Punkt weiter zu bohren. Nur dauert es leider nicht sehr lang, bis der Verdacht aufkommt, dass sich da vielleicht doch nicht viel mehr verbirgt als nur eine nette Bildidee. Oder schärfer formuliert: Ein Blick aufs Filmplakat und man hat eigentlich alles gesehen.

Radcliffe als gehetzter Internet-Troll gibt Vollgas. Der britische Schauspieler hat mit seinen teils durchaus extremen Ausflügen ins Genrekino („Swiss Army Man“, „Jungle“) sein „Harry Potter“-Image sowieso schon längst abgelegt, hier stürzt er sich abermals in die abstrusesten Situationen, spielt sich sowohl durch peinliche Pinkelpannen als auch brachiale Actionexzesse. Radcliffe mimt den tapsigen Programmierer Miles, der in seiner Freizeit am liebsten gewaltgeile Internet-Trolle gegen sich aufbringt. Bis er übers Ziel hinausschießt: Die Köpfe hinter dem Online-Gladiatorenkampf „SKIZM“ entführen ihn, bohren ihm zwei Pistolen an die Hände und schicken ihn selbst durch einen Todesparcours quer durch den Großstadtdschungel.

Dauerhafte Reizüberflutung

Jason Lei Howdens entgrenzte Gaming-Welt erscheint als ein irrer, neonfarbener Rauschzustand. Das ist nicht sonderlich originell, aber wenigstens von Anfang bis Ende konsequent durchgezogen, wo anderen Vertretern gerne mal unterwegs die Puste ausgeht. Die Kamera rastlos in Bewegung, Überschläge, Kopfstand, flackernde Lichter. Wo realer und digitaler Raum nicht mehr voneinander zu unterscheiden sind, da herrschen permanente Reizüberflutung und Illusion. Bilder wechseln mühelos zwischen beiden Welten hin und her. So weit sind wir in der Realität davon ja nicht entfernt. Stichwort: Augmented Reality!

„Guns Akimbo“ zeigt das mit dem Tempo am Anschlag, mit einer wahnsinnigen Suche nach dem Adrenalin, wie einst Jason Statham in „Crank“ seine Herzbatterie auf Hochspannung halten musste, um zu überleben. Doch es nützt wenig, wenn unter dieser Fassade so wenig zum Vorschein kommt. Unter der überstilisierten Gewaltorgie (in Deutschland nur gekürzt im Kino!) tummeln sich leider überwiegend Banalitäten. Das fängt noch mit einem durchaus zynischen Statement an, den Internet-Troll aus der Anonymität heraus und in die reale, physische Gewalt zu treiben. Nach diesem drastischen Start wird es schnell generisch, fast etwas duckmäuserisch.

Wozu das alles!?

„Guns Akimbo“ weiß selbst nicht, auf welcher Seite er stehen soll. Natürlich könnte man theoretisch das Publikum so aus der Reserve locken, doch hier ist alles so zerfasert und monoton in seiner Darstellung, so ungeschickt im Umgang mit seiner Figur, die mal zum lachhaften Idioten degradiert und dann wieder als cooler Actionheld gefeiert wird. Man kauft dem Film diese Kalauer nicht ab. Es fehlen die Ideen, aus dem amüsanten Plot etwas Größeres zu stricken, stattdessen gestaltet sich der restliche Film – um im Metier zu bleiben – lediglich als recht stumpfer Third Person Shooter.

Übrigens, wenn man dabei schon eine videospielaffine Zielgruppe überzeugen will, darf es auch gerne etwas zeitgemäßer sein! Die Gamingszene bedeutet im Jahr 2020 eben nicht mehr nur Ballern, lässige Sprüche und ein paar Blödel-Witze, die im Tunnelblick vorbeirauschen. Dass es da durchaus ernst zu nehmende Stoffe zu entdecken gibt, haben mehrere Videospieltitel in den vergangenen Jahren bewiesen. Der Film hätte ebenfalls Potential gehabt, thematisch weit auszuholen. Man hätte dann auch im Kino über die ein oder andere Blödsinnigkeit jubeln können. Unterhaltung und Intelligenz schließen sich ja bekanntlich nicht aus. „Guns Akimbo“ feuert lieber permanent aus allen Rohren, aber für mehr als einen Streifschuss an der Schulter reicht es doch nicht.

„Guns Akimbo“ läuft ab dem 25. Juni in den deutschen Kinos. Wie das Portal Schnittberichte meldete, handelt es sich bei der FSK 16 – Fassung um eine ca. eine Minute gekürzte Version. Die Uncut-Fassung mit „keine Jugendfreigabe“ soll zunächst lediglich in Previews zu sehen sein.

Bildquelle:

  • gunsakimbo: Leonine
  • guns akimbo: Leonine

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