Jean Dujardin: Zu viele Spezialeffekte machen Filme unmenschlich

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Bild: © Romolo Tavani - Fotolia.com
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Mit „The Artist“ erobert der französische Schauspieler gerade die Herzen der Zuschauer. In der Nacht zum Montag erhielt er für seine Darstellung den Golden Globe als bester Hauptdarsteller. Im Interview spricht Dujardin über die Herausforderungen des Films und seine Vorbilder.

In seiner französichen Heimat ist Jean Dujardin bereits ein allseits bekannter Mann. Man kennt ihn als Komiker oder auch als Held der Agentenparodie „OSS-117“. International schob er sich nun durch seine Verkörperung der Hollywood-Stummfilmlegende George Valentin, dem es trotz allen Ruhmes nicht gelingt, einen erfolgreichen Schritt zum Tonfilm zu machen, in den Vordergrund.
 
In Zeiten von 3D-Technik und Spezialeffekten haben Sie mit einem nostalgischen Schwarz-Weiß-Stummfilm einen riesigen Treffer gelandet. Denken Sie, die Menschen haben Sehnsucht nach großen, echten Gefühlen und Geschichten auf der Kinoleinwand?
 
Jean Dujardin: Wenn unser Film so einen großen Anklang findet, dann muss man wohl davon ausgehen, dass das Publikum ein bisschen Nostalgie liebt. Ein Film wie unserer zieht den Zuschauer viel mehr in die Verantwortung, er wird emotional mehr mit einbezogen. Manche Kinofilme sind durch die ganzen Spezialeffekte fast entmenschlicht. Deshalb gab es vielleicht den Wunsch, nach so einem Film.
 
War es schwierig, einen Stummfilm zu drehen?
 
Dujardin: Ich rede ja.

Aber man hört es nicht, weil der Ton nicht aufgenommen wurde. Mussten Sie nicht wie die alten Stummfilmstars größere Gesten machen und mehr Ausdruck in Ihre Mimik legen?
 
Dujardin: Das kommt auf die Szene an. Als ich als Schauspieler quasi im „Film im Film“ zu sehen bin, habe ich sehr viel agiert – ein bisschen wie Douglas Fairbanks. Aber es ist vor allem Regisseur Michel Hazanavicius, der den Film vorantreibt und erzählt, je nachdem wie er die Einstellungen wählt. Es gibt eine Szene, in der sieht man George Valentins Filmplakat im Regen auf dem Boden liegen, und die Passanten laufen achtlos darüber. In dieser einzigen Einstellung erzählt Michel unglaublich viel – nämlich dass George am Boden ist. Wir Schauspieler haben dem Film einfach nur unsere Gefühle geliehen. Ich spiele gerne mit Ausdrücken und Gesten. Ich bin auch etwas schüchtern, deshalb verstecke ich mich gerne hinter den Figuren.
 
Welche Stummfilmstars waren Vorbilder für Ihre Rollengestaltung?
 
Dujardin: Ich habe alle Filme mit Douglas Fairbanks angeschaut. Seine Figuren waren für mich ein Rollenvorbild – ein bisschen selbstverliebt, arrogant und immer gut drauf. Für Schauspieler wie Fairbanks war die Einführung des Tonfilms damals ein totaler Schock. Sehr wenige Stummfilmschauspieler haben den Sprung zum Tonfilm geschafft. Vor dem Dreh habe ich zum Beispiel auch „Ein Mensch der Masse“ von King Vidor gesehen, „City Girl“ von Friedrich Wilhelm Murnau und einige Filme von Charlie Chaplin und Vittorio Gassman. Und Gene Kelly kenne ich auswendig.
 
Ihr Film wird überall gefeiert. Wie gehen Sie mit dem Ruhm um?
 
Dujardin: Ich bin sehr stolz und hoffe, nicht eingebildet zu werden. Es ist großartig und ich habe das Gefühl, dass sich der Film in jedem Land, in dem er gezeigt wird, verändert. So als hätte Regisseur Michel Hazanavicius eine magische Formel gefunden, dass der Film einfach jedem gefällt. Der Film hat irgendwie seine eigene Dynamik entwickelt.
 
Gibt es schon Angebote aus Hollywood und müssen Sie jetzt Englisch lernen?
 
Dujardin: Nein (lacht). Ich bin zu überhaupt gar nichts verpflichtet. Es gibt schon Angebote, aber da geht es immer um den Quoten-Franzosen – darum, Sartre oder Le Corbusier zu spielen. Das ist nicht sehr interessant. Ich habe auch gar keine besondere Lust, unbedingt in Hollywood zu drehen. Aber es hängt natürlich vom Angebot ab.
 
Was ist der vierbeinige Hauptdarsteller des Films, der Jack Russell Terrier Uggie, für ein Typ?
 
Dujardin: Er dreht gerade schon den nächsten Film. Er ist so ein großer Star, dass er nicht mal Zeit hat, auf der Straße andere Hunde zu begrüßen.
 
Geht es in Ihrem nächsten Film wieder um so große Gefühle wie in „The Artist“?
 
Dujardin: Mein nächster Film ist ein verrückter Sketch-Film, der ist ziemlich weit entfernt von „The Artist“. Dann drehe ich einen Film mit Eric Rochant, eine Mischung aus Liebes- und Spionagefilm – mit Cécile De France. Im April fangen die Dreharbeiten an.
 
Vielen Dank für das Gespräch.INTERVIEWs im Überblick
[Interview von Elke Vogel/fm]

Das Interview gibt die Meinung des Interviewpartners wieder. Diese muss nicht der Meinung des Verlages entsprechen. Für die Aussagen des Interviewpartners wird keine Haftung übernommen.

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  • Inhalte_Kino_Artikelbild: © Romolo Tavani - Fotolia.com

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