Polanski: Ein Filmemacher zwischen Gewalt, Wahnsinn und Tod

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Bild: © Romolo Tavani - Fotolia.com
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Regisseur Roman Polanski blickt auf bewegte 80 Jahre zurück: Sex, Gewalt, Sekten, Wahnsinn und Tod spielten nicht nur in zahlreichen seiner Filme eine zentrale Rolle, sondern auch in seinem Privatleben.

Roman Polanski lebt in Paris und liebt die Schweiz. Nicht nur, weil man ihm in Gstaad Hähnchen und Wein als Zeichen der Solidarität brachte, als er in seinem Haus wegen eines lang zurückliegenden Sexualdelikts unter Hausarrest stand. Der Filmemacher fand in dem Nobelort vor 40 Jahren Unterschlupf und Schutz. „Nach dem Mord an meiner schwangeren Frau und drei meiner Freunde flüchtete ich vor den Medien hierher“, gestand Polanski in einem Interview mit dem Westschweizer Radio- und Fernsehsender RTS. Angst, Verzweiflung und Tod begleiten die Biografie des polnisch-französischen Regisseurs, der am vergangenen Sonntag (18. August) 80 Jahre alt wurde.
 
Im Laufe seines Lebens ist ihm ein dickes Fell gewachsen. „Ich bin aus hartem Material. Aus mir könnte man Nägel machen“, spöttelt der Ausnahme-Regisseur in dem Interview. An den Tod habe er sich gewöhnt, so wie sich Chirurgen an offene Bäuche gewöhnt haben, erklärte er leicht verbittert.

Im Jahr 1969 wurde seine im achten Monat schwangere Frau Sharon Tate von Anhängern der okkulten Manson-Sekte in Los Angeles auf bestialische Weise getötet. Seine Mutter, ebenfalls schwanger, war in Auschwitz umgekommen. Polanski selbst konnte aus dem Krakauer Ghetto fliehen und überlebte auf dem Land bei Kleinbauern.
 
1977 folgt die Fortsetzung der Polanski-Saga. Er wird festgenommen. Im Haus von Jack Nicholson hat er eine 13-Jährige mit Drogen und Champagner zum Sex verführt. In Kalifornien gilt Intimverkehr mit Minderjährigen als Vergewaltigung. Er bekennt sich schuldig und sitzt 42 Tage in Untersuchungshaft. Um einem Prozess in Amerika zu entkommen, flüchtet er nach Paris.
 
In den Filmen des immer noch sehr jungenhaft wirkenden Filmemachers geht es um Menschen, die dem Bösen ausgeliefert sind – entweder in ihren Ängsten oder aber in ihrer wirklichen Welt. „Venus im Pelzmantel“ ist ein Sado-Maso-Drama, das er dieses Jahr in Cannes präsentiert hat; „Der Gott des Gemetzels“ (2011) ein Psychodrama, in dem sich zwei Paare zerfetzen. Der Meister der Klaustrophobie brilliert.
 
Der vielfach ausgezeichnete Politthriller „Ghostwriter“ handelt von Mord und politischen Intrigen. Den nervenaufreibenden Film hat er in der Haftanstalt in Zürich fertiggestellt. Polanski wurde auf dem Weg zum Zurich Film Festival Ende September 2009 bei der Einreise in die Schweiz festgenommen. Die USA hatten 2005 wegen des weit zurückliegenden Sexualdelikts einen internationalen Haftbefehl bewirkt. Nach seiner „provisorischen Auslieferungshaft“ wurde er mit elektronischen Fußfesseln in den Hausarrest entlassen. Im Juli 2010 lehnte die Schweiz den Auslieferungsantrag ab. Nach knapp einem Jahr war Polanski wieder frei.
 
Nur wenige blicken so tief in menschliche Abgründe. „Macbeth“ und sein zum Kultfilm gewordener Horrorstreifen „Rosemary’s Baby“ sind Stücke, die mit einem Blutbad enden und im Wahnsinn. Ein Meilenstein in der Tradition des „Film noir“ war auch sein 1974 für mehrere Oscars nominiertes Werk „Chinatown“: ein schonungsloser und brutaler Detektiv-Thriller.
 
Die Vergangenheit holt den 1933 in Paris geborenen Filmemacher immer wieder ein. In dem mehrfach preisgekrönten Film „Der Pianist“ arbeitet Polanski erstmals das Trauma seiner Kindheit auf. Die authentische Geschichte handelt von einem hoch angesehenen jüdischen Klavierspieler. Wladyslaw Szpilman entkommt den Abtransporten in die Ghettos. In ständiger Angst und völlig ausgehungert wartet er auf das Ende des Krieges.
 
Seit Mitte der 70er Jahre ist Polanski französischer Staatsbürger, seit 1989 ist er mit der französischen Schauspielerin Emmanuelle Seigner verheiratet, mit der er zwei Kinder hat. Früher war er ein Weit- und Vielreisender. Heute lebt er in Paris und verbringt seine Ferien in Gstaad. Ob ihm das Reisen nicht fehle? Die Antwort, die Polanski in dem Anfang 2012 geführten RTS-Interview gab, kam ohne zu zögern. Nein, er wolle nur noch seiner Familie nahe sein, von der ein Jahr lang getrennt lebte. [Sabine Glaubitz/fm]

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6 Kommentare im Forum

  1. AW: Polanski: Ein Filmemacher zwischen Gewalt, Wahnsinn und Tod Es ist schon seltsam, daß hier gar niemand etwas schreibt. Für mich ist Polanski einer der ganz großen Regiesseure. Ein 80 jähriger Geburtstag sollte im übrigen ein Grund sein den Mann durch eine Ausführliche Retrospektive. Arte bringt "Tess" und 3Sat brachte "Oliver Twist", immerhin besser als gar nichts. Wo aber bleiben seine älteren Sachen? Wenn Katelbach kommt… lief beispielsweise vor ca. 35 Jahren das letzte Mal. Warum nicht auch einmal seine Kurzfilme ? Statt dessen gefühlte 100fache Wiederholungen von "Rosmaries Baby", "Chinatown" oder dem "Tanz der Vampire". Auch Sky ist's einerlei !!
  2. AW: Polanski: Ein Filmemacher zwischen Gewalt, Wahnsinn und Tod Auf ServusTV lief anlässlich dessen letztens "Das Ekel" (unangekündigt in nativem HD); fand ihn allerdings relativ langwierig, im Vergleich zu seinen anderen Filmen.
  3. AW: Polanski: Ein Filmemacher zwischen Gewalt, Wahnsinn und Tod Alter Schwede, so unterschiedlich können Meinungen sein. Für mich ist Ekel ein Kleinod - perfekt in jeder Beziehung. Ein stiller aber großartiger Film. Sehe gerade, das du langwierig und nicht langweilig geschrieben hast, das mildert den Schock den du mir versetzt hast. Leider habe ich ihn auf Servus TV verpasst.
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