„Skyfall“: James Bond zwischen Tradition und Moderne

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Bild: © Romolo Tavani - Fotolia.com
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Während sich das MI6 zahlreicher Angriffe erwehren muss, kämpft der 007-Agent noch mit einem ganz anderen Problem, denn Bond stürzt in eine tiefe persönliche Krise – und dabei wird mehr von seiner Vergangenheit enthüllt, als jemals zuvor. Die Erwartungen an den 23. Bond-Film sind hoch, doch „Skyfall“ beweist, dass unter Druck wahrlich Diamanten entstehen können.

Schnelle Autos, schöne Frauen, geschüttelter Martini, ein schauerlicher Bösewicht, exotische Schauplätze – „Skyfall“ hat sämtliche klassische Zutaten eines James-Bond-Films. Sogar den alten Aston Martin DB5, den einst Sean Connery fuhr. Detailverliebte 007-Fans dürften nicht enttäuscht sein. Angestaubt ist er trotzdem nicht. Mit Computer-Hackern und Fingerabdruck-Waffen lebt der neue Bond definitiv im Hier und Jetzt.
 
Anders als so manches Mal in der 50-jährigen Geschichte des Geheimagenten auf der Leinwand braucht der neue Bond Martini und Maßanzug aber gar nicht unbedingt. Denn statt des Superhelden zeigen Daniel Craig und Regisseur Sam Mendes einen verwundbaren, vielschichtigeren Bond mit Vergangenheit. Sie machen ihn damit über den Stereotyp hinaus auch für Nicht-Bond-Kenner interessant.
 
Los geht es mit dem vermeintlichen Tod des Geheimagenten im Dienste ihrer Majestät. Nach einem klassischen Einstieg mit dramatischer Verfolgungsjagd durch Istanbul stürzt er von einem fahrenden Zug in die Tiefe – einer von mehreren Bezugspunkten zum Titel „Skyfall“. Denn der Fall aus dem Himmel ist metaphorisch: Der charmante, selbstsichere Agent stürzt in eine tiefe persönliche Krise. In kaum einem Bond-Film wurde so viel über die Vergangenheit der Figur bekannt, und die ist nicht unbedingt rosig.
 
Erst als der britische Geheimdienst MI6 Ziel von Hacker-Angriffen und Terroranschlägen wird, rappelt Bond sich auf und kommt zurück. „Wiederauferstehung ist meine Spezialität“, so sein Kommentar dazu. Doch beim MI6 ist auch nicht mehr alles, wie es war. Chefin M – zum siebten Mal von Judi Dench gespielt – soll in Rente geschickt werden. Sie wehrt sich, wird aber angreifbarer in ihren Entscheidungen.

Das Ganze spielt in einem Zeitalter, in dem nicht mehr Waffen die größte Gefahr sind, sondern Computer-Hacker. Fallen Bond und M gemeinsam oder können sie sich gegenseitig retten? Das Ende kommt unerwartet, und Überraschungen gibt es einige.
 
Dass nach dem eher enttäuschenden Vorgänger „Ein Quantum Trost“ etwas ganz Anderes kommen würde, ließ sich erahnen, als Sam Mendes als Regisseur bekanntgegeben wurde. Craig soll ihn selber ausgesucht haben. Oscar-Preisträger Mendes ist mit sensiblen Dramen wie „Zeiten des Aufruhrs“ oder „American Beauty“ bekanntgeworden, als Action-Experte galt er bislang nicht gerade.
 
Craig und Mendes wollten wieder zurück zu den Wurzeln und nahmen sichdie Buchvorlagen von Ian Fleming vor. Kritiker in Großbritannienverglichen Mendes‘ Bond-Version bereits mit den Batman-Filmen von Christopher Nolan: Beide hätten ihren berühmten Helden eine kaum zu erwartende Vielschichtigkeit gegeben.

„Wir leben in einer Zeit, in der es möglich ist, einen großen, unterhaltsamen, glamourösen Eskapismus-Film zu machen, der gleichzeitig etwas über die Welt aussagt, in der wir leben“, sagte Mendes. „James Bond fühlt sich wieder wie ein realer Mann in einer realen Situation an.“
 
Doch bei aller Realitätsnähe gibt es auch genug typische Bond-Momente voller Übertreibungen und Absurdität, wie sie bei 007 einfach dazugehören. Eine der Hauptrollen hat auch wieder der britische Humor – zum Beispiel, wenn sich Bond mitten in einem surrealen Todesrennen erst einmal die Manschetten geradezieht.
 
Ein Großteil des Unterhaltungswerts liegt aber auch in den außergewöhnlichen Schauspielleistungen. Javier Bardem, der für seine Bösewicht-Darstellung in „No Country for Old Men – Kein Land für alte Männer“ einen Oscar bekam, mimt das gefährliche Genie Silva. Ein Wiedersehen mit Bonds Versorgungsmann Q gelingt ebenfalls. Ben Whishaw spielt das junge Computergenie. „Q repräsentiert eines der zentralen Themen des Films – das Alte gegen das Neue“, sagt er. Schießende Stifte jedenfalls gibt es bei ihm nicht mehr.Kinokritiken im Überblick
[Britta Gürke/fm]

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